Tribes of Can und Censored - Ein Tourbericht der System Disease Tour 2003 (Livebericht, 2003)

06.02.2003. Proberaum Censored.

Die Nacht befand sich bereits in fortgeschrittenem Zustand. Einige Vertreter von Tribes of Can verweilen einmal mehr in dem Übungslokal von Censored. Nachdem diese ihren produktiv-musikalischen Teil des Abends abgeschlossen hatten und die administrativen Dinge des letzten Konzertes geregelt waren, wurde uns plötzlich und etwas überraschend -aber natürlich zu unserer grossen Freude- die Möglichkeit eröffnet, Censored auf (dem zweiten Teil) ihrer System Disease Tour zu begleiten.

Die vorgesehene Band "Baalphegor" musste zwei Tage vor Beginn der Tour aus unfalltechnischen Gründen sämtliche Konzerte absagen. Leider war es uns aus zeitlichen Gründen nicht möglich die ersten drei Konzerte in Zürich, Genf und Bremgarten zu bestreiten (die somit auch in diesem Bericht fehlen...).

Um euch einen kleinen Einblick in die Stimmung dieser denkwürdigen Tage, Konzerte und (feucht-fröhlichen) Erlebnisse zu vermitteln, haben wir uns entschlossen diesen kleinen Tourbericht zu verfassen. (Um die Photos in voller Grösse zu bestaunen braucht ihr sie nur anzuklicken.) Viel Spass, euer TOC-Team!

Montag 10.02.2003, 13:00

Die letzten Tage waren hart. Es wurden in aller Eile Tourpromos gebrannt und Booklets gedruck, eine provisorische Tribes of Can Flagge gesprayt, Flyers fabriziert, Equipment zusammengsucht, Inventarlisten erstellt, usw.

Das Wort "Schlaf" wurde für einige Zeit aus unserem aktiven Vokabular verbannt und wir versuchten, unsere gepeinigten Körper mit etlichen Vitaminpräparaten und koffeinhaltigen Getränken zu unterhalten. Um 13:00 finden sich alle Mitglieder von Tribes of Can vor dem Sitz der Autovermietung Sixt ein. Mit einiger Verspätung trifft dann auch die völlig erschöpfte Censored Crew ein und mit vereinten Kräften gelingt es uns tatsächlich, das komplette Equipment von zwei Bands plus Gepäck von neun stattlichen Recken (plus den Recken persönlich natürlich...) in unserem Minibus (vorgesehen für 14 Personen OHNE Gepäck...) zu verstauen. Darauf nehmen wir den Weg nach Mainz in Angriff und die ersten Biere der Tour werden entjungfert.

Es ist bereits stockdunkel als wir in Mainz eintreffen und bis wir uns auf dem riesigen Campus der Universität zwischen Teilchenbeschleunigern und vergessenen Astrophysikern endlich zum Kulturcaf durchgedrungen haben, ist es auch schon 20:00 Uhr. Da die Jungs der ersten Band Centaurus-A bereits um 21:00 loslegen sollen, wird Niks Schlagzeug nicht mehr aufgebaut und weder Censored noch Tribes of Can führen einen Soundcheck durch.

Nachdem die technisch anspruchsvollen Bonner die Bühne nach einem gelungenen Gig freigeben, entern Misanthropic die Bretter. Die Truppe um den Agathodaimon Schlagzeuger Matze beeindrucken mit einer gelungenen Mischung aus Black und Deathmetal.

Censored geben ihr Set als nächste Band zum Besten und überzeugen das zahlreich erschienene Publikum! Es wird gebangt und gemosht und gerne hätten die Zuschauer wohl noch einige Zugaben gesehen, aber Censored spielen ihr Set in einem rasanten Tempo und ohne lange Ansagen.

Sie eröffnen uns somit die Möglichkeit als letzte Band noch einige Songs zu zelebrieren. Eine sehr faire und freundschaftliche Geste, für die wir uns noch einmal bedanken möchten! Nach dem Gig wird das Material verstaut und es geht direkt weiter in den Proberaum von Misanthropic (der später von Tribes of Can und Hasler als Schlafgemach genutzt wird) wo zu guter Musik und billigem Bier bis in die frühen Morgenstuden gefeiert wird.

