Romboló - Köd (Interview, 2008)

Richtig gut gefallen hat mir "Köd", wie ihr ja auch in meiner Rezension nachlesen könnt. Es lag also nahe Bandchef Ördögvér um ein Interview zu bitten. Es war ein sehr angenehmes und interessantes Gespräch, aber lest selbst...

Dein Album erscheint auch als Kassettenversion, in einer Auflage von 300 Exemplaren. Wie wichtig war dir das? In letzter Zeit haben ja einige Bands (z.b. Abigor) limitierte Auflagen ihres aktuellen Albums auf Kassette veröffentlicht. In der "Szene" gilt das ja neben dem Vinyl als absolut "true" (Unwort!)

Auf gut Deutsch gesagt ist mir das Tape scheissegal, mein Label hat das mit Sword Productions ausgemacht. Dagegen hab ich nichts, dass meine Sachen auch in Portugal vertrieben werden, nur eben als Kassettenformat. Ich kann diesen Hype um Tapes und Vinyl nicht nachvollziehen, hab nicht mal einen Kassettenspieler zu Hause. Was soll ich dann mit sowas? CDs sind praktischer im Gebrauch und kostengünstiger herzustellen.

Ok, das war also eine labeltechnische Sache, nicht dein persönlicher Wunsch?

Ja, so kann man es sagen. Aber ich fand es an und für sich eine gute Idee, vor allem da mir Sword Productions recht sympathisch sind.

Auf deiner Internetseite werden drei "Firmen" erwähnt: Sword Productions, Division Nordwolf und Einherjer Promotions. Ein paar kurze Worte zu den jeweiligen Plattenfirmen/Vertrieben bitte...

Nun, Division Nordwolf ist das eigentliche Label, zu welchem auch Romboló seit fast einem Jahr zählt. Ist ein kleines Wiener Untergrund Label, welches nur einige wenige Black und Viking Metal Bands aus der Umgebung vertritt. Nordwolf würde ich eher als ein familiäres Label beschreiben, vor allem da ich die Betreiber inzwischen zu meinen besten Freunden zählen kann. Sword Productions ist wie gesagt dasjenige Label das die limitierten "Köd" Tapes in Portugal rausbringt. Einherjer Promotion kümmert sich um die Werbung. Erstaunlich ist, dass Sad (von Einherjer) kostenlos die Bands vertritt. Das nenne ich echten Einsatz für die Musik!

Du bist erst 21 Jahre alt, trotzdem ist die Platte sehr komplex und aufwendig. Hast du eine besondere musikalische Ausbildung genossen?

Ich wurde in eine Musikerfamilie hineingeboren, jeder spielt mehrere Instrumente, manche sind auch beruflich Musiker. So habe ich recht früh mit Klavier angefangen, nach einigen Jahren hab ich dann auf Cello gewechselt und bin schliesslich dann auf Gitarre umgestiegen, was ich mir mehr oder weniger selber beigebracht habe. Seit diesem Instrument war ich dann auch in verschiedensten Bands unterwegs und habe mit ca. 15-16 angefangen intensiv zu komponieren.

Du hast alle Instrumente selbst eingespielt. Mit welchem Instrument hattest du am meisten Probleme? Wenn es überhaupt welche gab....

Das ist so nicht ganz richtig, mein guter Freund Blitzgreek hat das Schlagzeug eingespielt. Ich habe das Schlagzeug ebenfalls komponiert und dann etwa ein halbes Jahr zuvor geschickt, damit er die Sachen üben kann. Nun, ich war dann im Studio recht überrascht als rausgekommen ist, dass er sich die Sachen "einmal" angehört hat. Auf jeden Fall floss der griechische Wein in Strömen und das mehr oder weniger improvisierte Endresultat war zufriedenstellend. Abgesehen davon waren manche Stellen der Gitarrenaufnahmen auch recht zeitaufwändig, da ich Riff für Riff lernen musste vor den Aufnahmen. Als letztes Problem kam noch hinzu, dass ich vor dem Album keine Ahnung von Aufnehmen, Mischen oder Mastern hatte und mir das Wissen noch nebenbei erarbeiten musste.

Von daher kann man mit dem Resultat doch mehr als zufrieden sein?

Ja für den ersten Gehversuch alleine bin ich recht zufrieden damit. Aber ein Musiker will sich natürlich weiterhin steigern.

Ich finde, das Schlagzeug ist doch etwas zu leise aufgenommen. Es gibt ja eine Menge komplexer Rhythmen, die nicht so ganz zur Geltung kommen...

Ja das stimmt. Aber ich muss sagen, dass wir auch nicht mit dem besten Equipement aufgenommen haben. Gemischt habe ich die Platte übrigens mit einem billigen Headset-Mikro. Dies kombiniert mit meiner nicht vorhandenen Erfahrung und inzwischen dank Heavy Metal immer schlechter werdendem Gehör könnte für den Sound verantwortlich sein.

Was würde denn "weiterkommen" für dich bedeuten? Bessere Produktion? Noch ergreifendere Stücke? Grössere Plattenfirma?

