Metallic Arts - Ein aufstrebender Veranstalter unterstützt die österreichische Metal-Szene (Interview, 2007)

Immer mehr junge Nachwuchs-Veranstalter versuchen in Österreich Fuss zu fassen. Leider ist es hierzulande etwas schwer, die Leute dazu zu bewegen ihre Ärsche für ein heimisches Festival hochzubekommen, was immer wieder zur Folge hat, dass nach zwei Veranstaltungen mit fettem Minus Sendepause ist. In solch einer Zeit muss man diejenigen, die sich längere Zeit halten können und uns immer wieder geile Metal-Bands in unser Land holen, natürlich gebührend Tribut zollen. Immerhin will nicht jeder ständig ins Ausland pilgern um etwas Anständiges geboten zu bekommen. Leider aber machen das so viele, dass auch Veranstalter die Konzerte schon gerne im Ausland aufziehen. Und das bringt mich gleich zur ersten Frage, die mir Chris, von Metallic Arts, hoffentlich beantworten kann.

Was meinst du, warum spielt sich Festival-betreffend das meiste im Ausland ab? Kann man ein Festival in Deutschland wirklich um so viel billiger hochziehen, oder liegt das einfach an dem grossen Einzugsgebiet was immer wieder zu den riesen Menschenmassen auf den Veranstaltungen führt?

Chris: Billiger ist ein Festival in Deutschland wahrscheinlich nicht, aber in Deutschland hast du einfach eine viel grössere potenzielle Zielgruppe die du lukrieren kannst. In Österreich tust du dir schon von Haus aus schwerer ein funktionierendes Festival auf die Beine zu stellen, weil du fast ausschliesslich nur den österreichischen Markt dafür gewinnen kannst.

Die meisten, wie du selbst auch, fangen ja mit Konzerte veranstalten an um mit ihrer eigenen Band spielen zu können. Was war für dich der Grund die Band zu verlassen und dich komplett auf die Veranstaltungen zu konzentrieren, bzw. was genau macht dir solchen Spass an der Arbeit?

Chris: Full time Job, Band und Konzerte veranstalten sind 3 sehr zeitfüllende Aufgaben, daher musste ein Engagement leider auf der Strecke bleiben. Da ich in organisatorischen Tätigkeiten schon immer meinen Schwerpunkt sah und ich mich veranstaltungstechnisch weiterentwickeln möchte war dies die Konsequenz daraus.

"Kleinere" Veranstalter scheitern meiner Meinung nach an den Steuern, AKM-Gebühren und allem was sonst noch so anfällt und verkalkulieren sich dadurch. Habt ihr euch euer Wissen über solche Dinge in den ersten Jahren selbst angeeignet oder kann man das irgendwo erlernen?

Chris: Das Know-How haben wir uns alles selbst und hart erarbeitet und dabei schon sehr viel Lehrgeld bezahlt. Doch denke ich war dieses Lehrgeld teilweise sehr gut investiert, weil wir sehr viel daraus gelernt haben. Sich ständig zu informieren und seine Tätigkeiten immer und immer wieder zu verbessern ist das um und auf, vor allem im Musikbusiness spielt der Zeitfaktor eine grosse Rolle, da sind oft nur wenige Stunden ausschlaggebend, ob du ein gutes Package klarmachen kannst oder nicht. Es ist auch wichtig organisatorische Abläufe laufend zu optimieren auch wenn man glaubt, sie sind schon perfekt.

Kann man ein Festival überhaupt verlustfrei aufziehen wenn man noch nicht allzu viel über das Geschäft an sich weiss?

Chris: Ganz klar nein! Es ist bei Festivals nicht anders als in jedem anderen Business, Know-How, Erfahrung & gute Kontakte spielen eine sehr entscheidende Rolle und sind ausschlaggebend für den Erfolg oder Misserfolg eines Projektes. Wenn man keine Ahnung vom Business hat muss man entweder saumässig viel Glück haben oder man merkt spätestens nach der Veranstaltung, wie viel man davon wirklich versteht.

Na, da wundert es mich nicht, dass es so viele Eintagsfliegen im Showbiz gibt. Viele scheinen immer wieder zu glauben, da es Metal ist, geht es um nichts, aber auch da fliesst das Geld. Und einen Monatslohn ist man wohl schneller los, als man glaubt.
Bis jetzt hattet ihr ja immer zwei kleinere Festivals pro Jahr. Was hat euch dazu bewogen das Angebot dieses Jahr zu verdoppeln und dabei auch noch mit zwei Zwei-Tagesfestivals in dieser Grössenordnung?