Dienstag 11.02.2003, 11:30

Angeführt von Matze, der rauchend jedes Hungergefühl begräbt, betreten die Jungs von Censored unser Schlafgemach, das die Heizung mittlerweile auf 30 erwärmt hat, und auch sonst einer intensiven Durchlüftung bedarf. Erst ein paar Sekunden nach Wiedererlangen der Wahrnehmung macht sich, dafür um so stärker, der stechende Schmerz im Nacken bemerkbar, einerseits bedingt durch das nächtelange Bangen der letzten Tage wie auch durch die ungünstige Wahl von Militärstiefeln als Kopfkissen. Umso erstaunlicher zügig tragen wir unsere müden Knochen in den Bus, nachdem wir Matze noch ein letztes Mal, für den ganzen Aufenthalt dankend, die Hand geschüttelt haben.

Manu fährt unsere neun hungrigen Bäuche wieder nach Mainz hinein, wo wir uns am Bahnhof erst einmal alle mit Euros eindecken. Auf der Suche nach Frühstück landen wir in einer Pizzeria, die wir erst wieder verlassen, nachdem jeder der Toilette einen ausgedehnten Besuch abgestattet hat. Nun geht's auf in Richtung Belgien, über die trostlosen Autobahnen Deutschlands - aber durch die ständige Berieselung mit Grind-Death und ein paar von Retos Video-Sessions wird auch diese Fahrt ertragbar. Beim nächsten Stop befinden wir uns bereits in Holland - und wenn für uns Schweizer Grenze immer mit Zoll verbunden wird, dann gilt es jetzt umzudenken. Ziel dieses Aufenthaltes ist ein Caf, in dem man neben den üblichen Getränken an der Bar noch etwas anderes bestellen kann, um es dann aber auch nur dort zu konsumieren. Nach dem kurzen Genuss wird die Reise fortgesetzt, um wenigstens einigermassen pünktlich in Gent anzukommen.

Eine Stunde später parkieren wir unseren Bus direkt vor dem "Frontline Club". Wir finden einen gemütlichen kleinen Klub inmitten des Ausgangsviertels der Studentenstadt Gent vor. Das Equipment wird sogleich aufgestellt, der Konzertbeginn auf 22:00 festgelegt. Der Backstageraum im ersten Stock soll für heute Nacht unsere Ruhestätte werden. Auch wenn die Besucher an diesem Dienstagabend nicht so zahlreich erschienen sind, steigen um Punkt zehn die gut gelaunten Tribes of Can auf die Bühne. Der Sound ist einwandfrei, und die Songs werden mit viel Power und Live-Action ins Publikum geschleudert.

Nach 50 Minuten ist das Set zu Ende gespielt, und die Bühne wird für Censored freigegeben. Mit der gewohnten Souveränität geben die drei Jungs wie immer ihr Bestes, unterstützt von einer headbangenden TOC-Truppe in der ersten Reihe, während Hasler mit der Kamera einige Szenen festhält. Nach ihrem Titelsong "system disease" werden die Zuhörer noch mit Deceide und Cannibal Corpse eingedeckt - bis zur Erschöpfung.

Nach dem Konzert werden wir mit Whisky und Pommes Frites mit Mayonnaise -typisch Belgisch- verpflegt. Später am Abend ziehen sich alle etwas in den Backstage zurück, um amüsiert das lustige Treiben auf den Strassen zu beobachten. Nachdem wir uns genügend Mut angetrunken haben, wollen wir uns unter die Studentinnen mischen, doch da gibt's eine böse Ueberraschung: Der Barbesitzer hat die Türen schon verriegelt und will uns nicht mit einem Schlüssel auf die Strasse lassen. Wir entscheiden uns, dieses Mal den Klub noch nicht einzureissen und feiern bis in die frühen Morgenstunden im kleinen Kreis weiter. Mittwoch 12.02.2003, 13:00

