Dies Irae - Auf den Brettern Europas (Interview, 2005)

Ein weiteres Ungetüm aus der polnischen Death Metal Szene hat den Weg in die Schweiz gefunden. Dies Irae sind nun das erste Mal auf Europatournee und zeigen, was sie zu bieten haben. Bereits ihre neuste Scheibe „Sculpture of Stone“ konnte wirklich gut überzeugen und beinhaltet gnadenloses Geknüpple. Häufig mit Vader gleichgesetzt, beziehungsweise sogar untergeordnet, biss der Trupp sich durch und beweist uns, dass Dies Irae kein Nebenprojekt von Vader ist. Novy, Bassist und Sänger von Dies Irae, stand Schwermetall Rede und Antwort und gab uns so allerlei interessante Informationen...

Wie läuft es auf mit der Tournee, und wie spielt es sich?

Also als erstes sind wir hmm... wie soll ich das erklären… wir sind keine reguläre Band, noch nicht, weil wir bei Vader sehr intensiv spielen und viele Konzerte haben. Deshalb haben wir auch keine Zeit uns regelmässig als Band zu treffen und zu proben, dies hat auch Auswirkungen auf die Konzerte. Bisher hatten wir nur 2 Tourrouten durch Polen und vor jeder Tournee hatten wir gerade mal 2 bis 3 Proben, das heisst wir haben zumindest die Tatsache, dass wir uns seit vielen Jahren sehr gut als Musiker und als Freunde kennen, und wissen, zu was der andere jeweils fähig ist. Dies hilft uns sicherlich sehr viel dabei, dass wir in solch einer kurzen Zeit das Material zusammenstellen und Konzerte spielen können. Jedoch braucht es ein intensives Spielen von Konzerten. Es ist klar, dass eine Metal Band nicht einfach so existieren kann, wenn sie keine Konzerte spielt, sich nicht einlebt und sich musikalisch nicht gut versteht, oder? Wir können an dieser Stelle sagen, dass wir das alles nun im Gefecht testen, weil das die erste Tournee durch Europa ist und die Leute uns ausserhalb der Landesgrenzen von Polen noch nicht als Band gesehen haben, obwohl die Platten schon lange auf dem Weltmarkt sind. Also ist es für uns eine Art Test, nicht nur als Band, sondern auch als Test der Musik, wie sie beim Publikum ankommt. Und ich denke, dies ist noch nicht unser letztes Wort. Das ist unser erster, etwas ernsthafterer Schritt, um die Band vollwertig auf dem Markt zu etablieren und sicherlich ist dies der Beginn einer grösseren Präsenz durch Konzerte. Also... Im Moment kann ich nur sagen, dass nur schon die Nachfrage der Leute gross ist, die bereits seit langer Zeit unsere Platten hören und uns von Konzerten im Ausland kenne, natürlich als Vader. Sehr häufig fragte man uns „Was ist jetzt mit Dies Irae? Wann wird Dies Irae Live spielen?“ usw. Dies zeigte sich eben gerade an den jetzigen Konzerten, als man sah, dass die Leute wirklich auf uns gewartet haben. Sie kannten bereits unser bisheriges Material, welches wir herausgegeben haben und ich denke, dass alles gut ankommt. Es ist auch ein Bisschen eine experimentelle Konzertroute, da sie von unserm Manager konzipiert wurde. Es ist eine der ersten europäischen Routen, die er gemacht hat, und es ist auch eine Art Testen von Sachen wie: Clubs, Organisationen usw. Und ich kann wirklich sagen, dass unsere Route einen wirklich grossen Erfolg nach sich zieht und denke, dass es auch ein grosser Erfolg für Dies Irae ist. Ein wirklich wichtiger Schritt.

Ich bin echt gespannt was noch kommen wird. Jetzt spielt ihr ja seit Langem das erste Mal wieder mit Doc zusammen.

Ja, wie es ja bereits bekannt ist, hatte Doc im letzten Jahr einen Unfall und dadurch brauchten wir, auch bei Vader, eine Vertretung. Im Juni letzten Jahres waren wir auch auf Tournee mit Dies Irae. Dies war kurz nach seinem Unfall. Er musste da noch in die Rehabilitation und musste üben, um wieder zur Form zu kommen, also spielte er im letzten Jahr noch nicht mit uns. In dem Moment als er wieder in Topform war und die Zeit gekommen ist, um mit Dies Irae zu spielen, kehrte er zu uns zurück, da nie die Rede davon war, dass Doc die Band verlässt. Also spielen wir endlich wieder mit Doc zusammen und freuen uns aus diesem Grund auch sehr.

