Vision Divine - ein Hoch auf die Klassik (Interview, 1999)

Hinweis: Dieses Material stammt aus "Restbeständen" eines gedruckten Magazines aus der Schweiz, welches "The Truth" hiess und leider die Pforten schliessen musste. Einer der ehemaligen Macher, Pascal, hat uns gefragt, ob wir diese unveröffentlichte Artikel bringen wollen, da es schade wäre, wenn sie einfach irgendwo in einer Schublade verstauben würden. Ganz klar, gerne sogar, keine Frage, here we go!

Sie kommen aus dem Land, wo die römisch katholische Kirche ihren Staat hat, Kultur noch gelebt und klassische Musik gefeiert wird. Mailand ist die Stadt, aus der die Gipfelstürmer in Sachen Power, Epic Metal stammen. Zuerst einmal etwas, was in meinen Augen extrem wichtig ist. Es ist kein Projekt, auch wenn viele jetzt versuchen, dies hinein zu interpretieren. Und dass die Musiker mit ihrem Herzblut dabei sind, unterstreichen sie mehr als deutlich auf ihrem selbstbetitelten Album, das mir fast durch die Lappen gegangen wäre. Denn bevor das Teil in meinem Briefkasten landete, wusste ich noch nicht einmal was von der Existenz dieser Band. Da selbst ich, der ja weniger auf diese Art von Musik steht (ausser sie ist wirklich extrem gut) sofort von dem Album begeistert war, gibt es hier ein Interview mit Fabio. Ja, ja, er ist auch die Stimme von Rhapsody. Und ebenso die Stimme von Vision Divine.

Zuerst einmal Glückwunsch zu diesem unglaublichen Album. Die erste Frage ist die, ob nun Vision Divine mehr ist als nur ein Projekt?

Fabio: Ja sicher. Ich gründete die Band mit Olaf von Labyrinth als eine neue Band. Wir arbeiten gemeinsam an den Songs, an der Musik und allem, was dazu gehört. Es ist klar, dass wir unsere Aufmerksamkeit für Rhapsody oder Labyrinth ebenso nicht vernachlässigen sollten. Zu dem Ganzen kam es, als wir beide bei einem Bier zusammensassen. Und wir wollen, dass Vision Divine als Band gesehen wird.

Das sind doch schon mal mehr als gute Nachrichten.

Fabio: Ich habe auch schon gelesen, dass dies jetzt mein Soloprojekt wäre, was aber nicht wahr ist. Wer weiss, vielleicht werde ich eines Tages mal ein Soloalbum machen, aber dies hier ist es auf keinen Fall.

Ist ja krass. Sag mal, meist ist es ja eher so, dass, wenn Musiker sich in einer anderen Band engagieren, diese einen anderen Stil als die Hauptband hat.

Fabio: Ja, ich verstehe was du meinst. Das liegt wohl daran, dass ich mich als Sänger sehe, der dieses Genre liebt. Ich habe ja schon immer, wenn es um Metal ging, diese Art des Gesanges bevorzugt. Obwohl ich ja auch schon Opern gesungen habe, wie etwa Bocelli oder Pavarotti. Es passierte einfach, doch denke ich, dass es nun genug ist, in zwei Bands der Sänger zu sein, auch wenn ich weitere Angebote bekomme.

Du hast also auch schon Opern gesungen?

Fabio: Ja, als ich das Fach auch studierte. Das war für mich eine tolle Erfahrung, da es ja etwas ganz anderes war. Es war zwar nicht leicht, aber ich mag es, denn das Ergebnis, das ich anstrebe, ist meine Persönlichkeit durch meinen Gesang auszudrücken, und ich hoffe, dass es nicht allzu schlecht klingt.

Du bist witzig. Es klingt fantastisch!

Fabio: Oh, danke.

Das hörst du doch bestimmt dauernd. Und für mich bist du einer der zehn besten Sänger in Europa. Siehst du dich selbst als einen eher ambitionierten Musiker?

Fabio: Nicht so sehr, aber doch ein wenig, denn ein wenig ist gesund. Ich könnte nun nicht hingehen und zehnfach das gleiche Album machen. Auch wenn alle zehn unbestritten Power Metal sind, ist es doch eher so, dass jedes einzelne anders ist.

Ich finde, dass Vision Divine sehr klassisch klingt.

Fabio: Ja stimmt! Das liegt wohl auch an der italienischen Geschichte, die mit der Klassik sehr verbunden ist. Nimm Rhapsody. Wegen des Sounds ist es nicht schwer zu erkennen, dass wir Italiener sind, da dieser sehr klassisch ist. Ich fühle in mir die sehr klassische Kultur, egal ob ich nun Rhapsody oder Vision Divine höre. Es ist einfach nicht zu überhören. Wir sind zwar kein symphonisches Orchester oder gar ein Kirchenchor, aber auch wir sind sehr klassisch.

Stimmt. Was macht für dich die Faszination dieser Art der Musik aus?

Fabio: Ich weiss auch nicht. Für mich sind die Melodien sehr wichtig, so dass diese auch wieder ins Gedächtnis kommen, auch wenn die Musik längst aus ist. Doch darf ein Song nicht stumpfsinnig sein. Der Hörer soll sich daran erfreuen und auch daran erinnern, und zwar ohne zu denken: "Wie doof!". Ich versuche auch Songs so zu singen, dass sich der Hörer freut, wenn ihm die Melodie durch den Kopf geht.

Wie bist du auf die Idee gekommen, The Final Countdown zu covern?

Fabio: Ich sprach mit den anderen darüber, als ich die Idee hatte, und sie sahen mich komisch an und meinten, dass ich verrückt wäre. Ich dachte mir, warum nicht, denn das war das erste Album gewesen, das ich mir mit 18 gekauft hatte. Und ich mag Joey Tempest. Es ist jetzt auch nicht als Scherz gemeint, sondern viel mehr als Geschenk. Ich weiss, dass viele Magazine dieses Cover nicht mögen, weil es sehr nah am Original ist. Doch das ist einfach ein sehr guter Song, so wie er ist. Warum hätten wir ihn ändern sollen?

Ich finde den Song einfach geil.

Fabio: Ja. Wir hatten auch Pläne für Still Of The Night von Whitesnake, doch fehlte uns dazu die Zeit. Vielleicht nehmen wir ihn für das nächste Album auf. Wir wollen auf jedem Album einen Song covern, den wir gut finden. Warum auch nicht? Die Songs haben uns halt beeinflusst, und hoffentlich beeindrucken sie dann auch die Fans.

In meinen Augen ist es immer wieder toll, wenn ihr, so wie jetzt, einen alten Song covert, der mich wieder einen Blick in die Vergangenheit werfen lässt. Doch nun zur letzten Frage. Geht ihr als Vision Divine auch mal auf Tour?

Fabio: Sicher. Wir haben unsere Italien Tour gerade erst gestern beendet. Das waren sechs Shows, und es war toll. Wir mögen es ja sowieso, vor Publikum zu stehen. Es gibt Pläne für uns, in Israel aufzutreten, denn es scheint so, dass sie unser Album sehr mögen. Und auch in Deutschland wollen wir spielen, doch da bin ich ja demnächst mit Rhapsody. Im September werden wir aber auch in Brasilien spielen, wenn alles klappt ...


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The Renewal

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