Wolfchant - Die Oberschicht des nationalen und internationalen Pagan Metal (Interview, 2007)

"A Pagan Storm" ist der Titel des aktuellen Langspielers der bayerischen Formation Wolfchant, die schon mit dem Vorgängerwerk "Bloody Tales Of Disgraced Lands" zur Oberschicht des nationalen und internationalen Pagan Metal-Geschehens zu zählen war. Da ich mir die neue Platte schon in Sachen Rezension zur Brust genommen hatte, lag mein Ansinnen praktisch auf der Hand, dem Frontmann Lokhi weitere Informationen zu Album und Band zu entlocken...

Sei gegrüsst, Lokhi! Wie geht es Dir? Alles in Butter soweit?

Lokhi: Danke, es geht mir sehr gut. Wir haben zwar gerade ein sehr anstrengendes Wochenende hinter uns, da unser Festival, die WALPURGIS METAL DAYS stattgefunden haben, aber das Ganze war ein voller Erfolg.

Welchen Einfluss hat der Start von "A Pagan Storm" auf Dein Wohlbefinden?

Lokhi: Ich muss zugeben dass wir alle vor der Veröffentlichung des Albums sehr aufgeregt waren. Nun, da das Album aber erhältlich ist und wir ausschliesslich sehr gutes Feedback bekommen, sind wir natürlich sehr zufrieden. Auch live kommen die neuen Songs sehr gut an!

Seitens der Fachpresse hagelt es Top-Kritiken zu "A Pagan Storm". Welchen Stellenwert - den PR-Effekt ausgenommen - nimmt die Meinung der schreibenden Zunft innerhalb der Band ein?

Lokhi: Die Meinung der schreibenden Zunft nimmt einen grossen Stellenwert ein. Wir gehören nicht zu den Bands die behaupten, dass uns alles egal ist, was andere über unsere Musik sagen. Wir waren sehr aufgeregt vor der Veröffentlichung von "A Pagan Storm" denn wir waren uns intern darüber einig, dass das Album sehr stark und sogar besser als unser Debüt ausgefallen ist, aber würden das auch die anderen so sehen?! Als wir dann die ersten Reaktionen der Presse gelesen haben, ist uns ein Stein vom Herzen gefallen. Wenn ich sehe, dass ein Redakteur mit genügend Background unsere Musik lobt, dann freut man sich auch sehr darüber. Ausserdem gibt es viele Leser, die auf Reviews vertrauen und somit ist es auch wichtig für eine Band, dass da was Ordentliches drinnen steht.

Gibt es bereits Reaktionen von Seiten der Hörerschaft?

Lokhi: Ja wir bekommen viele e-Mails und lesen auch zum Teil die Diskussionen in den Foren. Das Album kommt sehr gut an und fast alle bestätigen uns eine grosse Weiterentwicklung im Vergleich zu "Bloody Tales". Bei unseren letzten Konzerten ging bei den neuen Songs die Post ab. "A Pagan Storm", "Stärkend Trunk...", "Guardians of the forest", "Midnight Gathering", oder auch "Feuerbringer" funktionieren live wirklich bestens.

Bitte kläre uns über den lyrischen und thematischen Inhalt von "A Pagan Storm" auf.

Lokhi: Im Gegensatz zur "Bloody Tales..." haben wir dieses mal einzelne Themen aufgegriffen. Hier mal eine kurze Beschreibung der einzelnen Songs: "Growing Storms" Instrumental - Intro "A Pagan Storm" Hier geht es um die stetig wachsende Anhängerschaft und die Kraft des Heidentums, die wir imaginär als Sturm bezeichnen. Ein kraftvolles Lied mit Chorpart im Zwischenteil. "The Path" Handelt davon, dass man seinen eigenen Weg gehen muss und sich nicht davon abbringen lässt, auch wenn das Ziel manchmal schwer zu erreichen ist. Eine Art Erfahrungsbericht der letzten Jahre. "Midnight Gathering" Ein typisches Wolfchant-Trinklied bei dem eben auch Akkordeon und Flöte zum Einsatz kommen. "A Wolfchant From The Mountain Side" Hier geht es um die Zwangschristianisierung in unserer Gegend. "Guardians Of The Forest" Hierbei handelt es sich um eine kleine Fortsetzung der Old Fields Sage aus unserem ersten Album. Es thematisiert einen Zeitabschnitt nach den "Bloody Tales...", in dem die Weisen bei sagenumwobenen Kriegern aus vergessenen Zeiten Schutz ersuchen. Eines der wohl schnellsten Stücke auf dem Album. "Winterhymn" Wie oben bereits erwähnt geht es in dem Song um die Schönheit und die Kraft des Winters. Das längste und abwechslungsreichste Lied auf "A Pagan Storm" mit Akustik Breaks, Maultrommeln und Chor. "Stärkend Trunk Aus Feindes Schädeln" Ein Song der vom Text her ironisch gedacht ist. Er handelt von den Wikingern die aus den Schädeln ihrer getöteten Gegner lustige Becher gebastelt haben. Der Song kann als "Trinklied" bezeichnet werden. Der Text wurde zusammen mit Markus Eck verfasst. "Voran" Ein heidnisches Dorf wird wiederholt von einer christlichen Armee angegriffen. Die Einwohner setzten sich mutig zur Wehr um den Feind zu bekämpfen. Das Thema Glaubenskonflikt und die Überzeugung, Unschuldige zu töten ist ja auch heutzutage leider noch sehr aktuell. Ein sehr hymnisches Lied im Midtempo-Bereich. "Feuerbringer" Die Vertonung von Loki's Zankrede aus der Edda. Natürlich handelt es sich nur um einen von uns modifizierten Ausschnitt, da der Text einfach zu lang ist. Neben "Guardians Of The Forest" ist dies der schnellste Song. "The Axe, The Sword, The Wind And A Wolf" Hier geht es um den Fenrir-Wolf und dessen Fesselung mit dem Seil Gleipnir. Da es den Göttern nicht gelang Fenrir zu bändigen, beschloss man ihn zu fangen und festzubinden. Um dem Wolf das Seil Gleipnir umzulegen musste Tyr ja bekanntlich seine Hand opfern.

