Kapein - Kapein hat nichts mit neuem Scheissdreck zu tun (Special, 2007)

Kapein aus Bayern gibt es bereits ein Weilchen. Wie lange, das weiss niemand so genau. Das ist allerdings nicht das einzige Geheimnis um Kapein. Auch andere Informationen zu der Truppe sind sehr spärlich gesät. Deshalb liess Schwermetall nicht locker, um wenigstens ein paar Hintergründe von Kapein zu erfahren.

Bitte stellt Eure Band vor.

Kvaahl: Wir sind Kapein.

Danke für die ausführliche Antwort. Haben die teilweise nordisch klingenden Spitznamen der Bandmitglieder einen bestimmten Hintergrund?

Torquemada: Eigentlich kann ich mit Fjölnir nur ein "nordisches" Pseudonym erkennen. Jeder innerhalb der Band fand die Bedeutung des jeweiligen Pseudonyms (oder seine eigene Interpretation davon) inspirierend und hat seinen Namen mit Bedacht und aus einem bestimmten Grund gewählt, der für Ihn persönlich eine passende Art und Weise darstellt, seinen Teil in Kapein zu verkörpern.

Aha. Dann beschreibt doch einem Aussenstehenden, wie die Musik von Kapein klingt.

Torquemada: Kapein klingt dreckig, böse und brutal. Es kommt dabei ein "altes" Feeling auf und es hat nichts mit neuem Scheissdreck zu tun. Die Gitarren und das Schlagzeug sind meist Up- oder Midtempo, manchmal schleppend. Die Vocals sind völlig rau, hasserfüllt und extrem ausgekotzt.

Kvaahl: Es geht bei den Songs nicht darum, dass sie möglichst komplexe Strukturen aufweisen oder darum, jedem zu beweisen welch technische Soli unsere Gitarristen spielen können, wie schnell der Drummer Double Bass knüppeln kann oder wie innovativ und kreativ wir sind und ob wir den Black Metal neu erfinden können. Es geht einzig und allein um die Energie, die uns mitreisst, wenn wir diese Songs spielen oder hören.

Welche Bands haben euch denn zu eurer Musik inspiriert oder gelten als eure Vorbilder?

Torquemada: Direkten Einfluss hatte auf uns in musikalischer Hinsicht kaum eine andere Band. Natürlich ist man von Alben oder Songs fasziniert und es wäre dämlich, das nicht zuzugeben. Ich denke, die Schnittmenge liegt da irgendwo zwischen Darkthrone, Mayhem, Celtic Frost und Armagedda, um eine "neuere" Band zu nennen. Für erstere gelten selbstverständlich ihre alten Werke.

Kvaahl: Wir versuchen aber nicht, wie irgendwer zu klingen, sondern die Musik zu erschaffen, die uns verkörpert. Dass man da unbewusst von anderen Bands beeinflusst wird, die bei einem selbst eine ähnliche Stimmung ausgelöst haben, ist nicht zu bestreiten.

Wie lange habt Ihr an Eurer neuen Veröffentlichung "Aeon of Rust" gearbeitet?

Kvaahl: "Gearbeitet" haben wir in der Band noch nie, aber um deine Frage zu beantworten, der rein musikalische und lyrische Teil dürfte nach etwa 4 Monaten abgeschlossen gewesen sein. Das Layout hat dann noch ein paar Wochen verschlungen. Insgesamt vermute ich, war es vielleicht ein halbes Jahr Arbeit. Es gibt aber keinen einzigen Song, der sozusagen komplett von einer Person alleine geschrieben wurde. Sollte das einmal eintreten, wäre für mich der Sinn von Kapein gestorben. Wir bringen jedes Mal wieder ein bisschen neue Inspiration mit, manchmal mehr, manchmal weniger, und jedes Mal ergibt sich ein weiteres Puzzlestück für ein neues Album.

Was für Ziele möchtet Ihr mit dem neuen Album erreichen?

Torquemada: Wir verfolgen kein konkretes Ziel mit diesem oder einem anderen Album. Wir schaffen einfach die Musik, die uns am meisten gibt. Verkaufszahlen und Fanreaktionen interessieren uns nicht, sie bestätigen lediglich guten Geschmack.

Kvaahl: Wie gesagt ist die Musik in erster Linie dazu da, uns zu verkörpern und nicht, um jedem zu gefallen. Wenn sie das trotzdem tut, soll’s uns auch recht sein. Wir bilden uns auch nicht ein, damit das Christentum bekämpfen zu können, obwohl es mir durchaus recht wäre, wenn das funktionieren würde.

Damit wären wir bei den thematischen Inhalten. Mit welchen Themen befassen sich die Songtexte auf dem neuen Album?

Kvaahl: Das ist unterschiedlich. Der rote Faden, der alle Texte durchzieht, ist mein bzw. unser Hass auf sämtliche Religionen. Da wir uns in der westlichen Welt hauptsächlich mit dem Christentum konfrontiert sehen, gehen die meisten meiner Texte auch in eine anti-christliche Richtung. Allerdings habe ich bei "I breathe fire" auch mal meiner Meinung zur so genannten Black Metal Szene ein wenig Luft gemacht. Grundsätzlich sind alle Texte nicht nur wörtlich zu verstehen, sondern haben einen metaphorischen Hintergrund.

Welches sind eure besten / schlimmsten Momente, die Ihr mit der Band zusammen verbracht habt?

Torquemada: Ich kann mich soweit nur an positive Momente erinnern. Sehr befriedigend waren die beiden, bisher exklusiven Gigs, die gut besucht und brutal waren. Die Aufnahmen zum aktuellen Album waren ebenfalls sehr intensiv.

