Without Face - der Weg zum kostenlosen Videoclip (Interview, 2001)

Erstaunlich. Da müssen diese Ungaren extra über den grossen Teich hoppsen, um ein Label zu finden, das ihr Debut weltweit vertreibt, was deswegen schon seltsam ist, da Without Face Gothic Metal machen - ein Produkt, das sich in unseren Breitengraden wohl besser absetzen lässt als in Amerika. Egal, denn Deep Inside ist wieder mal ein Genre Scheibchen, das nicht ganz so abgehalftert klingt wie manch andere Spartenveröffentlichung in den letzten zwölf Monaten. Bleibt zu hoffen, dass Without Face mit ihrem Zweitling auch in Europa eine Chance bekommen ... und den soll's ja schon bald geben.

Dass man nicht nur auf dem Klo die besten Ideen haben kann, warum Without Face darauf achten, dass man sie nicht in die Beauty and the Beast Ecke drängt und weshalb Juliette Emails so hasst, könnt Ihr im nachfolgenden Interview mit den beiden Vokalisten der Band nachlesen.

Könnt Ihr uns zuerst etwas über Eure Bandgeschichte erzählen?

Andras: Without Face ist eine Goth-Prog Metal Band mit zwei gleichberechtigten Gesangsstimmen - einer weiblichen und einer männlichen. Unsere Bandkarriere startete in den Jahren 1997 und 1998. Während dieser Zeit wurde uns klar, dass unserer Ziele nicht unerreichbar wären, und dass wir, wenn wir hart daran arbeiten würden, alles erreichen könnten, was wir uns wünschten. Wir spielten mit grossartigen Acts wie The Kovenant, The Gathering oder Anathema. Aber natürlich war unser grösster Erfolg der Deal mit Dark Symphonies und der Release von Deep Inside am 10. Dezember des vergangenen Jahres.

Ich finde es interessant, dass Du niemals shoutest oder growlst, wenn Du mit Juliette zusammen singst. Mögt Ihr diese Kombination nicht oder soll das die Leute daran hindern, zu sagen: "Ah, wieder mal einer dieser Beauty and the Beast Konzepte"?

Andras: Ja, wir betonen immer, dass wir dieses Beauty and the Beast Konzept eben NICHT benutzen, trotz der Tatsache, dass wir eine weibliche und eine männliche Gesangsstimme in der Band haben. Diese zwei Stimmen sind ein Markenzeichen unserer Musik, und ich denke, dass wir es geschafft haben, einen brandneuen Gesangsstil zu entwickeln. Die beiden Gesangsstimmen sind von Anfang an geplant gewesen. Sie sollen sich ergänzen, nicht gegeneinander arbeiten, und daher achten wir immer sehr stark darauf, dass sie stets in einem harmonischen Verhältnis zueinander und zur Musik stehen.

Wo holt Ihr die Inspiration für Eure Musik her? Einige Leute haben ihre besten Ideen im Wald, andere in dunklen Räumen oder Kellern und wieder andere auf dem Klo ...

Andras: Du magst es vielleicht nicht glauben, aber wir gehen einfach in unseren Proberaum und schreiben dort unsere Musik. Jeder stellt seine Ideen vor, und aus diesen Ideen machen wir dann einen Song. Danach kommt Juliette mit den Lyrics dazu, und schon ist der Titel fertig. Ok, ganz so einfach ist es natürlich schon nicht, denn wir bemühen uns sehr darum, dass unsere Musik eigenständig klingt. Bezüglich der Texte werden wir sehr stark von Büchern, die wir lesen, inspiriert ....

... unter anderem von Schriftstellern wie E.A. Poe und H.P. Lovecraft, wie einige andere Bands der düsteren Musikszene auch. Aber was macht diese Schriftsteller für Euch persönlich so interessant? Ihre Stories, ihr Schreibstil?

Andras: Die Stories natürlich auch, aber ich denke, dass die Atmosphäre in ihren Werken den grössten Einfluss auf uns hat. Sie lässt unsere Seelen erschaudern, und dieses Schaudern wollen wir durch unsere Musik wieder zurückgeben, in Form einer tiefen Angst, die in unseren Kompositionen liegt. Bei Without Face ging es von Anfang an genau darum. Wer Poe's oder Lovecraft's Werke kennt, weiss, wovon ich spreche. Wenn diese Leute Without Face hören und das gleiche wie wir dabei fühlen, dann können wir von uns behaupten, einen guten Job gemacht zu haben. Den Hintergrund dazu hätten wir eigentlich.

Auf der CD gibt es einen Videoclip vom Song I And I, welcher einen sehr guten und professionellen Eindruck hinterlässt. War das nicht eine ziemlich teure Sache, gerade für eine junge Band, welche sicherlich nicht ein paar hundert Dollars besitzt, die sie so einfach ausgeben kann?

Andras: Das ist ein interessantes Thema. Du musst wissen, dass hier in Ungarn die Dinge ein wenig anders laufen als 10 Kilometer westlicher. Die Situation ist schlimm. Niemand hat Geld, und zwar für gar nichts. Wenn eine Band also einen Videoclip machen will, hat sie zwei Möglichkeiten: Sie kann sich Geld leihen oder ihre Kontakte nutzen. Wir wählten die Kontakte, fragten ein paar Freunde, ob sie uns unterstützen würden und drehten den Clip in nur einer Nacht im örtlichen Theater. Wir mussten alles aus eigener Kraft schaffen - und es hat hingehauen. Ich kann daher stolz verkünden, dass uns der Clip rein gar nichts gekostet.