Zum wiederholten Male werden an diesem Morgen die Versprechen laut, endgültig dem Alkohol abzuschwören, begleitet vom Wehklagen über den vom harten Boden gemarterten Rücken. Um 14:00 sollen wir das Material zusammengeräumt haben - nur mal keine Panikmache, heute bestimmen wir den Zeitplan. Wir beladen in Ruhe unser Fahrzeug und nehmen anschliessend gegenüber in der Unimensa unser Frühstück ein. Auf der Strasse treffen wir die österreichische Band Freund Hein, die heute Abend spielen werden. Das Essen selber definiert sich etwas undefinierbar - Polyterrasse und Lichthof lassen grüssen. Um 15:30 ziehen uns unsere Diesel-PS wieder in Richtung Süden. Ein öder Nachmittag auf den Autobahnen in und um Paris steht uns bevor. Der Himmel kleidet sich grau in grau, die Sicht beschränkt sich auf 300 Meter. Gegen Abend kehren wir in einer Raststätte ein, um uns über den nächsten Uebernachtungsort zu orientieren.

Wir fahren weiter nach Tours, wo wir uns in einem Etappe 0-Sterne Hotel jeweils zu dritt einquartieren und wieder einmal den Luxus einer Dusche geniessen. Frisch und etwas ausgeruhter gehen wir um 23:30 nach draussen mit der Absicht, uns zur Abwechslung etwas anständiger zu verpflegen. Im Gegensatz zu Gent ist hier aber schon um diese Zeit tote Hose, die Restaurants geschlossen, die verbleibenden Brasseries zu nobel, sogar beim Mc Donald's treffen wir auf verschlosseneTüren. Schlussendlich finden wir hungrig und halb erfroren - bis auf Reto, der schon im Hotel fleissig Bier getankt hat - ein englisches Pub, in dem noch Pizza und andere warme Speisen serviert werden. Wie amnestisiert bestellen und vernichten wir dazu Bier aus allen Herrenländern, bis wir die Bar um 2:00 wieder verlassen. Im Hotel angekommen, geht die Sauferei dann auch gleich weiter. Mit der Turbo-Hole-Technik wird schon mal das Zimmer, Reto, Sven und Chrigi mit Bier vollgespritzt. Zur Verwunderung aller endet auch dieser Abend für die Beteiligten in der Paralleldimension XY, die nur durch den verantwortungslosen Genuss von Alkohol und anderen fast legalen Drogen zu erreichen ist.

San Sebastin, Donnerstag 13.02.2003

Wieder aufgewacht und vom gestrigen Rausch einigermassen erholt, packen wir unsere Sachen und checken aus dem Hotel aus. Leider werden wir heute nicht spielen können, da das in Zaragosa geplante Konzert abgesagt ist. Dies ist uns jedoch bereits im Vorfeld mittgeteilt worden und trägt somit nicht im Geringsten zu einer allfälligen Verschlechterung der Stimmung bei. Wir brechen auf zur Nahrungssuche und finden uns in einer typische französische Baguetterie wieder, in der wir hervorragend und ausgiebig (und sogar mit Nachtisch) frühstücken. Nachdem sich Chrigi mit seinen obligat-albernen Turnübungen aufgewärmt hat, nehmen wir die Fahrt Richtung Spanien wieder auf.

In San Sebastin angekommen, machen wir uns einmal mehr auf die Suche nach einem uns genehmen Hotel. Aus Angst, dass etwas gestohlen werden könnte, werden neben dem Gepäck auch unsere Instrumente in die Hotelzimmer verfrachtet.

