Ardulph Ardebahr Wald - der Ausdruck kranker, fantastischer Gefühle und Halluzinationen (Interview, 2001)

Als ich die Reviews von Ardulph Ardebahr Wald schrieb, warfen ihre Musik und die Lyrics in mir einen grossen Graben auf. Ich hatte mehr Fragen, als Antworten. Damals war ich noch weit weg vom Verstehen dieser Musik. Vielleicht wird es mir irgendwann gelingen, diese Musik in sich als Ganzes zu verstehen. Ich gebe mir dafür noch etwas Zeit. Und vorerst soll euch, als Leser von Schwermetall, das ungekürzte Interview in die Welt von Ardulph Ardebahr Wald einführen und ich hoffe auch euer Interesse wird geweckt!

Hallo zusammen, stellt den Lesern von Schwermetall doch einmal eure Band vor!

Hi, wir sind Ardulph Ardebahr Wald, zwei introvertierte Wesen von 24 bzw. 26 Jahren. Wir heissen Vuxn und Zvolph, kommen aus Hildesheim (in der Nähe von Hannover), und unsere Musik soll eigentlich nur den Weg unserer unglaublichen Freundschaft festhalten. Wir machen die Musik in erster Linie für uns, und freuen uns natürlich, wenn sie andere verleitet, sich unserer Gemeinschaft anzuschliessen.

Als ich zunächst euren Namen sah, wusste ich überhaupt nicht, was er bedeuten soll. Lediglich Wald hat für mich eine Bedeutung. Was bedeutet euer Name genau?

Also, der Name beschreibt grob gesagt uns selbst, und da in unserer Welt 2 = 1 ist, ist diese Person (mit dem Namen Ardulph Ardebahr Wald) wir. Und dies rührt daher, dass wir nicht ganz normal sind. Denn diese Person wohnt in einem Zimmer mit kohlrabenweissmetallicsilbermelierter, gescheckter schwarzer Tapete, und dieses Zimmer befindet sich einer Anstalt für totale geistige Umnachtung bzw. und/oder Verwirrtheit. Und sie sitzt dort vorm Spiegel und betrachtet die ganze Zeit über abwechselnd sich und die Tapete. Und im Spiegel scheinen ihre Augen vom Glanz einer komischen Energie und sie sieht das traurige Gesicht eines Pferdes. Und ihr kommt alles so unwirklich vor, und sie ist sich nichts sicher bewusst, es scheint ihr nur, dass alles so ist, wie es ist, und gleichzeitig nichts von dem wirklich. Nur die Erscheinung des Pferdes täuscht ihre Seele nicht, denn sie erinnert sich, diese tausendfach geschaut zu haben, auf den weiten Weiden der Ebenen, einst, draussen... Und sie erinnert sich, ein Kind(t) gewesen zu sein und einen Namen gehabt zu haben, doch der Nebel in ihren Gedanken ist dicht und es erscheinen ihr nur Abrisse und Fetzen von Erinnerungsstreifen. Und doch weiss sie nicht woher Vorhandenes kommt und wer es so gewollt hat, aber jener Wille ist gleichermassen Belanglosigkeit, denn wenn sie tot wäre, wäre doch alles genauso, und das alles wäre doch genauso wie jetzt ein riesiges Nichts. Unbarmherzig und nah steigt in ihr die Ahnung ihrer eigenen Vergänglichkeit auf, und die Zeit war das Licht, was sie sah, und sie stellt sich vor, dass sie auf einem Rappen reitet, entlang der Strahlen der Lichter, in einen dunklen Tunnelschacht , und sie ahnt, dass das Licht am Ende des Tunnels so hell ist, dass sie darin verbrennen wird.
So denkt sie den ganzen Tag in ihrem Zimmer, während sie sich mit der Tapete vergleicht. Und trotzdem versucht sie auch immer wieder sich selbst zu definieren, nicht als reale Person, sondern als jemand, der von draussen kommt, und von weit. Und es fallen ihr wieder die weiten Ebenen ein, auf der die Pferde einst weideten und sie weiss, dies war aus vergangenen Tagen weit vergangener Zeiten. Und sie sieht ein Gewächs blühen, mitten in der Landschaft und doch nicht weit weg von ihrem Zuhause, dem riesigen silbergrauen Luftschloss...
Ein Gewächs, nun verzehrt von der Witterung vieler Jahre. Und dann letztendlich erscheint das Schloss in seiner silberen Pracht und ist jetzt doch nur noch Ruine, und die Person weiss plötzlich um den Ursprung ihres Namens, oder meint es zu wissen: Er ist hochherrschaftlich adeliger sowie schizzophrener Natur, den die Person ist sich sicher, sie heisst Ardulph Ardebahr Wald.-------
Diese Person reflektiert uns ganz gut. Irrenanstalt war also das ursprüngliche Bandkonzept gewesen. Wir fühlten uns nämlich damals so unglaublich verbunden mit den Insassen des Wahrendorff Heims in Ilten bzw. Köthenwald bei Hannover. Das war damals meine direkte Nachbarschaft, und das war zu der Zeit, als ich Zvolph kennengelernt habe. Ganz geil wurde es dann 1999, als Zvolph Zivi in einer Krankenwohnung für Obdachlose machte und dann öfters dort Besuche abhalten musste (und ich kam natürlich mit) und das Gebahren der Leute inspirierte uns tierisch, und so wurde A.A.Wald geboren, und es ist ein Synonym für Verrücktheit, aber eben auch für tierisch ernste Angstzustände und kranke Halluzinationen. Was daraus letztendlich endstand, war unsere geniale Freundschaft, und dadurch wurde alles intensiv, so intensiv, dass wir uns bei unseren Parties sogar gegenseitig aufschlitzten. Wie gesagt, wir sind nicht ganz normal, und von daher müssen wir Euch alle warnen. Ein Scherz. Nee, ich glaube wir sind ganz durchschnittliche Psychopathen, da gibt es bestimmt schlimmere...

