Witch-Hunt - nicht typisch amerikanisch (Interview, 2000)

Eigentlich hören sie sich gar nicht typisch amerikanisch an, die 2 Black/Deather von Witch-Hunt. Seth und Erik würfeln alle mögliche Stilrichtungen zusammen, und zwar so, wie es ihnen gerade einfällt. Ein bisschen Black, ein wenig Death, ein Esslöffel Dark, ein Frauenstimmchen hier und ein paar Keyboards da. Ausserdem sind Seth und Erik absolute Allrounder, die untereinander die Instrumente austauschen wie andere ihre Visitenkarten, und das Erstaunliche daran ist, dass sich das ganze Gebräu auch noch ziemlich gut und homogen anhört. Auch textlich hat Witch-Hunt eine etwas andere Färbung, als dass man dies bei einer Amiband vielleicht vermuten würde. Von Spiritualität und Seelenwanderung ist die Rede, von einem ewig brennenden Feuer und dem Leben nach dem Tod. Weniger philosophisch geht's da bei Erik's Liebe zu Autos zu, denn diese tauchen sogar in der Dankesliste der neuen Witch-Hunt CD auf. Was es sonst noch zu Souls Enshrouded Fire zu sagen gibt, könnt Ihr im anschliessenden Gespräch nachlesen.

Man könnte Euch ja auch Witch-Hunt, die 2. Generation nennen. Ihr seid eine 2 Mann Band im Moment. Die Gründungsmitglieder Brian und Ben sind mittlerweile nicht mehr dabei. Warum habt Ihr dennoch beschlossen, unter diesem Namen weiterzumachen?

Erik: Seth und ich kamen vor etwa 5 Jahren dazu, als Brian noch in der Band war. Brian wollte seine Karriere weiter vorantreiben und konnte daher nicht mehr in der Band bleiben. Ben ging auf's College. Also haben Seth und ich die Gitarren selbst in die Hand genommen und weitergemacht, und zwar bei X-rated Records. Der Name ist irgendwie an uns hängen geblieben.

Als ich den Namen Witch-Hunt zum ersten Mal gehört habe, dachte ich natürlich zuerst an eine Powermetal oder Hard Rock Band. Wenn das so wäre, wärt Ihr die brutalste Powermetal Formation, die mir jemals untergekommen ist. Nein, im Ernst. Euer Bandname ist nicht sehr typisch für den Black oder Death Metal Bereich, meinst Du nicht auch?

Erik: Nun, also Hard Rock machen wir sicher nicht haha. Ich weiss nicht. Ich glaube, der Name passt perfekt zu unserer Musik. Wie zu den Zeiten, als man noch Hexen hingerichtet hat. Das waren brutale Zeiten, wenn man so drüber nachdenkt. Ist doch ziemlich Death Metal, wenn Du mich fragst, haha.

Für die Aufnahmen zum neuen Albums habt Ihr alle Instrumente selbst eingespielt. Du warst beispielsweise für das Schlagzeug und einige Bass- sowie Gitarrenparts verantwortlich. Zusätzlich hast Du die Vocals übernommen. Ziemlich viel Arbeit. Wolltet Ihr ein 2-er Team bleiben oder habt Ihr zu diesem Zeitpunkt keine neuen Mitglieder für ein vollständiges Line-Up auftreiben können?

Erik: Seth hat ebenfalls Gitarre, Bass und Keyboard gespielt. Ich habe nicht alles selbst gemacht, ausser beim Song Forever Burning. Das ist einfach die Art, wie Seth und ich Songs schreiben. Das versteht niemand. Wir befinden uns da auf einem Level, den nur wir beide begreifen. Und mit dieser Art und Weise können wir alles so verwirklichen, wie WIR es uns vorstellen. So geht das viel einfacher. Wir werden zwar Leute für die Live Auftritte suchen, aber die Songs werden wir nach wie vor auf diesem Wege schreiben. Das funktioniert viel besser so.

Hat sich der Stil verändert, seit Brian und Ben nicht mehr in der Band sind? Ihr schreibt ja jetzt alles selbst.

Erik: Neben Seth und mir hilft Dawn mit den Keyboards aus. Die Stilrichtung war schon immer technischer Death, aber mittlerweile tun wir wirklich das, was durch unsere Venen fliesst, nämlich melodischer und explosiver Black/Death!

Lass uns über den Album Titel sprechen, Souls Enshrouded Fire. Ich habe über die Bedeutung nachgedacht. Ist es die Beschreibung des Höllenfeuers oder einfach nur ein belangloser Albumtitel?