Erstmals setzt ihr auf "A Pagan Storm" auch auf deutsche Titel. Befindet sich Wolfchant textlich im Wandel zur deutschen Sprache und gibt es einen Grund für den Vorzug des Englischen?

Lokhi: Es gibt eigentlich keinen direkten Grund für den Vorzug der englischen Sprache. Wir wollten einfach sicherstellen, dass man die Texte in möglichst vielen Ländern verstehen kann. Beim Komponieren der neuen Songs ist uns allerdings bei "Winter Hymn", dass ja einen deutschen Zwischenteil hat, aufgefallen dass sich die Stelle mit dem deutschen Text irgendwie aggressiver und rauer anhört. Das mag daran liegen, dass mein Stimmbild einfach anders ist wenn ich deutsch singe. Auf jeden Fall hat uns das gut gefallen und wir haben drei passende Songs mit deutschen und englischen Texten in unserem eigenen Studio aufgenommen und verglichen. Kurz drauf war klar, dass die Lyriks deutsch bleiben werden.

Was ist Dein persönlicher Anspieltip für das neue Album und wieso?

Lokhi: Einen einzelnen Song kann ich dir leider nicht nennen. Jeder Titel auf dem Album ist wie ein Kind für uns und da will man ja auch keines bevorzugen. Gut, evtl. ein blöder Vergleich. Ich würde sagen "Guardians of the Forest", "Midnight Gathering" und "Winterhymn" sollte man hören um einen guten Eindruck über das Wolfchant-Spektrum zu bekommen.

Ist "A Pagan Storm" das bisher beste Wolfchant-Album?

Lokhi: Ja, auf alle Fälle! Allerdings sind wir noch lange nicht am Ende und wir wollen uns zum dritten Album hin in allen Belangen noch einmal deutlich steigern.

Gehen wir mal etwas weiter zurück in der Zeit. Seit wann und warum ist Gaahnt nicht mehr bei Wolfchant aktiv?

Lokhi: Gaahnt ist Anfang Februar ausgestiegen! Er hat die Band aus beruflichen Gründen verlassen da er nun in zwei Schichten arbeiten muss und auch zum Teil am Samstag. Ich muss dazu sagen, dass Gaahnt mein Bruder ist, wir alle noch immer sehr gut befreundet sind und er uns nach wie vor auf Festivals usw. begleitet. Gaahnt ist mit unserem Drummer Norgahd 9 Jahre lang zur Schule gegangen. Im übrigen sind auch Norgahd und Skaahl Brüder.

Hat die Line-Up-Veränderung auch Veränderungen bei Songwriting und Instrumentierung mit sich gebracht?

Lokhi: Nein, die Songs sind ja im Zeitraum entstanden als Gaahnt noch in der Band war; ausserdem war er nicht aktiv ins Songwriting mit eingebunden. Nattulv, unser neuer Bassist, hat eine sehr schöne Klarstimme und ist auch in den Chören auf "A Pagan Storm" zu hören. Wir werden die Chor- und Clean-Elemente beim nächsten Album auf alle Fälle noch weiter ausbauen.

Ihr habt seinerzeit einen Vertrag über drei Alben mit dem österreichischen Label CCP Records unterschrieben. Da dieser Vertrag ja mit dem nächsten Album auslaufen wird, würde mich interessieren, ob ihr bereit wärt, ihn zu verlängern?