Namen scheinen bei euch sowieso eine grosse Bedeutung zu haben. Könntet ihr mir den Namen eurer ersten CD erklären?

Einen Teil davon kann man schon aus dem vorigen entnehmen. Wahrendorff, ist wie gesagt die Irrenanstalt in Ilten bzw. Köthenwald bei Hannover, wo ich von 1996 -99 gehaust habe. Und die Geheimnisse und Hintergründe rund um dieses Institut eröffnen wir mit unserer Kunst. So ist "Schaebtums Grächtnis" der Spiegel der menschlichen Seele und ihrer wirren, fehlenden Bestimmung: eine Bürde von Antinatur, Krankheit, Sucht, Ambivalenz und totaler Zerrissenheit. Es ist der Error im System Mensch, es ist die Krankheit "Leben". Ausgesessen werden kann es nur durch Psychodrogen oder Traumschlaf; beendet werden kann es nur durch Selbstmord...
Man könnte auch sagen, es ist eine Halluzination in Zeitlupe, wobei dessen Wahrnehmung durch den Blick des unwirklichen Ichs in den Spiegel des Empfindens entsteht. Dadurch kann es das andere sehen und erkennt, dass es nicht existiert...
Da auch der Titel des zweiten Albums da unglaublich hineingreift und damit verwurzelt ist, gibt es dazu ebenfalls eine Erklärung: er zeigt auf, dass die Mannigfaltigkeit allen Seins doch nur ein riesiges Nichts ist. Er ist ein Paradoxon, ein Chiasmus, eine Absurdität, er lässt erbauen und einreissen, schaffen und zunichte machen. Alles tausendfach so, wie es ist, aber nicht hätte sein müssen und doch genau das Gegenteil. Es ist eine Anklage gegen das imaginäre Höhere, nennen wir es Gott. Und hierin liegt auch der Bezug zu den Liedern des Albums. Gott lässt die Vielzahl der Farben vor unseren Augen leuchten, doch nichts ist stimmig: alles wird in sich negiert oder negiert sich selbst und bildet im Endeffekt doch nur Schwarz. Man könnte die Farben auch mit der menschlichen Psyche vergleichen. Wo am Anfang noch Tabula Rasa herrscht, denke ich als Mensch heute so und morgen anders. Gestern war ich noch die und die Persönlichkeit, doch die Zeit zerstörte sie, und ich bin heute ihr seltsames Gegenteil (dies natürlich alles im übertragenen Sinne). Das zeigt das Wortspiel im Titel sehr gut auf: es wird etwas ausgesagt, und doch wird es im gleichen Wort revidiert, spätestens aber im Zusammenhang. Und so ist auch der Charakter der kompletten Lyrics. Die menschliche Psyche ist tausendfach; ein jeder glaubt zu wissen, wer er ist und dass es das einzig gültige ist, so zu sein, und seine Überzeugung könnte sich nie ändern, sonst wäre sie keine Überzeugung. Doch checkt er nicht ab, dass auch nur durch die Verrückung minimalster Gegebenheiten, die eine Kettenreaktion hinter sich herziehen, er ein völlig anderer wäre, eventuell selbst dort in