Atras Cineris - Schwarze Asche (Interview, 2006)

Im Jahr 2003 raufte sich in Baden eine kleine Gruppe mit dem klangvollen Namen Atras Cineris zusammen. Die Mission: Schwarzmetall. Nicht mehr, nicht weniger. Anfängliche Line Up-Probleme haben sie schnell überwunden und so kommt es zu einer ersten Demo-Aufnahme, gefolgt von der MCD "Blut" und dem finsteren Plan, ein Album einzuspielen. Mittlerweile sind Atras Cineris so weit, dass sie im Vorprogramm von Geist und Koldbrann spielen dürfen. Hysteriis, Bassist und Presse-Verantwortlicher, stand mir Rede und Antwort.

Erzähl doch ersteinmal ein wenig über die Entstehungsgeschichte von Atras Cineris. Wie habt ihr euch zusammengefunden?

Hysteriis: Grüss dich! Da ich die Frage zum Xten Mal beantwort gibts an dieser stelle einfach die Kurzfassung: Gründung 2003 durch Nebular, Hysteriis und Nidhögger, Mitte selbigen Jahres stossen Lord Asgoroth und Ancalagon nach dem Ende ihrer damaligen Horde "Khaz Modan" zu Atras Cineris, Veröffentlichung des Demos "The Coming of Chaos" in Eigenvertrieb. Jahreswechsel 2004/2005 : Nidhögger und Ancalagon verlassen die Band. 2005: Die Band beginnt eine Kooperation mit dem Label "Schlachtenklang Tonwerk" und veröffentlicht Mitte des Jahres die MCD "Blut". Heutiges Lineup: Lord Asgoroth - Gesang Nebular - Gitarre Gotaur - Schlagzeug Hysteriis – Bass

Wie zufrieden bist du mit eurem bisherigen Schaffen?

Hysteriis: Mit "The Coming Of Chaos" bin ich mittlerweile sehr unzufrieden. Sicher war es zum damaligen Zeitpunkt unser gemeinsames Schaffen, identifizieren könnte ich mich heute allerdings nicht mehr im Geringsten damit. Dies ist auch der Grund warum wir es nicht, wie oft gefordert, wiederveröffentlichen. Durch die Lineup-Wechsel hat sich die Band komplett neu definiert, was sich in "Blut" auch widerspiegelt. Die Songs strotzen meiner Ansicht nach nur so vor Gift und Galle und sind alleiniges Produkt Nebulars, Asgoroths und meiner Gefühle zu diesem Zeitpunkt. Es war das bis dato Ehrlichste, was wir je als Band geschrieben haben! Natürlich macht mich das End"produkt" dementsprechend stolz!

Was gedenkt ihr in Zukunft an eurem Klang zu ändern, sofern ihr das überhaupt vor habt?

Hysteriis: Bewusst verändern wir uns als Band sicherlich nicht. Wir haben bereits eine Menge neuer Songs geschrieben, welche wir auch bereits live präsentieren und präsentiert haben und hoffen, sie noch dieses Jahr auf einen Tonträger bringen zu können. Wie das Material für Aussenstehende klingt, ist schwer einzuschätzen, aber für meine Begriffe sind die Songs wesentlich ausgereifter und atmosphärischer, hymnischer als alles, was wir bisher geschrieben haben. Durch den Einstieg Gotaurs als neuen Schlagzeuger haben die Songs auch einiges an Tempo zugelegt, was nicht heisst, dass wir uns nur noch auf Blastbeats konzentrieren. Alles in Allem denke ich, dass man das Material kaum mit anderen Bands vergleichen kann, und die bisherigen Reaktionen auf das Material unterstreichen meine Euphorie!

Welchen Stellenwert geniessen bei euch die Live-Auftritte?

Hysteriis: Ich persönlich würde das Spielen vor Publikum nicht missen wollen. Bei einer Aufnahme geht man mechanisch vor aber live kommen die Songs und das Feeling, das man dabei hat, sie zu spielen , einfach ehrlicher und organischer rüber. Man kann nichts vortäuschen oder vertuschen.

Welcher Auftritt hat hat dir bisher am meisten bedeutet?