Welches war euer grösster Gig, auf dem ihr gespielt habt?

Torquemada: Wie erwähnt haben wir bisher nur zwei Gigs gegeben, da live spielen nicht wichtig für uns ist, gelinde gesagt. Ein Konzert davon war in Regensburg, das andere in München. In Regensburg sollten so um die 200 Leute gewesen sein, in München ein paar mehr oder weniger, was weiss ich.

Kvaahl: Gross waren davon also beide Gigs nicht wirklich, darin sehe ich auch keinen Sinn. Unser Fokus liegt aber ganz klar woanders, nämlich auf der Schöpfung und Zelebrierung der Musik.

Wie verdient ihr Euren Lebensunterhalt? Könnt ihr euch vorstellen einmal von der Musik zu leben?

Torquemada: Ich bin mir nicht sicher, ob diese Frage ernst gemeint ist. Natürlich können wir nicht von der Musik leben und haben daher logischerweise normale Jobs. Manche Bandmitglieder studieren und arbeiten nebenher.

Kvaahl: Es ist ein Irrglaube, von dieser Musik leben zu können, von einer handvoll Ausnahmen einmal abgesehen. Das war auch nie ein Ziel für uns. Unsere Scheiben sind für den Underground gedacht, daraus resultieren auch die Limitierungen.

Ihr seid wie ihr erwähnt keine Live-Band. Gab es dennoch schon Komplikationen bei einem eurer beiden Gigs?

Kvaahl: Um ehrlich zu sein, lehnen wir eigentlich jedes Gig-Angebot kategorisch ab. Da müsste schon was Herausragendes kommen, dass wir uns wieder auf die Bühne stellen. Das hat bei uns einfach keine Priorität. Das soll aber nicht heissen, dass wir nie wieder live spielen werden. Wurde ein Gig verhindert, weil wir eine BM Band sind? Nun, ich denke nicht, dass wir jemals in Betracht ziehen würden, irgendwo aufzutreten, wo Black Metal nicht hingehört. An wen würde sich unsere Musik dann richten? Dafür wäre mir jede Minute zu schade, die ich an Leute verschwenden würde, die unsere Musik sowieso nicht verstehen.

Denkt Ihr, dass es schwierig ist, als Black Metal Kapelle an gute Konzert-Gigs oder Plattenverträge zu gelangen?

Kvaahl: Könnte ich nicht bestätigen. Sofern man sein Handwerk beherrscht und ein gutes kompositorisches Vermögen hat, ist das keine grosse Sache. Die meisten Bands, die keinen Vertrag haben, haben auch keinen verdient. Wenn ich mir ansehe, wie viele drecksbeschissene Bands einen Vertrag haben, könnte man sogar meinen, es wäre zu einfach. Wir haben sowohl einen Plattenvertrag, als auch genug Gig-Angebote aus halb Europa von Deutschland, Österreich, Frankreich über Polen bis Italien. An richtig lukrative Verträge zu kommen, die einiges abwerfen (wenn du das mit "gut" meinst), mag wahrscheinlich recht schwierig sein, kann ich aber nicht beurteilen, da wir das nie versucht haben und für uns sowieso keines der Major Labels in Frage kommt. Und was ich von befreundeten Bands so höre, die bei grösseren Labels unterzeichnet haben, ist es da auch nicht zwangsläufig schöner oder besser. Aber das müsste man detailliert betrachten.

Glaubt Ihr an die Existenz der Hölle? Wenn ja, wie stellt Ihr sie euch vor?

Kvaahl: Nein, keiner bei uns glaubt an die Hölle, an den Himmel, an Gott oder an Satan. Wir sind durchweg Atheisten mit einem unterschiedlich stark ausgeprägten Hass auf sämtliche Religionen. Wenn bei Kapein etwas Derartiges in den Texten vorkommt, hat es eine metaphorische Bedeutung. Und kommt mir bloss keiner mit "true BM is about satanism!" ... FUCK YOU! Dann spielen wir eben Extreme Metal, es schert mich einen Dreck wie es genannt wird!

Wie würdet Ihr die Welt verändern, wenn Ihr die nötige Macht dazu hättet?

Torquemada: Da das nie der Fall sein wird, halte ich es für Zeitverschwendung darüber nachzudenken.

Gibt es abseits des Heavy Metal (als Oberbegriff für harte Musik) etwas, was Euch musikalisch gefällt?

Torquemada: Nein. Und hier spreche ich für alle in der Band.

Wie steht Ihr zu euren Fans, sind sie euch wichtig?

Kvaahl: Ich bekomme davon nichts mit. Wir rennen ja nicht rum und binden jedem auf die Nase, dass wir bei Kapein spielen und haben auch sonst kein Gästebuch oder ähnlichen Mist (Stimmt... auf eurer Webseite hat es ganz bestimmt kein Gästebuch Anm. d. Red.). Und da wir kaum live spielen, kommen auch selten Leute zu uns und quatschen uns voll. Manchmal liest man irgendwo einen Kommentar in einem Forum oder ein Review und merkt, dass es Leute gibt, die unsere Musik verstanden haben. Ich weiss, dass es zum Beispiel in Frankreich und Italien wohl einige Leute gibt, bei denen das so ist.

Besten Dank für die Antworten und für eure Mithilfe zu diesem Dossier!!


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bisherige Kommentare:

Kommentar von Chuaghan:
Ein sehr erleuchtendes Interview, über eine Band, die den Sinn dieser Musik wirklich verstanden hat! Ich teile diese Meinung, denn die Jungs machen ihre Sache gut und spielen BM, weil es ihnen gefällt und nicht, weil sie Kohle machen wollen. Weiter so!
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Raininterror

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