einer Irrenanstalt sitzen würde oder sich umbringen würde. Er ist zu dumm, abzuchecken, dass er letzten Endes nur ein schmutzmachender Haufen Nichts ist, der eigentlich schon längst tot ist. Das gilt in besonderer Form für das oberflächliche Geschmeiss, was auf die Mehrzahl der Menschen unserer hiesigen Kulturlandschaft jedenfalls prächtig zutrifft. Doch gibt es manche, die schon mehr ahnen, und sie suchen Hilfe in der Spiritualität, was zwar wiederum ein Luftschloss ist, in das sie sich da begeben, aber lebensnaher und wahrer nicht sein kann. Schliesslich tun wir das auch, mit unserer Kunst und ihrer einhergehenden Philosophie. Und dann gibt es die, die Hilfe bei einem anderen Menschen (Psychologen) suchen, was unseres Erachtens fatal ist. Denn wir finden es unverantwortlich, Leuten irgendwelche positiven Aspekte oder Perspektiven in ihrem Leben aufzeigen zu wollen und ihnen einzureden, ihren Weg in die Hand zu nehmen um ein Fortkommen im Leben zu erlangen oder ihnen glaubhaft zu machen, dass ein (positiver) Wille sie zu einem Ziel führt, gleichbedeutend oder einhergehend mit Besserung und daraus resultierendem Lebensglück. Die Krankheit "Zeit" bringt nämlich, und da nützt es nichts, drum herum zu reden, den "it’s getting worse" -Effekt automatisch mit sich, und deshalb würden wir als Psychologen Menschen zwei Punkte mit auf den Weg geben, um der Intensität und Bedeutung der Krankheit "Leben" gerecht zu werden: Das Beste, ist nicht zu existieren, das zweit Beste, ist bald zu sterben...

Wie seid ihr im Nachhinein mit "Secrets Of Wahrendorff / Schaebtums Grächtnis" zufrieden?

Sehr zufrieden. Immer wenn ich diesen Klang vernehme, habe ich die ergreifendsten und intensivsten Momente dieser genialen Zeit (1999 - die genialste Zeit unseres Lebens) vor meinen Augen und Zvolph geht es genauso. Ausserdem ist das Gefühl und die Atmosphäre absolut einzigartig, und das macht mich schon sehr stolz, zumal ich es ja auch selbst produziert habe. Was den Inhalt angeht, so würde ich sagen, dass das Album die ganzen psychischen Elemente nicht ganz so hintergründig und offen aufzeigt wie unser Zweitwerk, indem es sie ganz einfach nicht (oder selten) beschreibt, sondern vorherrschend nur lebt. So sind dort z.B. viele Vocals eine fiktive, gerade erfundene Sprache oder klingen wie die seltsamsten Gebahren eines Obdachlosen im Normalzustand (d.h. auf Sendung). Von daher war das Debüt eine Art Vorreiter oder Vorbereitung auf den direkten sprachlichen Ausdruck kranker, fantastischer Gefühle und Halluzinationen, wie sie jetzt auf dem neuen Album erscheinen.

Welche Absichten hattet ihr beim Komponieren eures Zweitwerkes?