Hysteriis: Es gab mehrere positive Eindrücke auf Konzerten, als Beispiele seien dabei besonders die Konzerte in Karlsruhe (Hellfire Invasion mit Gräfenstein, Morrigan und Mondwolf) und in Krems an der Donau (Österreich, mit Ewig Frost) angeführt. Beide Konzerte lebten einfach vom "drumherum", von der Art wie man aufgenommen wurde, vom gegenseitigen Support aller beteiligten Kappellen und das ist selten. Es ist vollkommen egal ob man vor 300 oder vor 20 Leuten spielt, solange man sich selbst auf der Bühne wohl fühlt, und das war bisher meistens der Fall!

Seid ihr auch ausserhalb der Band befreundet oder trefft ihr euch grösstenteils zum Musizieren?

Hysteriis: Fändest du es nicht etwas seltsam, wenn da vier Leute zusammen in einer Band spielen, die privat nichts miteinander anfangen können?

Die gibt es aber durchaus. Oft spielt dabei die Entfernung auch eine Rolle, so dass man sich ohnehin selten sieht.

Hysteriis: Gut, dann sind die Beweggründe, zusammen in einer Band spielen, sehr verschieden und vielleicht sogar bedenklich. Ich denke es ist schon wichtig auch privat gemeinsame Linien zu haben - was nicht heissen soll, dass wir jedes Wochenende zusammen unser Bier schlürfen.

Haben die Texte von euch eine grössere Bedeutung oder sind die zweit- bis drittrangig und dienen nur der Untermalung eurer Aufnahmen?

Hysteriis: Die Texte haben eine ebenso zentrale Bedeutung für die Band wie die Musik. Für Lord Asgoroth als Verfasser sämtlicher Texte sind sie Dreh- und Angelpunkt, denn er repräsentiert durch sie seine Person.

Was kann man von Atras Cineris in Zukunft erwarten?

Hysteriis: Das Songwriting für unser erstes Full-Length Album "Monolith" ist so gut wie abgeschlossen. Wir versuchen, das Album noch in diesem Jahr fertigzustellen, aber versprechen lässt sich diesbezüglich überhaupt nichts. Ferner stehen noch einige Konzerte in diesem Jahr an, am 8.9. im Trierer Exhaus mit Geist, und am 6.10 ebenfalls in Trier im Rahmen der Koldbrann, Negator und Sarkom Tour! Weitere Konzerte für Ende des Jahres sind bereits in Planung. Infos gibts auf www.atras-cineris.com.

Wo siehst du euch in, sagen wir, 5 Jahren?

Hysteriis: Solche Gedanken mache ich mir prinzipiell nicht!

Was ist deine Meinung zu Experimenten im Black Metal? Das Herausbrechen aus dem Black Metal-Käfig trauen sich ja vergleichsweise wenige zu.

Hysteriis: Ich denke, es kommt immer darauf an, wie man den Fortschritt musikalisch verpackt. Bestes Beispiel Satyricon: "Rebel Extravaganza" oder "Volcano", waren trotz Allem wirklich gute Veröffentlichungen, aber mit dem aktuellsten Album haben sie die Grenze eindeutig überschritten. Allerdings finde ich, dass Bands wie Nocte Obducta, Secrets Of The Moon... ihre Sache wirklich gut machen, obwohl sie alles andere als traditionelle Musik abliefern. Darkthrone haben mit ihrer neuesten VÖ dadurch einen Schritt vorwärts gemacht, indem sie 5 Schritte zurück gegangen sind, und das Album ist mehr als gelungen, finde ich!

Wie siehst du die Black Metal-Szene im Allgemeinen und wie ist der Zusammenhalt bei euch Badenern?

Hysteriis: Die meisten Menschen, die sich zum Black Metal bekennen, halten offensichtlich nicht sonderlich von geistigem Austausch, sondern lenken ihr Seelenheil lieber darauf, in Internetforen und dergleichen ihre Person zu profilieren. Ich persönlich zumindest möchte damit nun wirklich nichts zu tun haben. Aber auch hier bestimmen Ausnahmen zum Glück die Regel. Ich denke nicht, dass es in Baden an sich eine kollektive Ansammlung an Schwarzmetallern gibt, es gibt vielleicht Brennpunkte wie Karlsruhe, Freiburg, Konstanz und auch ein paar Bands wie Unlight, Aaskereia usw, aber kooperiert wird untereinander nicht wirklich. Lord Asgoroth und ich sind allerdings in einer badischen Black/Metal Legion namens "Ancient Blood" involviert, welche es sich zum Ziel macht, die badische Extremmetal-Welt etwas zu vereinen. Gruss an dieser Stelle an den Ordogh und den Rest der Horde!