Chris: Halloween Metalfest & Spring Metalfest sind unsere Hauptveranstaltungen. Das Metallic Arts Sommerfest gab es auch letztes Jahr schon, allerdings nur als 1-tägiges Fest, das ist quasi eine Weiterführung des im letzten Jahr entstandenen Gedankens. Das Summer Nights Festival ist keine Metallic Arts Veranstaltung, das veranstalte ich gemeinsam mit dem Günther, seines Zeichens Booker bei Rock The Nation. Ganz ohne Zweifel war es schon immer mein Ziel, ein grosses Sommerfestival auf die Beine zu stellen.

Gut, dass du das ansprichst, mich interessiert sowieso, warum du dir gerade den Günther von Rock the Nation, quasi der Konkurrenz, geholt hast.

Chris: Ich sehe Rock The Nation nicht als Konkurrenz, RTN sind wahrscheinlich die wichtigste Säule der österreichischen Metallandschaft. RTN veranstalten schon seit mehr als 15 Jahren regelmässig Metalgigs in unserem Land, was für eine stabile Metalszene sehr wichtig ist. Günther ist ein Mann mit Erfahrung & Know How, im Endeffekt genau die Person, mit der man so ein Vorhaben wie das Summer Nights Festival angehen kann und mit dem man perfekt zusammenarbeiten kann.

Für das Summer-Nights habt ihr euch relativ grosse Bands wie Tankard, Behemoth, Turisas und Caliban geholt. Allerdings könnt ihr bei dem Gelände nur 1000 Leute rein lassen. Geht sich das finanziell vom Eintritt alleine überhaupt aus?

Chris: Nein, wir müssen freilich querfinanzieren, aber das war von Anfang an so kalkuliert. Das Summer Nights Festival ist nicht als Single Veranstaltung konzipiert, sondern wir wollen daraus ein jährlich wiederkehrendes Sommer Metal Festival aufbauen, welches sich in Österreich und weit über unsere Landesgrenzen hinaus als Event in der Rock- und Metalszene etabliert.

Da bin ich ja echt gespannt was sich diesbezüglich in den kommenden Jahren tut. Wahrscheinlich haben wir dann ein Festival in der Grössenordnung eines Wacken-Festivals hier, aber warum habt ihr nicht gleich eine grössere Location dafür gewählt?

Chris: Für das erste Summer Nights scheint uns diese Location perfekt zu sein, wenn es heuer gut läuft, werden wir uns überlegen nächstes Jahr in ein grösseres Areal zu übersiedeln.

Habt ihr da nicht Angst, dass euch Leute ausbleiben könnten, wenn es schon im zweiten Jahr wieder wo anders stattfindet?

Chris: Wie schon vorhin erwähnt, wollen wir ein Event aufbauen, der wächst. Ein wachsender Event braucht freilich auch eine Location, wo der Event dementsprechend mitwachsen kann. Wir werden heuer nach dem ersten Summer Nights sehen, wie sich unser Vorhaben weiter entwickelt. Das Summer Nights Festival wird auf keinen Fall eine Eintagsfliege sein! Ich denke nicht, dass Leute ausbleiben könnten, wenn sich die Location ändern würde, erstens kommen die Leute nicht wegen der Location, sondern primär wegen den Bands und zweitens wollen wir, wenn wir wechseln, auf jeden Fall in der Umgebung bleiben. Aber lass uns erst einmal das heurige Summer Nights feiern, danach geht es erst in die Planungen für 2008.

Was mich schon lange interessiert, auch wenn es sehr abwegig klingt, gibt es für den Fall einer misslungenen Veranstaltung eine Versicherung, bei der man monatlich einzahlt und wenn man einmal wirklich ein dickes Minus hat, etwas raus bekommt?

Chris: Haha verzeihe mir, aber wenn es das gäbe dann würde wohl jede Versicherung pleite gehen. Nein, auf solche Risiken steigt dir keine Versicherung der Welt ein und wenn, dann sind die Prämien so horrend hoch, dass du deine Veranstaltung von Haus aus niemals positiv abschliessen kannst. Auf diverse Risiken musst du dich natürlich absichern. Wir haben eine Veranstalter-Haftpflicht, eine Versicherung gegen Verlust gibt es nicht.