Unsere Absicht war, uns erneut zu verwirklichen, d.h. uns zu definieren und den Weg unserer Freundschaft zu dokumentieren.

Wie waren die bisherigen Reaktionen auf "Kohlrabenweissmetallicsilbermelierte, gescheckte schwarze Pferde"?

Es gab bislang kaum welche, da das Album ja erst ein paar Wochen draussen ist. Von unseren Freunden, denen wir auf unserer genialen Release-Party ein Exemplar schenkten, haben wir jedenfalls grossen Dank erhalten. Ich weiss noch genau, dass ich vor Rührung bald heulen musste, als Jan-Peter, ein Musikerkumpel von uns, während des zweiten Durchlaufes der CD bei der Party, die nicht gerade einfachen Texte beim Abgehen auf die Musik schon mitsang, obwohl gerade das erste mal gehört.

Welche textlichen Themen beinhaltet dieses Album?

Auf dem neuen Album wird ein direkter sprachlicher Ausdruck kranker, fantastischer Gefühle und Halluzinationen dargeboten. Die Texte, die eine Liebes- und gleichsam eine Todessehnsucht gewahr werden lassen, sind allesamt unglaublich persönlich und letztendlich (besonders "Rappen", "Luftschloss", "Funkenregen", "Silbergift" und "Immer Du kommst näher in Grauen") absolut zum  heulen. Man kann sagen, sie sind wie der Blick durch eine tiefe Wunde direkt in unsere Seelen. Ich glaube sie sind mit "angstmachend" sehr gut umschrieben. Es kommt auf jeden Fall an keiner Stelle eine positive Einstellung gegenüber allem Sein zutage, vielleicht der Wunsch in einer Traumlandschaft lustwandelnd schöne Feen zu sehen, die uns mit ihren Gesängen trösten und die Sinne berauschen. Denn der Charakter der Texte und überhaupt des Gesamtkunstwerks Ardulph Ardebahr Wald ist grob umrissen die wahnsinnig machende Angst vorm Leben im Hinblick auf die Vergegenwärtigung der eigenen Vergänglichkeit und der absoluten Unabänderlichkeit allen Seins. So ist z.B. einer der am meisten Angst machenden und essenziellsten Punkte die Zeit (und mit welcher Zeit sie verfliegt), die Zeit im Hinblick auf Vergangenheit, Vergangenheit und Erinnerung, das Altern und letztendlich der eigene Tod. Ich denke, vieles, was dieses ausmacht ist schon im ersten Teil dieses Interviews mit der Person `A. A. Wald’ dargestellt. Aber eben auch ein wesentlicher Punkt der da hineingreift ist Liebessehnsucht. So soll z.B. zu erkennen sein, dass es im Grunde sehr viel um Liebe und Liebe in kranken Dimensionen geht, denn sie ist das, was ergreift und berührt, und wir tragen sie in unseren Herzen, denn sie ist die Essenz alles Finalen und der süsslich schmerzenden Melancholie. Liebe und Tod gehen Hand in Hand. "Silbergift" ist z.B. eine gute Veranschaulichung dafür. Es gibt überhaupt nichts, was uns so dermassen kalt lässt, wie dieser oberflächliche Pseudo-Hass-Gesang (oder auch Pseudo-Hass-Lyrics) diverser Black-, Death-, oder Heavy Metal Gruppen. Das ist männliche Musik für männliche Männer. Im Gesamtkunstwerk Ardulph Ardebahr Wald geht es jedoch immer latent um das weibliche Süsse eines toten Mädchens...

Eure Musik ist sehr speziell und ist demzufolge nicht jedermanns Sache. Wie geht ihr mit negativer Kritik um?

Wir glauben ehrlich gesagt, und erwarten nicht, dass es irgend jemand ausser unseren Freunden und Seelenverwandten versteht. Und genau für die und für uns machen wir die Band. Von daher ist uns Kritik von ausserhalb relativ egal. Das ist dann höchstens so eine Art Bestätigung für unser Denken und unsere Philosophie.

