Vladimir: Weeping Web - Im Intervie mit dem Multitalent (Special, 2007)

Vladimir hat meines Erachtens in künstlerischer Hinsicht unser aller Bewunderung verdient. Nicht nur, dass er mit seinen Kapellen Mirrorthrone, Weeping Birth, Unholy Matrimony und diversen Projekten akustisch von sich reden macht, sondern auch in Sachen Webdesign hat er in schwarzstählernen Gefilden die Nase vorn. Deshalb war es mir eine Ehre mit Vladimir für einmal über seine künstlerischen Aktivitäten ausserhalb des Musizierens zu diskutieren.

Zunächst aber die Frage nach dem Befinden: Wie geht es dir Vladimir? Wie läuft es mit deinen zahlreichen musikalischen Projekten?

Hallo. Mir geht's gut, danke. Ich nutze gerade meine Ferien, um an Backlog zu arbeiten. Ich hatte in letzter Zeit nicht allzu viel Musse, um mich dem Komponieren hinzugeben. Aber ich werde dies in den kommenden Wochen nachholen. Ich habe letztens viel Zeit mit dem Produzieren verbracht. Bald werde ich ein neues Mirrorthrone Album veröffentlichen, welches vor einiger Zeit aufgenommen wurde. Ich muss nur noch den Mix fertig stellen.

Im Zeichen unseres Design Specials möchte ich dich vor allem als Web-Artisten befragen. Bezeichnest du Webdesign als Kunst?

Nein, nicht wirklich. Ich versuche nicht einfach nur bescheiden zu klingen, aber eine Webseite zu bauen ist an sich weit weg von Kunst. Du kannst es als künstlerisch bezeichnen, wenn das Design wirklich verfänglich ist, aber es ist keine Kunst. Dieses Wort wird eindeutig zu viel verwendet.

Wenn du ein Konzept einer Webseite erstellst, wie gehst du vor? Startest du mit einem Design in Photoshop oder machst du Skizzen per Hand? Machst du irgendwelche Seitenspezifikationen?

Zunächst musst du wissen, welcher Inhalt wie dargestellt werden soll. Das ist die Skizze. Dann musst du etwas Fleisch an die Sache bringen. Das ist das Design. Ich habe keine spezielle Technik für diesen Teil. Manchmal beginne ich mit einer Papierskizze oder direkt mit Photoshop. Meistens gibt es etwas Anarchie in meiner Organisation.

Was ist das Geheimnis deiner grossartigen Arbeit? Ich kenne keine einzige Grafik von dir, die ich nicht mag. Wie erreichst du diese Exklusivität?

Vielen Dank, ich habe so etwas nicht erwartet. Ich mache die Sachen, ohne richtig darüber nachzudenken, was ich genau tue. Eine Arbeit muss getan werden, ich bekomme ein Thema, eine Deadline und dann geht's los. Ich habe nie vor gehabt mit grafischen Sachen zu arbeiten und ich wollte das auch nie. All das ist purer Zufall.

Ich bin sicher, dass dich die Musik inspiriert, wenn du designst. Wleche Arten von Musik magst du generell und welche anderen Dinge inspirieren dich?

Ja, ich denke Musik ist mein steter Begleiter in allem, was ich tue. Wie du leicht erraten kannst, höre ich sehr viel Extrem Metal. Bands wie Emperor, Abigor, Ulver, Satyricon und aktuellere Sachen wie Hate Forest oder Drudkh werden ihre Scheiben für lange Zeiten in meinem Spieler haben. Aber ich bin dennoch recht offen und höre alle Arten von Musik: Old School Hardcore, Rock, Postrock, Pop, klassische Musik, Noise, Ambient, Elektro und sogar Country.
Es hört sich vielleicht etwas platt an, aber was mich am meisten inspiriert ist das Leben selber: Die menschliche Stellung, die Kultur des Westens mit ihrer gesamten Vergangenheit. Was ich zu jeder Sekunde fühle. Ich weiss, dass das ziemlich dumm tönen kann, aber es ist so.

Hast du so etwas wie einen Lieblingskünstler?

In meinem Tätigkeitsbereich, ja: Travis Smith und Daniel Long.

Ich vermute, du arbeitest vor allem mit Adobe Photoshop. Was macht die Faszination dieses Programms aus? Verwendest du auch andere Software für die Designs?

Ich könnte es nicht einmal sagen, aber ich war schon am Tag, an dem ich es entdeckte begeistert. Ich bin süchtig seitdem. Ich habe das eigenartige Gefühl, zu Hause zu sein, wenn ich mit Photoshop arbeite. Ich denke das passiert, wenn du zu viel Zeit am Computer verbringst. Es ist die einzige Software, die ich zur Grafikerstellung verwende.

Gibt es Arbeiten, auf die du besonders stolz bist?

Ich bin nie zufrieden, mit dem, was ich tue. Ich habe immer das Gefühl, dass es nicht genug ist. Demnach bin ich nie besonders stolz auf eine meiner Arbeiten. Dennoch, bin ich stolz, dass ich für Abigor etwas gemacht habe, da es eine meiner meistgeschätzten Bands ist.

Wie viel hat ein Kunde von dir über das Design einer Webseite zu melden? Arbeitest du gerne für Kunden oder arbeitest du lieber an eigenen Projekten?

Es ist weniger stressig, für eigene Projekte zu arbeiten, da man niemanden Endtäuschen kann. Aber dennoch arbeite ich gerne für Kunden. Diese sagen dann ungefähr, wie viel sie wollen. Das wichtigste ist der Inhalt, welchen sie mir präzise liefern müssen. Beim Rest kommt es darauf an. Einige lassen mich tun, was ich will. Andere haben ziemlich genaue Erwartungen.

Gibt es andere Seiten, mit denen du deine Kreativität ausdrückst als in der Musik und im Webdesign?

Ja. Worte. Aber derzeit bleibt mir wenig Raum für dies.

Wie sieht es in deiner Wohnung aus? Ist es eher bescheiden oder mit grossen künstlerischen Einflüssen versehen?

Da ich immer noch Student bin, habe ich nicht allzu viel Geld. Meine Wohnung ist mehr oder weniger vollständig der Musik verschrieben. Das heisst, dort sind überall Amps, Racks, Instrumente und Kabel. Da ich alles in einem Raum habe, optimiere ich ihn ständig akustisch. Es ist ziemlich weit von einer grossartigen Atmosphäre entfernt: Es ist klein, überladen, düster, schmutzig und schlussendlich sogar hässlich. Ich hoffe, dass sich das bald ändern kann.

Wenn ich mich recht erinnere, studierst du Philosophie. Bringst du philosophische Bedeutung in deine Designs ein?

Nicht wirklich. Die meisten Kundenwebseiten müssen professionell und sauber aussehen, weshalb ich dies nicht tue. Für einige andere Seiten, verwende ich Bilder mit etwas mehr Tiefgang. Aber dennoch ist dies weit von Philosophie entfernt. Oder präziser: Ein Bild beschreibt eine Vision, welche zu reduziert ist, um wirklich mit Philosophie verbunden werden zu können. Dies trifft umso mehr zu, wenn du berücksichtigst, dass die digitale Bildbearbeitung ziemlich oft auf Klischees basiert und selten etwas wirklich neues entwickelt.


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Morgenstern

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