Ich denke wir freuen uns alle darüber. Was ist ihm überhaupt passiert?

Es sind sehr viele Spekulationen aufgetaucht in Zusammenhang mit Docs Unfall. Ich habe schon viele Male darüber gesprochen, aber ich sehe, ich sollte es noch mal wiederholen: Doc ging ganz einfach mit einem Glas die Treppe hinunter und stolperte. Er war nicht betrunken, in keinem Fall, nichts von all dem. Es war ganz einfach ein unglücklicher Unfall; er stolperte, brach sich die Hand, verletzte sich und hatte Probleme mit den Sehnen. Vor allem bei einem Schlagzeuger, der alle Gliedmassen benötigt, ist dies problematisch, da es ja wichtig ist, dass er alles unter Kontrolle hat.

Viele Leute denken, dass Dies Irae nur ein Projekt neben Vader ist. Ich habe auch einmal gelesen, dass man sagt, dass Mauser die besten Riffs für Vader aufbewahrt und den Rest in Dies Irae einfliessen lässt. Wie reagiert ihr auf solche Vorwürfe?

Also hier sollte man von Anfang an beginnen, vor allem als Dies Irae in dieser Zusammenstellung entstand. Das war wirklich im Stil eines Projektes. Mauser wollte etwas neben Vader machen, er wollte in gewissem Sinne unabhängig sein. Hier sollte man die Tatsache erwähnen, dass in Wirklichkeit 95 – 98% Prozent der Musik von Vader durch Peter entstanden ist. Es ist nicht wahr, dass Mauser seine besseren Patente heimlich bei Vader einbaut und die Schlechteren uns überlässt. Die erste Scheibe von Dies Irae wurde als Kopie von Vader beschimpft, egal ob als bessere oder schlechtere Kopie. In Wirklichkeit hat dort noch Niemand gross darüber nachgedacht. Es war da wirklich noch ein reines Projekt. Wir wollten ganz einfach mal etwas Zusätzliches machen. Ich spielte damals noch nicht bei Vader und wir machten Dies Irae als kleines Experiment an der Seite. Bei der zweiten Platte waren das schon etwas ernstere Angelegenheiten, da wir uns als Musiker besser eingespielt hatten und begonnen hatten uns zu verstehen. Und schon bei der zweiten Platte war klar, dass wir nicht den gleichen Weg wie Vader gehen und nicht die gleiche Musik spielen. Wir hatten völlig andere Pläne und Vorstellungen als die von Vader. Und ich denke, dass wir mit der dritten Scheibe bewiesen haben, dass wir einen völlig anderen Weg gehen, mit völlig anderen Vorstellungen. Es hat mehr Melodien, es hat andere Einflüsse, also funktioniert es ganz anders und ist auch anders organisiert. Ich denke, es hat nichts mehr mit Vader gemeinsam. Wir streben es an, wirklich eine Band zu werden, und nicht bloss ein Projekt zu sein. Wir probieren es zeitlich so zu organisieren, dass es sich nicht mit Vader schneidet, aber so dass Dies Irae als vollwertige Band, die auch wirklich Konzerte spielt und nicht nur Platten produziert, existieren kann.

Wie schafft ihr es überhaupt in zwei Bands gleichzeitig zu spielen?

Es ist sicherlich nicht leicht, da Vader ja auch viel Zeit in Anspruch nimmt. Es sind ja drei von uns, die bei Vader spielen. Vader beansprucht... hmm... so etwa Drei-Viertel unserer Zeit in einem Jahr. Es ist sicher nicht leicht, um dies alles irgendwie zu synchronisieren. Es ist jedoch ein grosser Vorteil, dass wir einen gemeinsamen Manager für beide Bands haben. Er weiss wie organisieren, um die Zeit am effektivsten für beide Bands zu nutzen. Wir hatten Glück, dass in diesem Jahr einige Zeitlücken aufgetaucht sind, mit denen wir uns das Spielen mit Dies Irae zusichern wollen. Es ist wirklich nicht leicht. Wir würden lieber etwas intensiver spielen. Ich denke allerdings, dass dies alles noch vor uns liegt. Sicherlich müssen wir jetzt einen neuen Vertrag unterzeichnen, da wir den jetzigen Vertrag nur für eine Platte hatten (Sculpture of Stone), dies war auch eine Art Experiment. Wir werden sehen, was uns die Zukunft bringt. Wir werden alles mit Sicherheit sehr seriös weiterführen, damit die Band bestehen bleibt.