Es ist nun ungefähr 21:30 und unsere Bäuche knurren so laut wie das Schnarchen von Chrigi. Ein kleines feines Restaurant ganz in der Nähe des Ausgangsviertels bietet noch warme Speisen feil und diese lassen sich zu unterschiedlichen Menus kombinieren und sind, für unsere (schweizerischen) Verhältnisse, spottbillig. Perfekt! Wir lassen's uns schmecken und hoffen, dass unser Gespeistes einen guten Dienst als "Bödeli" leisten wird. Es ist bereits spät und wir machen uns auf den Weg ins Ausgangsviertel um einen Club zu suchen in dem noch die Post abgeht. Schnell werden wir fündig und bestellen das erste Bier. Der DJ muss uns irgendwie bemerkt haben, denn anstelle von Hitparadenmusik werden wir nun mit Iron Maiden und ähnlichen Kultbands verwöhnt...na bestens! Prost! Die Luft ist leider nicht die beste, dafür aber der Whisky Cola sehr preiswert und in einem netten Verhältnis gemischt. Überrascht sind wir als uns der Baarkeeper plötzlich eine Runde Absinth ausgibt. Zögerlich aber flott schlucken wir (beinahe alle...) das giftgrüne Getränk und wissen nicht wie uns geschieht. Als der Klub dicht macht, begeben sich Manu, Marcel, Hasler und Dari in die nächste Absteige während der Rest den Weg zurück ins Hotel in Angriff nimmt. Schnell noch ein paar Bierchen aus dem Auto geholt und ab ins Zimmer. Einige von uns finden sich dann relativ bald in einem transzendentalen Paralleluniversum oder im Schrank wieder (hat etwa das "Bödeli" versagt?); Zeit ins Bett zu gehen.

Freitag 14.02.2003, 11:00

Inti, Sven und Dari machen sich, sozusagen Mitten in der Nacht, auf den Weg zum Bahnhof, um sich Plätze für ihre Heimreise mit dem Zug am Sonntagabend zu reservieren. Punkt 12:00, wie am Abend vorher vereinbart, findet sich dann die Tribes of Can-Crew in haarsträubendem Zustand in der Hotellobby ein. Von den Censored-Jungs hat es heute Morgen nur Nik aus den Federn geschafft. Reto und ich vertreiben uns die Zeit mit etwas Unplugged-Gitarrenspiel. Wir sind uns noch nicht ganz einig ob wir heute Abend wieder mal ein Dissection-Cover spielen wollen, denn das letzte Mal ist doch schon ein Weilchen her. Um 13:00 schleifen dann auch Manu, Marcel und Hasler ihr Gepäck die Treppen herunter.

San Sebastin sieht heute Morgen in unserer von Alkohol getränkten Subjektivität ziemlich beschissen aus. Die Gitarren wieder im Gepäckraum verstaut, machen wir uns auf Richtung Bergara. Auf den ca. 60 km halten wir drei Mal; um zu tanken, uns in einem Supermarkt mit lebenswichtigen Utensilien (Batterien, Bier, Wasser, Bier, Süssigkeiten) einzudecken und etwas zu frühstücken. Die Fahrt durch das hügelige Pas Vasco gestaltet sich sehr angenehm und die kurvigen und breiten Strassen motivieren einen Motorradfan, irgendwann hierher zurückzukehren. Bergara selber besteht hauptsächtlich aus Schwerindustrie, und ein Dunstschleier über dem Ort unterstreicht die Atmosphäre. Dass das Konzertgebäude ein ehemaliges Gefängnis ist, passt perfekt.

Wir werden freundlich empfangen von den Separatisten aus der lokalen Szene, die hier ihren Tagungs- und Versammlungsort haben. Es werden uns unsere Zellen zugewiesen, in denen wir modrige Matratzen, feuchte Kälte und vergitterte kleine Fenster vorfinden. Erinnerungen ans KuZeB melden sich.

Während wir mit dem Aufstellen des Equipments beschäftigt sind, trifft die dritte Band des Abends ein, Venereal Desease, die auch gleich das PA mitbringen. Es ist eine lokale Grind-Metal Band bestehend aus einem Gitarristen, einem massiven Schlagzeuger und einem Sänger, der nur Fleisch als Nahrung akzeptiert (und auch dementsprechend aussieht).