Besonders, wenn Musik nicht durch eine einfache Schubladisierung kategorisiert werden kann, finde ich es interessant zu hören, wie eine Band ihre eigene Musik beschreibt. Würdet ihr das für die Leser von Schwermetall einmal tun?

Unser Sound lässt sich, wenn überhaupt, mit den Begriffen "Psycho-Rock bis Dark Metal" einordnen. Aber dieser Sound ist nur ein Bestandteil des psychotischen Gesamtkunstwerkes Ardulph Ardebahr Wald, welches aus Klang, Ästhetik bzw. Optik und tief ergreifender Lyrik besteht. Charakteristisch für die Lyrics ist, dass sie mit einer Vielzahl verschiedener Vocals umgesetzt werden, und diese verschiedenen Ausdrucksarten im Gesang sind ein Aspekt für die geistig verwirrte Seele, die sich in den vielen Kombinationen der Farben kohlrabenweissmetallicsilbermelierter, gescheckter schwarzer Pferde zeigt. Sie sind Ausdruck von Persönlichkeiten, vielleicht auch schizzoider Natur, die man im Kopf hat. In Szene gesetzt wirken die Gesänge dialoghaft, wie in einem Theaterdrama. Von daher kann dies unmöglich nur eine Gesangsart sein. Dazu kommt, dass uns oft bei Musik anderer Bands, der häufig gleichförmige Gesangsstil abtörnt. Gleiches trifft auf die Produktion bzw. den Sound zu. So ist bei uns eigentlich jedes Stück anders produziert und hat seinen eigenen speziellen Soundcharakter. Dies ist uns ebenfalls sehr wichtig, und wie beim Gesangsaspekt, verfolgt es die gleiche Absicht und wird dem Titel somit gerecht. Desweiteren ist es auch bei anderen Bands oft so, dass erstmal viele sich durch den Sound ähneln, und dass ein gleichförmig produzierter Klang innerhalb eines Albums einen halt nur bis Lied Nr.3 oder 4 kommen lässt, und danach kommt der Abtörn, besonders wenn sich das Songwriting der einzelnen Tracks auch nicht sonderlich unterscheidet. Dies gilt natürlich auf keinen Fall für alles; oft ist es halt auch so dass ein einziger Produktionscharakter geil kommt, und einem Album zu einer Einheit verhilft. Bei uns jedoch besteht die Einheit des Albums aus Unterschieden und dies ist ein sehr seltenes Phänomen in der Musik. Es ist letztendlich auch so, dass bei uns nie etwas beabsichtigt wird, was jetzt die Stilistik im Detail oder das Songwriting anbelangt. Wir lassen uns einfach gehen, und die Musik entsteht first-take-mässig aus sich selbst heraus, bzw. aus unserer jeweiligen geistigen Gegenwart, d.h. dass die Riffs in unserer gemeinsamen Seele verinnerlicht sind, als ob sie dort schon immer gewesen wären. Wenn wir Musik kreiren, werden sie ganz einfach manifest, wir brauchen also nie lange zu überlegen, wenn wir ein Riff komponieren, und wir sind uns auch fast immer sofort einig. Gleiches gilt auch für die ganzen Feinstrukturen wie Zweit- und Drittstimmen und Solomelodien. Das bedeutet, das der ursprüngliche Prozess eines Ardulph Ardebahr Wald Songs nur wenige Stunden dauert, im Gegensatz dazu steht dann aber der langwierige Prozess des Arrangierens und Produzierens. Wenn man ein paar Riffs hat, so ist ja noch sehr lange nicht klar, wie das dann hinterher als Gesamtsituation mal aussehen wird. Dabei erstaunt es uns immer wieder, wie extrem sich der Eindruck und Charakter von Gitarrenriffs oder -grundstrukturen ändert, wenn das Ganze ein Gesicht bekommt, vor allem durch Gesang. Wie gesagt, beabsichtigt ist nie, in welche Richtung sich ein Song von uns entwickelt. Es wird halt, wie es wird. Und daher kommt auch die maximale Abwechslung innerhalb unserer Alben (obwohl unser Charakter immer eindeutig A.A.Wald erkennen lässt), denn wir setzen uns kein stilistisches Limit, sondern lassen alles zu und lassen uns von der Selbstentwicklung eines Songs mitziehen und treiben. Genialerweise sind wir dann meist auch immer gleich sehr zufrieden mit der Richtung, in die sich die Dinge entwickeln, was für uns ein weiterer Beweis für unseren tiefgehenden Konsens ist. Es ist für uns auch klar, dass der Sound unserer Musik etwas unglaublich spezielles, eigenartiges, komisches und unkonventionelles an sich haben muss, um unsere Kunst und den Sinn ihres Unsinns zu unterstreichen und darzustellen. Dieser Charakter ist natürlich extrem schwierig zu beschreiben, da ja eben auch nicht einheitlich. Man kann vielleicht sagen, der Sound erscheint undeutlich wie von woanders, wahrgenommen in einem Halbtraumschlaf. Ich schlage vor, den Sound anzuhören und sich ein eigenes Bild zu machen, denn den Charakter des Gesamtkunstwerkes kann man nur fühlen, und das nur, wenn man sich der Verschmelzung aus Klang, Lyrik und augenscheinlicher Ästhetik hingibt.

