Sprawl - Black To The Future (Interview, 2001)

Das Kollektiv Sprawl hat mit seinem Debut Cybionic Black Art einige Wellen geschlagen. Die Kreativität der 3 Musiker aus Oesterreich zeigt sich schon in der Image Präsentation, denn mit der Sprawlcosm Geschichte haben sich die Cybermetaller etwas wirklich Nettes einfallen lassen. Die Musik von Sprawl ist neuartig und nichts für schwache Nerven. Hier werden die Extreme neu ausgelotet und die Stilbarrieren nicht nur überquert sondern gleich weggesprengt, um das mal bildlich zu verdeutlichen. Auf der Webseite der Band könnt Ihr Euch ein paar Songs in Form von mp3 Files anhören, und wenn Ihr jetzt noch einige persönliche Kommentare von Sprawl lesen möchtet, dann seid Ihr hier genau an der richtigen Stelle, denn nachfolgend "spricht" es zu Euch, das Kollektiv ...

Sprawl bedeutet auf Deutsch soviel wie "ausbreiten" oder "ausstrecken". Gleichzeitig seht Ihr Euch als ein Kollektiv, dass das Bewusstsein aller Mitglieder von Sprawl vereinigt. Was ist denn das erklärte Ziel dieses Kollektives?

Sprawl: Unsere Intention ist, all die musikalischen Einflüsse, welche uns ansprechen, zu einem Ganzen zu verarbeiten. Die Basis ist Black Metal, allerdings sind wir nicht bereit, uns nur in dessen Rahmen zu bewegen. Wir arbeiten auch mit so unterschiedlichen Stilrichtungen wie Elektronik, Free-Jazz oder Klassik.

Sprawl besteht ja nun "erst" seit 1999. Woher kommen denn die einzelnen Mitglieder? Was haben sie gemacht, bevor sie ins kollektive Bewusstsein integriert wurden?

Sprawl: Die Einheiten von Sprawl, Sprawl_0001, Sprawl_0010 und Sprawl_0011 sind seit etwa 10 Jahren musikalisch aktiv. Angefangen hat es mit einer Thrash Metal Band, in der wir gemeinsam unsere ersten Erfahrungen machten. Nach deren Auflösung waren wir in verschiedenen Projekten und Bands zugange, ehe wir uns vor etwa 2 Jahren entschlossen, unsere kreativen Potentiale zu vereinen und den Sprawlcosm zu erschaffen. Der Sprawlcosm bildet die Basis für Sprawl, das Portal, um in neue musikalische Dimensionen vorzudringen.

Ihr legt viel Wert auf die Tatsache, dass die teilweise immens schnell gespielten Gitarren "echt" sind. Einerseits verwendet Ihr fast ausschliesslich "Soundsynthetik", andererseits wollt Ihr aber wohl nicht, dass man Euch als reine Computerkids darstellt. Oder sehe ich das falsch?

Sprawl: Es besteht ein grosser Unterschied zwischen uns und anderen Gruppen, welche mit Elektronik arbeiten. So kamen auf Cybionic Black Art z.B. keinerlei Samples zum Einsatz. All die Effekte, die du hörst, sind sozusagen "handgemacht". Auch auf die Hilfe eines Computers wurde verzichtet. Wir arbeiten mit analogen und digitalen Synths sowie diversen Effektgeräten. Viele Effekte, die du hörst, sind sogar entfremdete Gitarren- und Vocal-Sounds, welche als solche nicht mehr zu erkennen sind.

Eure Songs sind ziemlich komplex und lang. Wie komponiert Ihr so etwas? Ausserdem sind die einzelnen Stücke voller Effekte und Spielereien. Wie lange arbeitet Ihr an einem Song? Ist so ein Titel überhaupt jemals fertig oder experimentiert Ihr dauernd wieder neu damit herum?

Sprawl: Zuerst erschaffen wir das Grundgerüst des jeweiligen Songs, welches oft nur aus Melodie und Rhythmus besteht. Dann wird das Stück ausgearbeitet, sprich es wird an den Synth-Sounds, den Effekten und der Dynamik gearbeitet. Wenn uns das klangliche Bild der jeweiligen Parts zusagt, wird es zu einem Ganzen vereinigt. Dieser Prozess kann unterschiedlich lange dauern. Es gibt Stücke, an welchen mehrere Monate lang gearbeitet wurde, aber wir haben auch Songs , die innerhalb einiger Tage fertig sind. Es kann aber auch durchaus der Fall sein, dass ein "fertiges" Stück nochmals komplett überarbeitet wird. Eine genaue Definition, wie lange es dauert, können und wollen wir nicht geben, da wir es selbst nie abschätzen können. Ein Song ist dann fertig, wenn wir zu 100% damit zufrieden sind.

