Zatokrev - Dafür Blut! (Interview, 2007)

Zatokrev ist tschechisch und heisst soviel wie "dafür Blut" - der Name steht aber auch für apokalyptische Brachialität und intensive Bühnenauftritte. Kürzlich veröffentlichte die Band ihr zweites Werk über ihr neugegründetes Label und sind mit dem Franzosen Stench zum Quartett angewachsen. Frederyk Rotter nahm sich freundlicherweise Zeit, einige Fragen über "was war?", "was ist?" und "was noch sein wird?" zu beantworten.

Ciao Fredy, wie geht's? Erst einmal wünsch ich dir frohe Weihnachten und ein gutes neues Jahr! Gab es viele tolle Geschenke unter deinem Weihnachtsbaum oder sagt dir dieses Fest eher wenig bis gar nichts?

Danke gleichfalls! Nö, Weihnachten mag ich persönlich gar nicht. Vielleicht, wenn ich eines Tages mal Kids hab, dann könnt's witzig werden.

Eure neue Platte "Bury the Ashes" hat kürzlich das Licht der Welt erblickt. Gratulation zu dem gelungenen Werk. Entwickelte sich euer jüngstes Kind zu eurer Zufriedenheit?

Ja, wir sind sehr zufrieden damit. Klar gibt's immer Sachen, die man im Nachhinein anders machen würde, aber das ist wohl normal. Es ist ein Album, das wir uns immer wieder gerne selber anhören!

Bei eurer Plattentaufe habe ich leider mit Abwesenheit geglänzt. Asche über mein Haupt! Für alle, die es auch verpasst haben: Wie war die Taufe?

Die Taufe war grandios. Es herrschte eine tolle Stimmung im Publikum, was sich automatisch auf uns übertrug. Zum erstenmal spielten wir ein zweistündiges Set, und das zusammen mit unserem neuen Klampfenmann Stench. Es hatte so ziemlich alles gestimmt, ein gelungener Abend!!

Im Vergleich mit dem selbstbetitelten Vorgänger ist Zatokrev eine deutlich rauere und härtere, aber auch sperrigere Schiene gefahren. War das Absicht oder ist das einfach so passiert?

Wir bauten auf Spontanität und überliessen alles dem Musikgott. Wir lassen in der Regel immer alles offen und engen uns nicht zu sehr mit Zukunftsvisionen ein. So fühlen wir uns freier und lassen es einfach passieren.

Wie würdest du kurz das neue Album beschreiben, und was fällt dir auf, wenn du es mit dem Debüt vergleichst?

"Bury the Ashes" klingt roher, wahrscheinlich eher so wie wir live klingen, nicht so glattpoliert wie der Vorgänger. Dave hat uns beim Abmischen alle Natürlichkeit bewahrt, was wir sehr cool finden! Ausserdem haben wir uns musikalisch und songwriter-technisch weiterentwickelt und ein bisschen mehr rumexperimentiert. Das Album enthält sowohl Midtempo-Kracher bis langsamere, sehr düstere Lieder. Es ist auch rhythmisch spannender aufgebaut.

Wie geht ihr beim Texten und Komponieren vor? Wodurch wird euer Liedgut inspiriert?

Es passiert alles sehr spontan. Eigentlich fängt es meistens mit einem Gitarren-Riff an. Für die Texte werde ich hauptsächlich von der Musik selber inspiriert. Die Lyrik kommt dann ganz von allein. Ich hab meistens eine- oder mehrere Songideen, die wir in der Band dann ausarbeiten und aufblühen lassen. Oder wir jamen einfach drauflos und halten fest, was uns gefällt. Oft singe ich irgendeinen packenden Satz, der sich später zu einem ganzen Text entwickelt.

Ihr seid bekannt für eure Sprachvielfalt. Wie kommt es, dass diesmal auf "Bury the Ashes" nur die englische Sprache verwendet wird?

Wie gesagt, bei uns entsteht alles ziemlich aus dem Bauch raus. Wenn halt nichts anderssprachiges raussprudelt, dann soll's auch nicht sein. Dazu wäre aber zu sagen, dass wir eigentlich 10 Songs auf die Platte schmeissen wollten. Aus Platzmangel war das aber nicht möglich. Von den restlichen 3 sind 2 auf Tschechisch. Einer wird als Bonustrack auf unserer Vinyl-Edition draufgepackt. Ausserdem planen wir eine Split-EP mit den anderen Stücken.

Mit Czar of Crickets habt ihr jüngst eurer eigenes Label gegründet. Weltweit wird das Album dann später über Firebox Records vertrieben. Was bewegte euch zu dieser Gründung? Wart ihr mit der Arbeit eurer vorherigen Partner nicht zufrieden?

Division Records hat für uns in der Schweiz einen guten Job gemacht! Die Gründung unseres Labels geschah völlig unabhängig davon. Ich und meine Kollegin sprachen schon länger davon, ein neues Label in die Welt zu setzen um talentierte Bands zu fördern. Es hatte sich zeitlich eher durch Zufall angeboten, dass wir als ersten Release die neue Zatokrev rausbrachten. Wir sind aber bereits wieder auf Talentsuche.