Nach einem kurzen Soundcheck und Verpflegung aus der hauseigenen Küche beginnt um 23:00 das Konzert. Venereal Desease sind so grindig, dass es fast nicht zum Aushalten ist. Den ca. 70 Besuchern scheint's zu gefallen. Als zweite Band spielt Tribes of Can, wenn auch vom kiffenden Publikum zugenebelt, mit vollem Einsatz, um dann gegen 0:30 die Bühne für Censored freizugeben. Bangen und Stagediving sind angesagt, wobei es den ein oder anderen schon mal böse auf die Fresse haut.

Pinche, ein Bekannter von Manu, feiert mit uns dann auch den Rest der Nacht durch, bis um ca. 5:00 in unseren Zellen jeder irgendwo auf seinem Schlafsack zusammenbricht.

Samstag 15.02.2003, 10:40

Nur weil wir wissen, dass wir heute mehrere Hundert Kilometer auf der Strasse zurückzulegen haben, gelingt es Manu, uns um diese Zeit aus dem Koma zu holen. Mit mittlerweile eingeübten Handgriffen wird im Delirium der Schlafsack zusammengerollt, und sogleich mit den Gitarren in den Bus geladen. Reto scheint es diesen Morgen etwas ärger erwischt zu haben, als letzter kriecht er, während alle am einladen sind, unter der Decke hervor. Schnell besetzen wir dann aber unsere Plätze im überfüllten Tourbus und unter geschickten Manövern findet Manu den Weg aus den winkligen Strassen Bergaras zurück auf die Landstrasse und schliesslich auf die Autobahn in Richtung Barcelona. Nach guten zwei Stunden Fahrt entschliessen wir uns, unseren gemarterten Mägen etwas Nahrung zu gönnen und halten zu diesem Zweck an einer Autobahnraststätte. Die Sonne scheint hell, der Sand und die trockenen Büsche vermitteln den Eindruck im "warmen" Spanien zu sein, doch der kalte Wind im Gesicht beweist, dass der Winter auch hier vorbeischaut. Das Menu aus dem Selbstbedienungsrestaurant ist dann der Ueberhammer; Kalte Schweinsspiesse mit versalzenem Kartoffelirgendetwas, trockenes Brot und faulige Eier wirken wie ein Tritt in den Unterleib und lassen die Lust am Essen so schnell vergehen, wie ein Shot gestern unberührt auf dem Tresen gestanden hat. Nach diesem kulinarischen Tiefflug fahren wir mit Marcel am Steuer weiter, überqueren den Greenwich-Meridian und hängen zu Gonzo's Belustigung zwei Zivilpolizisten ab. An dieser Stelle soll einmal erwähnt werden, dass die langen Fahrten im engen Bus zwar kräftezehrend, jedoch niemals langweilig waren oder der guten Stimmung unter den Beteiligten geschadet hätten. Auch heute geniessen wir die Landschaft, bilden uns mit Lektüre aller Art und fühlen uns mit dem Geprügel aus den Lautsprechern so richtig "Metal".

Hundert Kilometer vor Barcelona werden die Flächen grüner und die Sträucher farbiger, die katalanische Hauptstadt erwartet uns! Mittlerweile hat sich Manu wieder hinters Lenkrad gesetzt, da er sich auf den Strassen Barcelonas gut auskennt. Als wir in die Stadt hineinfahren, erreichen uns Meldungen von riesigen Anti-Kriegsdemonstrationen, die gesamte Innenstadt ist gesperrt und es herrscht Chaos.

Und dann das Beste: Von der Polizei seien sechs Rock-Klubs geschlossen worden, darunter auch unserer. Wir können es kaum glauben, treffen erst einmal Maria, Manu's bessere Hälfte, die uns die üble Neuigkeit aber bestätigt. Da gibt's nur eins: Ein anderes Lokal finden, in dem wir spielen können. Während ein Bekannter uns desillusionierend mitteilt, er habe telefonisch schon alles versucht, schauen wir trotzdem bei einigen Klubs vorbei, doch überall dieselbe Antwort: "Wenn ihr nur gestern gefragt hättet...". Man könnte nun denken, dass wir verzweifelt auf der Strasse zusammenbrechen würden, doch nur weil Herr Aznar vor den Wahlen noch einmal den Rechts-Konservativen raushängen muss, lassen wir uns diese einmalige Woche nicht verderben. Partytime ist angesagt!