Lokhi: Wir arbeiten sehr gut zusammen und würden den Vertrag auf jeden Fall verlängern.

Was führte Euch damals eigentlich zu Eurer österreichischen Labelheimat? Lagen Euch keine Angebote von innerhalb Deutschlands vor?

Lokhi: Wir hatten damals mehrere Angebote aber CCP waren aufgrund der geografischen Lage (wir fahren ca. 1,5 Stunden nach Linz) und der Tatsache, dass sie ein eigenes Studio haben erste Wahl.

Sicherlich füllt ein Erfolg von "A Pagan Storm" auch Euren Terminkalender. Was ist für 2007 live-technisch von Euch zu erwarten?

Lokhi: Wir haben sehr viele Anfragen aber leider nur wenig Zeit. Wir versuchen natürlich, so viele Konzerte wie möglich zu geben. Letztes Jahr glaube ich waren es ca. 20. Das wollen wir auf jeden Fall überbieten. Wir werden neben einigen Festivals (Kaltenbach Openair, Ultima Ratio, Wolfszeit) natürlich viele kleine Shows spielen. Auch nach Irland wird es uns verschlagen um dort mit unseren Brüdern von Waylander ein paar Gigs zu spielen. Darüber hinaus haben wir Angebote für Touren bekommen. Es wird also einiges passieren.

Weshalb wird es eigentlich keine Fortsetzung des "Pagan Nights"-Festivals geben?

Lokhi: Oh, die wird es geben und zwar am 7/8.9 2007. Wir haben mit den Planungen angefangen und Infos gibt es bald unter www.pagan-nights.de

Aha, interessant - konnte man in der Vergangenheit doch Gegenteiliges vernehmen. Ihr seid inzwischen ja auch ins Team der "Walpurgis Metal Days" eingestiegen. Wie steht es um dieses Festival?

Lokhi: Um genau zu sein haben wir das Festival übernommen, da die bisherigen Veranstalter nicht mehr genügend Zeit und Leute aufbringen konnten. Wir haben mit Wolfchant den "Verein für Metal in Niederbayern" gegründet. Dieser Verein kümmert sich um die Grossveranstaltungen im Bereich Metal in unserer Gegend. Das Festival fand ja bereits an diesem Wochenende statt und es war ein voller Erfolg. Auf der Bühne standen unter anderem Unleashed, Legion of the Damned, One Man Army, Ensiferum, und Suidakra und wir hatten 1700 Besucher. Infos gibt es unter www.walpurgismetal.de

Bastelt ihr aktuell schon an Liedern für ein nächstes Album oder findet sich dafür erst Zeit, nachdem die ersten Begeisterungsstürme bezüglich "A Pagan Storm" etwas abgeebbt sind?

Lokhi: Es wird irgendwie ständig an neuen Songs gebastelt und die ersten Songfragmente existieren bereits. Norgahd und Skaahl liefern laufend neue Ideen ab. Ich denke aber, dass wir erst im dritten Quartal so richtig loslegen werden. Tatsächlich hat "A Pagan Storm" höhere Wellen geschlagen als wir das je vermutet hätten. Speziell die Medien im Ausland sind jetzt so richtig auf uns aufmerksam geworden und beginnen sich verstärkt für unsere Musik zu interessieren.

Und um noch ein wenig indiskret zu werden: Kannst Du uns verraten, wie viele Exemplare von "Bloody Tales From Disgraced Lands" bislang abgesetzt werden konnten und wie die Absatzprognose für "A Pagan Storm" eingeschätzt wird?

Lokhi: In der Hinsicht haben wir uns aus diversen Gründen dazu entschlossen keine Auskunft zu geben. Ich kann aber sagen dass es unter 10.000 Einheiten waren.

Zum Abschluss würde ich Dich bitten, die folgenden Sätze zu vervollständigen:

a) Das Beste, was Wolfchant passieren konnte, war...

Lokhi: dass unsere alten Bands sich gemeinsam einen Proberaum gemietet hatten, denn sonst hätten wir nie begonnen zusammen zu musizieren.

b) Wolfchant wird sich auflösen, wenn...

Lokhi: die Chemie in der Band nicht mehr stimmt.

c) Wolfchant zeichnet sich aus durch...

Lokhi: Fleiss und harte Arbeit!

d) Wolfchant wird in fünf Jahren...

Lokhi: eine USA- und Asien-Tour spielen, hehe.

e) Die erste goldene Schallplatte ist für Wolfchant...

Lokhi: nicht von Bedeutung!

Okay, dann also besten Dank für die Beantwortung meiner Fragen! Du hast das letzte Wort.

Lokhi: Wir möchten uns recht herzlich für dieses Interview und den Support bedanken. Wir würden uns freuen mal bei Zeiten mit dir gemeinsam ein Bierchen zu trinken!


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Bluttaufe

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