So etwas dachte ich mir schon, aber die Hoffnung stirbt zuletzt :)
Am 8. und 9. Juni veranstaltet ihr ausserdem ein Festival mit etlichen Coverbands mitten in Salzburg. Was hat euch dazu bewogen ein Festival auf die Beine zu stellen auf dem an beiden Tagen zwei Coverbands die Headliner sind?

Chris: Wir waren schon auf vielen Konzerten mit Coverbands, mochten die Stimmung und Atmosphäre und wir wollten mal ein neues Festivalkonzept ausprobieren, that’s it – no risk, no fun. Bei genauerer Betrachtung spielen auf unserem Sommerfest 4 Tribute Bands die genau meine All Time Faves dieser Musiksparten darbieten. AC/DC, Guns n’ Roses & Metallica waren meine ersten Bands im Rock & Metal Sektor und die mag ich noch immer. Rammstein gehören seit Ende der 90er genauso dazu.

Bei der Metallica Coverband singt doch der DSDS Sieger Thomas Regner. Bekommt ihr dadurch viel üble Nachrede von Metalheads? Immerhin gewann er eine kommerzielle Veranstaltung, die von Metallern eher verpönt ist.

Chris: Üble Nachrede wegen der Metallica Tribute Band vom Tobi? Glaub ich nicht. Ansonsten ist uns das auch egal, die Band ist spitze und der Rest zählt nicht.

Bands, die AC/DC, Guns n’ Roses und Metallica nachspielen sind ja derzeit recht angesagt. Nur, wie seid ihr auf die Idee eine Rammstein Coverband spielen zu lassen? Ich wusste gar nicht, dass es überhaupt eine Band gibt, die Rammstein in Form einer eigenen Band Tribut zollt.

Chris: Rammstein Cover Bands gibt es viele. Alleine in Deutschland gibt es 8, die mir gerade einfallen, europaweit sicher mehr als 20. Ich stehe irrsinnig auf die Musik von Rammstein, daher musste es natürlich eine Rammstein Tribute Band sein am Sommerfest.

Wollt ihr es für das Sommerfest beibehalten Coverbands einzuladen? Von welchen Gruppen würdest du dir noch Coverbands holen, egal, ob es davon welche gibt, oder nicht.

Chris: Ja klar wollen wir das beibehalten, ich finde das Konzept sehr gut und in der näheren Umgebung gibt es keine solche Veranstaltungen. Wir planen schon an einem Event mit einer Böhse Onkelz-Tribute Band, ich denke damit ist diese Frage wohl beantwortet ;-)

Eines der anderen zwei Festivals, die ich anfangs kurz angesprochen habe, ist das Halloween Metal Festival. Der Termin ist mit dem 27.10.07 ja bereits fix. Habt ihr auch schon Bands in Aussicht, die ihr auf uns loslassen wollt oder könnt?

Chris: Ja, alle Bands sind schon fixiert, das diesjährige Jubiläumsfest, die fünfte Auflage des Halloween Metal Festivals, wird mit einem Killer Billing aufwarten. Insgesamt acht Bands werden die ARGE zum Kochen bringen. Alle Bands dürfen wir leider noch nicht verraten, Norther, Dornenreich, Amoral, Before The Fall, Drone und Secrets of the Moon dürfen wir schon mal verkünden. Als Headliner spielen Gorefest und One Man Army and the undead Quartet.

Wahnsinn, alleine wegen Secrets oft he Moon und One Man Army ist das schon ein Pflichttermin für mich. Wie weit seid ihr eigentlich davon entfernt, mit Metallic Arts eure Brötchen zu verdienen und den "normalen" Job an den Nagel zu hängen? Würdest du sagen das könnte in absehbarer Zeit passieren oder ist noch gar nicht daran zu denken, auch wenn sich die vier Festival-Termine als jährlich machbar herausstellen würden?

Chris: Ich denke gar nicht, dass ich das möchte! Ich habe einen guten und sicheren Job als Applikationsmanager, den ich wohl nicht so schnell dafür opfern möchte.

Es ist wahrscheinlich auch besser finanziell unabhängig zu sein. Dann brauchen wir wenigstens keine Angst haben, dass es Metallic Arts nicht mehr lange geben könnte.
Vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast meine Fragen zu beantworten. Wir sehen uns ja dann auf den kommenden Veranstaltungen. Wenn jemand mehr Informationen zu den Konzerten und Festivals braucht kann sich diese auf http://www.metallic-arts.com/ holen.


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Tom

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