Nach einem delikaten Abendessen mit genügend vino tinto fahren wir weiter zu Manu's Ferienwohnung, eigentlich ein umgebautes Tennishäuschen, wo wir unser Gepäck abladen und später die Nacht verbringen werden. Zuerst geht's aber noch ins "Old School", eine Metal-Bar, die von Carlos, einem guten Freund von Manu und Maria, geführt wird. Das Lokal feiert heute seinen vierten "Geburtstag", und dementsprechend zahlreich haben sich die Gäste eingefunden. Die Whisky-Colas werden in einer 50-50- Mischung ausgeschenkt, und gepaart mit der richtigen Musik und dem Zusammensein von guten Freunden ist das ein Freibillet in den Unterraum der sorglos Feiernden. Abschluss, Montag 16.02.03, 14:00

Wieder als erster steigt Chrigi aus den Federn und schnappt sich den Tennisschläger, um sich selber gegen die Wand spielend auf dem Court rumzuhetzen. Bald gilt es dann aber, die Rucksäcke zu packen, die Unterkunft zu säubern und den Müll zu entsorgen. Gegen 18:00 verlassen wir den "Tenis Mas Falquet", um uns vor der langen Heimfahrt noch etwas in der Stadt umzusehen. Es werden ein paar Souvenirs, hauptsächlich aus der "Xarcutera" gekauft, und wir essen noch ein kleines Häppchen in einer Hamburgerbude. Adeus Pamplona, adios Espaa.

So gegen 23:00 halten wir, um jetzt etwas Richtiges zu Abend zu essen, an einem Meeresfrüchterestaurant, gleich nebenan hat es ein Puff.

Es hat kräftig angefangen zu schneien, und so nützen Inti und Chrigi die Gelegenheit für ein paar Poser-Fotos. Kaum sind sie richtig in Fahrt gekommen, stürmt ein fetter russischer Ganove aus dem Lokal, um uns auf spanisch lautstark das Fotografieren und Filmen auf diesem Parkplatz zu verbieten (welcher wichtige Politiker hat hier wohl sein Auto parkiert?). Maria aber will sich in ihrem Land nichts verbieten lassen und scheisst den Typen gehörig zusammen. Wir müssen sie, da wir für eine Schlägerei alle etwas zu müde sind, in den Bus zurückdrängen und suchen uns eine andere Raststätte. Dort gibt's dann in angenehmer Truckergesellschaft Gummi-Calamares und zähes Steak. Egal, wir wollen nach Hause und würgen das Zeugs herunter - billig ist es, wie fast überall in Spanien, auf jeden Fall.

Auf der stundenlangen Fahrt haben wir genügend Zeit, uns alles Erlebte durch den Kopf gehen zu lassen. Chrigi sogar das Abendessen.

Und wenn einer seinen Sitznachbarn fragt, wie er es so gefunden hat, dann stellt sich auf dessen Gesicht sofort ein breites Lächeln ein: "Genial, etwas vom Tollsten, das ich je erlebt habe". Und Barcelona? Natürlich hatte jeder von uns an jenem Abend vor, die Metropole als Abschluss in Grund und Boden zu rocken, einen letzten Monstergig zu geben, und dann... Es gibt kein und dann! Trotz der ein oder anderen Eintäuschung hatten wir an jenem Samstag eine riesen Fete miteinander, was nur beweist, wie befriedigend das Ganze, ich meine das Ganze, bis anhin gewesen war. An Erfahrungswert und Spass kaum zu überbieten, war diese kleine Tour sicher nicht die letzte von Censored und Tribes of Can - Thank you so much, all of you guys!

www.tribesofcain.ch

www.censored.ch


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