"Bury the Ashes" war schon im Frühjahr angekündigt, was waren die Gründe für die Verzögerung?

Unser damaliges Label Codebreaker hatte sich aufgelöst kurz bevor Bury The Ashes auf den Markt kommen sollte. Wir standen also ohne Deal da. Danach kam ne harzige Zeit. Wir schwebten in der Luft und wussten nicht so recht wie's weitergehn sollte. Zwar waren wir kurz danach mit interessierten Labels in Kontakt, aber irgendwie klappte das nicht mit denen. Wir gingen also erst letzten Sommer richtig auf Labelsuche, zum Glück mit Erfolg. Die Firebox Leute scheinen sehr cool und unkompliziert zu sein. Wir freuen uns sehr auf die Zusammenarbeit.

Nach langer Suche nach einer Verstärkung habt ihr endlich einen zweiten Gitaristen engagiert. Wie seid ihr auf Stench gekommen? Hat er sich gut bei euch eingelebt? Ich nehme an, dass dies auf der Bühne und im Proberaum nicht ohne Konsequenzen bleiben wird...

Stench hatte vor etwa einem halben Jahr seine Death-Metal Band Vacarme aufgelöst und suchte etwas Neues, dass eben so klang wie wir. Er hat sich einfach auf ein Inserat hin gemeldet. Er war uns sofort sympathisch und wir merkten schnell, dass er auch Gitarre spielen konnte. Stench hat sich unterdessen gut bei uns eingelebt. Wir hatten auch schon zwei Gigs mit ihm, die beide sehr cool waren! Es war zeitweise vielleicht schon nicht einfach sich an ein viertes Mitglied zu gewöhnen. Wir waren schliesslich als Trio menschlich und musikalisch zusammengewachsen. Wir merken aber immer mehr, wie wichtig Stench für unsere Band ist! Wir haben jetzt einen volleren Sound und die Möglichkeit, viele Songs wie auf Platte zu spielen, was als Trio zum Teil nicht möglich war! Stench ist ausserdem ein humorvoller Metaller mit Herz und Seele, der als Mensch zu Zatokrev passt. Er ist jetzt fester Bestandteil dieser Band. Wir lieben den Kerl einfach.

Versteh sich Zatokrev eher dem Doom Metal oder dem Hardcore verbunden? Oder kümmert euch diese Schubladisierung überhaupt nicht?

Um jemandem unsere Musik zu erklären würde ich es schon als Mischung von Doom Metal und Post Hardcore erklären. Aber eigentlich ist uns das egal! Unsere Musik enthält sicher von beidem was und noch viel mehr. Wir kommen ja auch nicht nur aus einer Nische, sondern hören querbeet alles Mögliche. Soll's jeder so beschreiben wie er will...

Wenn ihr euren Blick etwas in die Vergangenheit schwenkt, wie betrachtet ihr Zatokrevs Entwicklung?

Wir hatten viele Hochs und Tiefs, haben viele Gigs gespielt, zwei Platten produziert etc. Wir sind in dieser Zeit zu guten Freunden zusammengewachsen, haben gemeinsam Hürden überstanden und viel an uns gelernt. Unsere Musik haben wir während bald 5 Jahren, in denen wir zusammen spielen, immer mehr vertieft, und tun es noch. Im selben Mass wird das auch so weitergehn, nur von jetzt an zu viert!

Wie sehen die Zukunftspläne von Zatokrev aus? Welches sind die verborgenen Wünsche und was ist der Antrieb, diese auch zu erreichen?

Als nächstes würden wir gerne touren und danach eine neue Platte komponieren! Wir empfinden das Songschreiben wahrscheinlich alle als den schönsten und wichtigsten Prozess bei Zatokrev. Wir können dabei unserer Kreativität und unseren Emotionen freien Lauf lassen und sozusagen neue Welten und Farben erschaffen.

Ich hab gelesen, dass du von Billy Corgan und seine The Smashing Pumpkins sehr gerne magst. Was erwartest du von der angekündigten Reuunion dieser Grossartigen Band?

Ich bin gespannt, obwohl ich eigentlich eher die frühen Werke von Smashing Pumpkins bevorzuge. Es war damals viel rockiger und emotionaler. Billy Corgan ist und bleibt aber einer der besten Songwriter, und ich gehe davon aus, dass sie eine tolle Platte abliefern werden!

Gibt es Künstler oder Bands, die dich momentan in ihren Bann genommen haben?

Ja, da gibt's ein paar! Jesu finde ich unglaublich geil!! Sonst sind da noch Pantheist, Cult Of Luna, Ahab, Graves At Sea oder Singer-Songwriter Glauco Ceccarelli.

Das ist bereits das Ende. Vielen Dank für deine Geduld und die geopferte Zeit. Gibt es noch etwas, das dir auf der Zunge liegt und du uns mitteilen möchtest?

Schwermetall.ch ist eine gute Sache! Macht weiter so, und ein schönes neues Jahr: Ich danke dir ebenfalls für deine Zeit, dein Interesse und den Support!


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