Erik: Nun, der Albumtitel steht für die Reise einer Seele aus dem Körper zum Leben nach dem Tod. Wir singen über im allgemeinen über die Spiritualität der Seele. Es hat nicht wirklich was mit der Hölle zu tun. Die Seele ist ein mächtiges Wesen, eine Kraft, die niemals sterben wird, ein ewig brennendes Feuer!! Das ist die Erklärung für den Albumtitel.

Viele Gothic und Dark/Black Metal Bands verwenden female vocals für Ihre Musik. Ihr tut das auch, aber auf eine etwas andere Art und Weise. Eure femals vocals haben einen "unheimlichen" Touch, was eine fantastische Atmosphäre schafft. Wer von Euch hat die Idee gehabt, die female vocals so einzusetzen, anstatt des üblichen Beauty And The Beast Konzepts?

Erik: Dawn von Rain Fell Within hat diese eingesungen. Sie hat eine wundervolle Stimme und wir brauchten eine solche. Es war uns allen von Anfang an klar, dass diese Stimme perfekt dazu passen würde.

Dawn hat Euch auch beim Layout geholfen. Gibt es eine spezielle Verbindung zwischen Ihr und Euch?

Erik: Ja, sie ist meine Freundin. Sie spielt bei Rain Fell Within, wie ich erwähnt habe. Somit könnte man schon sagen, dass wir eine spezielle Verbindung haben hahaha.

Ich kenne nicht viele amerikanische Bands, deren Musik der Euren ähnelt, aber Garden Of Shadows ist sicherlich eine davon, und ich denke, dass sie mit ihrem Album Oracle Moon eine fantastische Arbeit abgeliefert haben. Ein gewisser Brian hat die Cover Graphics für Euer Album gemacht. Vielleicht lieg ich da falsch, aber ist das der gleiche Brian wie der Brian Rabinowitz, der ebenfalls in die Produktion von Souls Enshrouded Fire involviert gewesen ist, der ein Gründungsmitglied von With-Hunt war und jetzt bei Garden Of Shadows spielt?

Erik: Ja, das sind sehr gute Freunde von uns!! Das ist tatsächlich DER Brian. Er und Mary haben uns bei den Aufnahmen sehr geholfen, und die Cover Graphics sind tatsächlich von ihnen. Es sind die coolsten Leute in der Szene. Aber Brian ist nicht einer der Original Mitglieder von Witch-Hunt, nur ein Freund und Labelkollege, zumindest bis zum Wechsel zu Wicked World. Geht alle und kauft ihre CD. Sie ist die beste Veröffentlichung dieses Jahres.

Auf Eurer CD Dankesliste kann man auch die Wörter "Ford Mustangs" finden. Meint Ihr die Autos? Es scheint also wahr zu sein, dass ein Mann nichts mehr liebt als sein Auto. Ansonsten würde er es wohl kaum auf seiner CD Dankesliste erwähnen, oder?

Erik: Yeah, ich meine die Autos. Ich fahre einen 92'er GT und bastle auch selbst daran herum. Das ist definitiv ein Chevy Fresser, haha! Ja, das kannst Du laut sagen, das ist genau mein Ding!

Eure Art von Musik ist sehr interessant für Europäer. Wenn wir hier über extremen Metal aus den Staaten sprechen, reden wir meistens von brutalem Thrash, Death, Grind oder Black Metal. Aber Eure Musik hat neben dem brutalen Material auch viel Melodie in sich, sogar einige Dark Metal Einflüsse. Sie erinnert mich eigentlich eher an Musik aus Skandinavien. Ist diese Art von Musik wirklich so untypisch für Amerika oder kennen wir hier einfach nur die brutalen Bands von Euch?

Erik: Das ist wahr. Amerika hat viele einfach nur brutale Bands. Ich habe ja sogar mal Schlagzeug bei Dying Fetus gespielt. Ich persönlich mag alle Stilrichtungen, aber für Witch-Hunt orientieren wir uns in Richtung von Amon Amarth, In Flames, Hypocrisy, Cannibal Corpse bis hin zu Dark Funeral, Setherial und so weiter. Mich zieht es ohnehin mehr zum europäischen Sound.

Was sind denn die nächsten Pläne für die Band? Ich glaub nicht, dass es sehr realistisch ist, Euch irgendwann mal in Europa live zu sehen, oder?

Erik: Das weiss man nie, man. Diese Cd scheint gut abzugehen. Hoffentlich sehen wir uns bald mal irgendwo da draussen!

Noch eine kurze Frage. Warum werden viele Eurer Songs ausgefadet und hören nicht mit einem Schlag auf, wie es in diesem Genre eigentlich üblich ist?

Erik: Wir wollten das einfach so haben. Das kommt bei gewissen Songs einfach besser rüber. Wie dem auch sei. Wir haben auch Titel mit abrupten Enden.


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The Renewal

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