Wenn ich das richtig sehe, habt ihr nach eurer ersten CD die Pseudonyme gewechselt. Was für eine Bedeutung hatten die alten Pseudonyme, welche die neuen und warum habt ihr sie geändert?

Das optische Konzept (die Pseudonyme mit inbegriffen) ist bei "Secrets".." teiweise sehr zynisch und selbstironisch. Für das neue Album hätte es in der Intensität nicht mehr gepasst (obwohl Selbstironie und Zynismus auch heute noch ein Teil von uns sind, und es kommt auch im neuen Album vor, allerdings nur in der Vollcoverversion und nicht im Promo). Und da wir die meisten Black Metal Pseudonyme unglaublich lächerlich finden, haben wir nach etwas gesucht, was noch mehr panne und albern klingt, jedoch auch psychisch schizzophren und komisch, und die neuen Pseudonyme passen sehr gut zu uns und unserm neuen Werk. Zu der Bedeutung sei vielleicht gesagt, dass wir "Zvolph" (wird Zvölph ausgesprochen und hat eigentlich diesen skandinavischen ö-Strich im o...) nur genommen haben, weil wir den Zusammenhang von "Vuxn" und "Storchen" für unser neues Album zu albern fanden; so heissen wir nämlich wirklich...

Wenn ihr eine Welt nach eurem Wunschbild wählen könnten, wie sähe sie aus?

Sie wäre auf jeden Fall ziemlich menschenleer, die Natur und die Tiere würden nicht vom Menschen unterdrückt und zerstört. Sie wäre voll von unseren Freunden und Sinnesgenossen mit eindeutigem Überschuss von schönen, natürlichen Mädchen, und in dem Zusammenhang wäre sie frei von jeglicher amerikanischer Kultur. Wir haben so ein Leben nach unserem Wunschbild schon einmal geführt, denn vor ein paar Jahren lebten wir ein Jahr lang mit der Band auf einem Einödhof in Niederbayern, und ich habe die coolsten Erinnerungen an diese Zeit, wo wir soviel zu tschillen gehabt haben, wie schon lange nicht mehr. Wir hatten nur die geilsten Leute um uns herum, konnten Sound machen wann wir wollten, und wir hatten einen Kachelofen und mussten Holz hacken und einheizen, und wir haben sogar auf einem Holzofen gekocht. Das war genial -*schwärm*- ,das war richtiges Leben, mit und in der Natur. Ich gehe oft in die einsame Natur (mit meinem Hund), das gibt mir Kraft und Genugtuung. Ausserdem lieben wir auch Tiere, sind sehr vegetarisch unterwegs, und in unserer Utopiewelt wäre Fleisch essen eine Seltenheit, von daher gäb es keine Tierquälerei durch Massentierhaltung. Denn der Umgang der Menschen mit Tieren in der Realität stört mich fast am meisten und wäre das erste, was sich ändern müsste...

Vielen Dank für eure ausführlichen und enorm interessanten Antworten und alles Gute!

Wir bedanken uns.

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Morgenstern

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