Deep Inside ist im Jahre 2000 in Eurem Heimatland erschienen. Jetzt habt Ihr ein Label gefunden, das Euer Album mehr oder weniger weltweit vertreibt. Warum musstet Ihr tausende von Meilen weit suchen, bis Ihr jemanden gefunden habt, der daran interessiert war, mit Euch zu arbeiten? Gab es kein Label in Europa, das in Frage gekommen wäre?

Andras: Dazu musst Du folgendes wissen. Als wir Deep Inside in Ungarn herausbrachten, machte das damalige Label keinerlei Promotion für die Band. Das gestaltete es etwas schwieriger, jemanden zu finden, der unser Album auch im Ausland veröffentlichen würde. Also mussten wir unsere CD selbst promoten, und aufgrund unserer begrenzten, finanziellen Möglichkeiten und den teuren Versandkosten war es uns nicht möglich, dies genügend zu tun. Also verschickten wir zwanzig Pakete an verschiedene Labels, die uns wichtig erschienen. Die meisten von denen fanden Without Face interessant, aber keiner traute sich, uns unter Vertrag zu nehmen. Plötzlich kamen Dark Symphonies, fast wie in einem Märchen, und meinten, dass ihnen Without Face sehr gut gefallen und sie uns daher gerne signen würden. Das schien unsere letzte Chance zu sein. Glaubst Du, dass wir uns in dieser Situation noch gefragt haben, wieviele tausend Meilen die entfernt sind?

Nun ist Dark Symphonies wie erwähnt ein amerikanisches Label und sehr weit entfernt. Würdest Du sagen, dass sich die Zusammenarbeit durch die Distanz schwieriger gestaltet?

Juliette Es wäre ein Lüge, dies zu verneinen. Beim ungarischen Label hatten wir den Vorteil, einfach jederzeit vorbeigehen zu können, wenn wir etwas mit ihnen zu besprechen hatten. Wir konnten uns hinsetzen, etwas trinken und über alles reden - von Angesicht zu Angesicht. Mit Dark Symphonies stehen wir lediglich über Email in Kontakt. Dazu kommt, dass Englisch nicht meine Muttersprache ist, und manchmal habe ich das Gefühl, nicht genau das sagen zu können, was ich eigentlich sagen möchte. Das kann zu Missverständnissen führen. Ein weiterer Nachteil eines Emails ist es, dass Du nicht daraus lesen kannst, ob der Verfasser beim Schreiben gerade ärgerlich war oder dabei gelacht hat. Darum hasse ich Emails. Sie sind so unpersönlich. Alles übers Telefon zu besprechen geht nicht, denn das wäre zu teuer. So gesehen ist die Zusammenarbeit natürlich schwieriger.

Ihr werdet im Frühling 2002 ein neues Album aufnehmen. Welche Art von Veränderung oder Weiterentwicklung können wir erwarten?

Andras: Es ist schwierig für uns, darüber eine objektive Auskunft zu geben, denn "wir leben ja in unserer Musik". Irgendwie müssen wir uns in den vergangenen beiden Jahren schon weiterentwickelt haben, und ich denke, dass diese Weiterentwicklung auch auf dem neuen Album herauszuhören sein wird. Ich glaube auch, dass wir bezüglich der Kompositionen grosse Fortschritte gemacht haben. Die Produktion von Deep Inside ist zwar nicht schlecht, aber für das neue Album werden wir mehr Geld zur Verfügung haben, und auch das Studio wird besser sein. Somit können wir auch an einem bessern Sound arbeiten.

Deep Inside dauert 35 Minuten. Ich habe bisher immer geglaubt, dass solch kurze Spielzeiten nur für Death Metal Bands "erlaubt" wären. Denkst Du, dass 35 Minuten genug für ein Album Eures Genres sind?

Andras: Deep Inside ist ein ganzes Album. Um ehrlich zu sein: Ich habe mich niemals darum gekümmert, welche Stilrichtung welche durchschnittliche Albumlänge abliefert. Ich glaube, dass ein Album ein "ganzheitliches Gefühl" vermitteln muss - und das ist wohl auch der Unterschied zwischen einem Album und einer EP. Das Album ist ein abgeschlossenes Werk - ein geschlossener Kreis. Ich benutze gerne folgenden Vergleich: Für uns sind Songs wie kostbare Steine. Wir sind die Juweliere, die sie polieren, formen und schlussendlich in ihre Fassung einfügen. Das Pendant dazu lautet Deep Inside, und ich habe das Gefühl, dass darauf keiner dieser kostbaren Steine fehlt. Deshalb sehe ich Deep Inside als geschlossenen Kreis und als vollwertiges Album an. All denjenigen, die es für zu kurz halten, sei gesagt, dass es auf der CD ja noch einige Beigaben hat (Multimediateil mit Videoclip - Verf.).

Wenn wir das "Dark Symphonies Plattencover" mit demjenigen auf Eurer Webseite vergleichen, welches wohl das erste Cover für Euren Ungarn-Release gewesen ist, sieht man, dass es sich verändert hat. Warum habt Ihr es geändert? Um ehrlich zu sein, hat mir das alte Cover ganz gut gefallen.

Andras: Als wir bei Dark Symphonies unterschrieben und die Idee mit dem Re-release von Deep Inside aufkam, welcher im Gegensatz zur ungarischen Version auch einen CD Rom Teil beinhalten sollte, dachten wir, dass wir auch das Cover ändern sollten, damit auch "äusserlich" klar wird, dass diese Veröffentlichung ein bisschen mehr als nur ein "simpler Re-release" ist. Ich denke, Shawn (unter anderem auch der Webmaster der Dark Symphonies Webseite - Verf.) hat ein wirklich tolles Cover entworfen. Wir mögen es sehr.


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