Wenn ihr ein neues Stück entwickelt, wie sieht es dann aus? Schreibt ihr alle Riffs auf Papier oder auf dem PC auf? Oder erfolgt die Entwicklung nur aus der Erinnerung raus?

Kehren wir noch mal zurück zum Zeitmangel: Da wir gerade sehr wenig Zeit haben, sind wir nicht im Stande, uns regelmässig an Proben zu treffen, um Material zusammenzustellen. In diesem Fall sieht es etwas anders aus als bei vielen andern Bands. Wir treffen uns nicht an Proben. Das Material wird zuhause zusammengestellt, jeder von uns macht etwas. Z.B sind Mauser und Hiro verantwortlich für die ganze Musik. Sie stellen sich verschiedene Stücke zusammen. Sie stellen sie irgendwo zusammen, organisieren alles usw. Ich bin verantwortlich für die Bassspuren und schreibe alle Texte. Danach sieht es so aus: wenn die Zeit für eine CD-Aufnahme gekommen ist und wir das Material, oder auch einen Teil davon, bereit haben, treffen wir uns im Studio und arbeiten dort an all dem. Wir legen alles zusammen, organisieren es. So entsteht bei uns eine Platte. Ich bin sicher, dass die Jungs sich das irgendwo aufschreiben, aber keine Ahnung ob auf dem PC oder auf Papier, oder ob sie es irgendwie aufnehmen um es durchzuhören und weiter zu bearbeiten.

Welche Thematik findet man in euren Texten?

Weisst du was? Zu den ersten beiden Platten habe nicht ich die Texte geschrieben. Ich kann dir sagen, dass es Lukasz Slominski war, der viele Texte geschrieben hat. Sie sind zum Teil ziemlich schwer. Ich übernehme keine Verantwortung für den Inhalt dieser Texte, da sie ziemlich schwierig sind. Jetzt habe ich begonnen die Texte für Dies Irae zu schreiben. Ich rede nicht gerne über den Inhalt der Texte, da es nicht wirklich eine reine Botschaft ist. Die beinhalten kein Thema, welches man in einigen Worten erklären kann. Es sind meine Überlegungen einiger Jahre, auf welche noch viele Elemente Einfluss haben. Zum Beispiel das, was ich erlebe, was ich denke, was ich lese, das was ich mir ansehe usw. Diese Texte beinhalten ganz einfach sehr viele Elemente. Man kann sagen, jeder meiner Texte hat viele Wege. Ich verurteile es nicht, wenn jemand zu mir kommt, die Texte liest und dazu sagt, das er daraus solche, und keine anderen Schlüsse gezogen hat, ich muss jedoch nicht mit ihm übereinstimmen. Ich verstehe, dass jeder Mensch so eine Sache individuell ansieht und auch andere Schlüsse daraus zieht. Um das geht es mir: Jeder soll seine eigene Interpretation finden. Deshalb rede ich nicht über meine Texte. Wenn ich jetzt sage, ein Text handelt von dem und dem, dann kommen sicher 10 Leute und sagen etwas wie: „Halt, dieser Text handelt doch von etwas anderem“. Darum versuche ich den Leuten gar nicht zu sagen, was ich damit meinte. Ich bin auch sehr gespannt, was ein Mensch aus diesen Texten hört, was er versteht und wie er es interpretiert usw.

Anderes Thema: ihr spielt als Dies Irae das erste Mal in der Schweiz...

Als Dies Irae spielen wir das erste Mal in EUROPA.

Sogar? Was erwartet ihr von den Schweizer Metalheads?