Ich kann es nur schätzen, aber ich denke euer Bandname ist lateinischen Ursprungs. Kannst du das erläutern und gegebenfalls ein wenig über die Hintergründe des Namens sprechen?

Hysteriis: Mit der Vermutung liegst du richtig. Der Name bedeutet ins deutsche übertragen in etwa "Schwarze Asche", und steht als Sinnbild des ewigen Verfalls jeglicher Existenz!

Wie hast du zum Black Metal gefunden und was faszinierte dich an dieser Musikrichtung bzw. diesem Lebensgefühl, das die Musik mit sich bringt?

Hysteriis: Ich glaube die erste Band, die mir seinerzeit wirklich eine Gänsehaut beschert hat war Nagelfar. Was die musikalisch zelebriert haben war für mich zu dieser Zeit der Gipfel der Metalwelt. Seit diesem Augenblick habe ich meinen muskalischen Fokus auf die Black Metal Welt gerichtet. Ich glaube das, was mich am meisten an dieser Metalspielart fasziniert und was sie von allen anderen Musikformen unterscheidet, ist ihre Ehrlichkeit. Man merkt bestimmten Alben dieses Genres einfach ihre pure Emotionalität an, und man durchlebt sie selbst.

"Blut" habt ihr über Schlachtenklang veröffentlicht. Plant ihre eine weitere Zusammenarbeit mit dem Untergrund-Label?

Hysteriis: Das Verhältnis zwischen uns und Schlachtenklang ist absolut freundschaftlich und aktiv. In gewisser Form werden wir zu 100% weiterhin mit Schlachtenklang arbeiten, ob das kommende Album "Monolith" allerdings über dieses Label erscheint steht in den Sternen. Allerdings laufen momentan gespräche über eine Splitveröffentlichung, die über dieses Label erscheinen soll. Ferner werden Lord Asgoroth und ich mit unserem Nebenprojekt "Nebelmeer" dort unser erstes Demo veröffentlichen

Klär uns doch über die Strukturen von Atras Cineris auf. Hält jemand die Zügel in der Hand und gibt band-intern den Takt an oder ist jeder gleichberichtigt?

Hysteriis: Jedes Mitglied ist vollwertig in die Band eingebunden, wenn auch jeder seine individuelle Position behält. Nebular ist zu 90% für das Songwriting zuständig, arrangiert wird das Material allerdings von der gesamten Band! Asgoroth schreibt sämtliche Texte, Gotaur ist neben seiner Schlagzeugertätigkeit für sämtliche visuellen Erscheinungen verantwortlich und ich bin - unschwer zu erkennen - für Pressearbeit zuständig!

Das leidige Thema des NS-Metal: Wie steht ihr zu national-sozialistischen Einflüssen im Metal, speziell im Black Metal?

Hysteriis: Erschreckend genug, dass dieses Thema immer präsenter in der Metalwelt wird. Kurz und Knapp: Politik, sei sie nun links- oder rechtsorientiert, hat in der Musikform nichts verloren. Meiner Meinung nach ist es an der Zeit damit aufzuhören stets über die Antifa zu jammern, die sämtliche Konzerte offenbar wahllos absagt, und die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Das wird wirklich nur noch von stumpfen Provokationen mit zweideutigen Songtiteln, Texten und Äusserungen getoppt!

Kommen wir noch zum Internet: Vielen dient es als Kommunikationsmittel, e-Mail erlaubt einfache Bestellungen auch bei kleineren Versänden, Bands können miteinander kommunizieren, eventuelle Auftritte planen und man kann Musik austauschen. Es hat aber auch durchaus seine Schattenseiten, betrachtet man so manchen Preis limitierter Scheiben bei eBay. Wie stehst du dazu?

Hysteriis: Nunja, über die Vorteile des Internets braucht man nicht näher eingehen, denke ich mal. Ich denke, es ist vor Allem die Flut an Gründungen diverser Soloprojekte, die dem Black Metal schadet und die sicherlich durch das Phänomen Internet begünstigt wurde. Diese "Projekte", wie sie sich gerne schimpfen, können jederzeit jeglichen Schrott problemlos veröffentlichen. Was die Hype-Preise bei Ebay angeht: Hype wird immer vom "Kunden" gemacht, wer also solche Wucherpreise in Kauf nimmt, wird sich schon was dabei gedacht haben.

Vielen Dank für die ausführlichen, interessanten Antworten. Die letzten Worte sind die deinen!

Hysteriis: Habe ich keine! Dank dir für das Gespräch!


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Huenengrab

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