Ihr verlangt einiges von den Zuhörern. Cybionic Black Art ist keine Musik zum Nebenbeihören. Man muss sich schon damit beschäftigen. Aber das ist ja grade in einer Zeit, in der kaum jemand noch eine Minute zuviel übrig hat, ein Faktor, der eher gegen Euch arbeitet. Warum also diese multikomplexen Songs anstatt einfach strukturierter 4 Minuten Tracks?

Sprawl: Als wir Sprawl gegründet haben, wussten wir, dass wir etwas völlig Neues machen wollten, und das sollte keinesfalls Easy-Listening Musik sein. In erster Linie soll die Musik uns selbst ansprechen. Wir sind nicht bereit, uns irgendwelchen Normen unterzuordnen. Sprawl ist für Leute gedacht, die extreme Musik bewusst hören wollen und bereit sind, in unterschiedlichste Klangwelten einzutauchen.

Ihr habt abgesehen vom Cover eigentlich alles selbst gemacht. Die Songs geschrieben, die Effekte kreiert und die CD produziert. Wäre es für Euch aufgrund des ziemlich ungewöhnlichen Sounds von Sprawl überhaupt denkbar, mit einem Dritten, beispielsweise einem Produzenten, zusammenzuarbeiten, oder verlässt nichts den Kreis des Kollektivs bis zum schlussendlichen Mastering?

Sprawl: Eine interessante Frage, welche wir eigentlich nicht wirklich beantworten können. Wir können es uns eigentlich nicht vorstellen, andere Individuen an unserem Arbeitsprozess teilhaben zu lassen, wenngleich die Erfahrung sicherlich reizvoll wäre. Cybionic Black Art wurde bis zum Mastering in kompletter Eigenregie erschaffen. Für das Cover-Artwork nahmen wir Kontakt mit dem Wiener Cyber Artist Marius auf, welcher die Optik nach unseren Vorstellungen umsetzte.

Mit Eurem, ich nenn's mal Black Metal Einschlag, werdet Ihr sicherlich nicht nur auf positive Reaktionen stossen, da ja gerade in diesem Genre sehr viel von "true" und "liniengetreu" geredet wird. Gerade dieser Meinung oder Ansichtsweise schlagt Ihr mit Cybionic Black Art ja förmlich ins Gesicht, oder nicht?

Sprawl: Es ist uns durchaus bewusst, dass Sprawl mit klassischem Black Metal wenig gemein haben. Verstehe uns nicht falsch, auch wir schätzen die kalte, räudige Ausstrahlung, welche Bands wie Darkthrone, Carpathian Forest oder frühe Immortal verbreiten. Auf der anderen Seite sind wir auch von Bands wie Emperor, Ulver oder Thorns beeinflusst. Für uns bietet Black Metal ein wesentlich weiter gefächertes Spektrum als z.B. Power- oder Death Metal. Und wie schon erwähnt ist Sprawl ist für Zuhörer gedacht, welche über den Tellerrand hinausblicken können und wollen.

Auch wenn ich Cybionic Black Art musikalisch als bahnbrechend bezeichnen möchte, erinnere ich mich an eine Platte, die vor rund 7 Jahren einen ähnlichen Weg ging, aber völlig unten durch viel. Es war das Spheres Album von Pestilence. Erstaunlicherweise begegnete man dort auch vielen Jazz Elementen, eine weitere Parallele zu Cybionic Black Art. Wie kam es dazu, dass Ihr eine offensichtlich völlig fremde Stilrichtung wie Jazz mit einbezogen habt?

Sprawl: Weil sie uns inspiriert. All die fremden Stilrichtungen, die auf Cybionic Black Art zu hören sind, haben wir bewusst integriert. Auch wir erinnern uns an das Spheres Album von Pestilence, wenngleich uns Focus von Cynic, das zeitgleich erschien, mehr zusagt. Bei Pestilence war wahrscheinlich der radikale Stilwechsel der Grund, dass die Scheibe durchfiel. Wir stehen von Anfang an für einen erweiterten Kosmos, achten allerdings darauf, dass das Endprodukt wie aus einem Guss wirkt und nicht wie eine Aneinanderreihung diverser, möglichst komplexer Parts, die nur dazu dienen, den technischen Aspekt hervorzuheben.

Wenn Ihr mit Cybionic Black Art auftreten wollt, müsst Ihr ja auch ein visuelles Spektakel liefern, sonst würde der Auftritt der restlichen Musik eigentlich kaum gerecht. Was darf man von einem Liveaufrtritt des Kollektivs erwarten?

Sprawl: Selbstverständlich sind wir bemüht, den Sprawlcosm auch live möglichst einzigartig zu vermitteln, wenngleich eine wirklich adequate Umsetzung "noch" an den finanziellen Möglichkeiten scheitert. Wir planen, die Musik mit einer Multi-Media-Show ähnlich der Live-Auftritte von Neurosis zu verbinden. Weiter sind wir bemüht, unsere Homepage http://www.sprawlcosm.com zu erweitern, und was die Zukunft bringt, wird sich weisen.


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The Renewal

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