Was wir erwarten? Weisst du, als wir auf diese Tour fuhren, hatten wir keine speziellen Erwartungen. Uns ging es vor allem darum, die Band einmal zu zeigen, um uns live zu präsentieren, um zu sehen, wie die Leute live auf die Musik von Dies Irae reagieren. Das ist für uns das Wichtigste. Es ist wie ein Testen im Gefecht von dem, was wir geschaffen haben, verstehst du? Wenn eine Rezension unserer Platte irgendwo in einem Magazin erscheint, das ist eine Sache. Aber eine andere Sache ist es, wenn wir die Chance haben, unsere Musik live mit den Fans zu konfrontieren. Und wenn wir eben diese Atmosphäre spüren, also das, wenn man sieht, wenn es den Leuten gefällt, dass die Leute abgehen zu unserm Material, dass sie es hören wollen und dabei auch Spass haben, das ist für uns der grösste Erfolg. Das ist ehrlich gesagt das, was wir erwarten.

In welchen Regionen seid ihr am besten angekommen?

In Österreich hatten wir ein super Konzert, die Leute waren sehr gut drauf und amüsierten sich prächtig. Man sah auch, dass die Leute in Holland sehr interessiert waren. Wir spielen sehr viele Konzerte auf dieser Tournee in Deutschland. In Deutschland ist es so halbe halbe, da es an einigen Orten einfach wunderbar war, und an anderen Orten… hmm… es geht - ich kann nicht sagen schlecht, aber es geht. In Deutschland ist das Publikum etwas zurückhaltender, aber es wundert mich nicht, da sie dort ohnehin sehr viele Konzerte haben. Dort kommen die Leute häufig einfach, um die Musik zu hören und nicht um sich zu amüsieren.

Mal ehrlich: Wie viele Flaschen Bier leeren Dies Irae täglich?

(lacht) Es ist klar, dass dies von Interesse ist. Aber ich sage dir, dass es mit der Zeit... (hält inne) also wir spielen schon sehr viele Jahre in der Szene. Ich spielte damals in meiner Band Devilyn, dann spielte ich etwa 4 Jahre mit Behemoth, mit Mauser und Doc spiele ich auch seit vielen vielen Jahren bei Vader und mit der Zeit ändert sich alles. Am Anfang ist man jung und dumm und ignoriert die Welt, und wirklich… bei der Abfahrt auf eine Tournee sind es grosse Emotionen. Es gab sehr viele Partys, sehr viel Bier und Alkoholgelage und alles Mögliche, ganz einfach viel Spass. Aber es kommt ein Moment, wo ein Mensch etwas abbremsen muss, und sich vor allem aufs Spielen anstatt nur auf Partys konzentriert. Dies ist schon ein bisschen zur Norm geworden. Wir sind keine Alkoholiker, Pöbler und Partymacher mehr, sondern wir fixieren uns mehr auf die Musik. Das heisst jedoch nicht, dass wir uns von Spass distanzieren.

Die Gesundheit dankt sicherlich.

Sicher! (lacht)

Habt ihr einmal ein Konzert in total alkoholisiertem Zustand gespielt?

Nein. Wir haben da eine generelle Regel, eine sehr wichtige Regel, welche wir einhalten. Also mindestens ich, aber bei den Jungs weiss ich, dass es genau so ist. Vom Anfang meiner Karriere an, auch vom Anfang der live Auftritte an, hatten wir immer die Regel, dass wir vor den Konzerten nicht trinken. Wir spielen für die Leute, für das Publikum. Und für uns wäre es eine Beleidigung für diese Leute, wenn wir betrunken spielen. Diese Regel bestand nicht nur bei Dies Irae, sondern auch in jeder andern Band, in der wir bisher gespielt haben.

Lieblingsvodka bzw. Lieblingsbier?

(lacht) Weisst du, es gibt da so viele, dass es für mich schwer wäre etwas zu sagen. Aber ganz sicher sind wir Fans von polnischem Bier.

Ganz meine Meinung.

Mit kleinen Ausnahmen in Europa. Also… es gibt eigentlich keinen Grund um dieses Thema zu vertiefen. Und natürlich liebe ich das trinken (lacht)
Das ist so unser Pausenmotto…
Nein, ich scherze bloss.

Ich danke vielmals für das Interview. Die letzten Worte gebühren dir.

Vor allem grüsse ich alle Leser von Schwermetall.ch. Und ich hoffe, dass dies zwar unser erstes Konzert in der Schweiz ist, aber sicher nicht das letzte. Wir werden daran arbeiten, dass wir uns häufiger in Europa blicken lassen und natürlich, dass wir uns häufiger in der Schweiz blicken lassen. Und ich versichere, dass wir noch viele gute Konzerte haben werden, ich lade euch ein, euch die Band Dies Irae anzuhören.


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Fenris

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