Professionelle Produktion wird für das nächste Album definitiv angestrebt. Ob die Stücke nun ergreifender werden oder nicht, bleibt dem Hörer überlassen, ich ziehe einfach mein Zeug durch, verarbeite meine Ideen. Ob es jemandem gefällt oder nicht ist eigentlich nur Beiwerk. Da ich mich Division Nordwolf sehr verbunden fühle, werde ich dabei bleiben die nächste Zeit, ausser es sollte etwas dazwischenkommen.

Warum die kleinen Zwischenteile? Intros, Outros... Mir persönlich wäre ein weiteres Stück "richtiger" Musik lieber gewesen....

Ich wollte das Album nicht von vorne bis hinten mit metallischer Musik vollstopfen. Ich bin ein grosser Freund von Abwechslung. Ausserdem war ich zu der Zeit als die Songs entstanden auch sehr von ambienter Musik begeistert. Das nächste Werk wird aber etwas kantiger und rockiger werden, kaum mehr Interludes.

In einem anderen Interview sagtest du (sinngemäss...) "Black Metal ist keine kommerzielle Musik, und nur für die richtigen Ohren bestimmt". Wer hat denn die richtigen Ohren für deine Musik?

Das ist so nicht einfach zu beantworten. Ich glaube, das jeder der sich mit der Musik eingehend beschäftigt für sich persönlich etwas entdecken kann was ihm gefällt. Das Problem dabei ist nur, das es die meisten wohl nicht ganz verstehen um was es dabei geht. Besonders die meisten selbst ernannten "Aushängeschild-Schwarzmetaller" da draussen, die meinen schwarz rumrennen und auf der Strasse gröhlen macht sie böser.

Ist der wahre "Underground" nicht eher der Künstler/die Band die sich keine Grenzen in Bezug auf die Musik setzten? Die sich nicht scheuen vor etwas Neuem? Oder versuchen IHREM Genre etwas neues hinzuzufügen?

Doch natürlich, genau so sehe ich das auch. Der "true" Black Metal an sich ist heutzutage eine vollkommene Kommerzerscheinung, aber dieser Modetrend wird auch abgelöst werden, wie es früher bei Heavy, Thrash und auch Death Metal war. Der eiserne Kern, die wahren Musiker werden aber nicht aufhören ihr Ding durchzuziehen, und genau um das geht es. Für mich stellt Black Metal immer noch eine Form von Individualismus dar, nicht eine Massenbewegung, zu der sie sich leider entwickelt hat.

Die Texte sind dreisprachig, was ja schon ein Novum darstellt. Wie kam es dazu?

Nun, ungarisch war klar, da es ja meine Muttersprache ist, und es auch nicht gerade viele ungarisch sprachige Songs im Black Metal Bereich gibt. Da ich jedoch schon seit einigen Jahren in Österreich lebe und deutsch wesentlich häufiger spreche als meine Muttersprache, wollte ich auch einige deutsche Lied verfassen. Nun, und zu guter letzt natürlich Englisch, in meinen Augen eignet es sich für Metal einfach am besten. Man ist es eben gewohnt, somit hat es sich bewährt.

Der Song "Köd" scheint mir sowas wie das Herzstück der Platte zu sein (auch von der Länge her). Er fasst meines Erachtens nach alle Aspekte der CD zusammen...

Nun, es ist auch der düsterste Song auf der Platte, der Titeltrack eben. Aber im Gegensatz zu den anderen Songs ist es nicht besonders Metal-lastig. "Köd" ist mehr ein Song, den man in einsamen, dunklen Stunden auflegen sollte.

Genau das meinte ich. Er bringt die Stimmung halt genau auf den Punkt. Findest du es wichtig ein solches "Herzstück" auf einem Album zu haben? Siehe Iron Maiden, Helloween - die hatten auf fast jedem Album ein solches überlanges "Herzstück".

Ja, es macht sich definitiv gut, solch ein zentrales Lied pro Album zu haben. Aber meist definiert der Hörer ja selbst welcher Song für ihn dies darstellt. Somit beabsichtige ich es nicht einen "Hauptsong" zu kreieren, die Hörer kreieren ihn für mich.

"Peals of Destiny" gefällt mir von den Instrumentalstücken her noch am am besten. Wird es dergleichen auf den folgenden Veröffentlichungen auch zu hören geben?

Ich beabsichtige eigentlich keine ambienten Stücke mehr aufzunehmen, höchstens vereinzelt mal. Ich tendiere momentan mehr in Richtung Rock und Metal, weniger atmosphärisches als Ambient also.

Wie sieht es an der Livefront aus? Schon Mitstreiter gefunden?

Mit Auftritten will ich mir noch mindestens ein Jahr Zeit lassen, es ist ja sehr aufwendig aus einem Soloprojekt eine live-taugliche Band zu zaubern. Bisher steht Commander Morgor vom Enemy Of God Magazin als Live-Bassist fest. Die restliche Besetzung ist noch offen, aber es dürfte kein Problem sein jene Stellen zu füllen, Musiker kenne ich zu Hauf inzwischen.

Ein kleiner Blick über den Tellerrand. Nenn uns doch bitte mal ein paar Bands/Künstler die du magst (warum auch immer), die nichts mit Metal/Rock zu tun haben.

Hahahaa, auf diese Frage warte ich schon lange. Nun jetzt habt ihr mich erwischt, ich höre viel ausser Metal. Ich mag besonders klassische Musik, Blues und auch Country, zur Zeit aber besonders 80er und 90er, wobei ich da keine Künstler nennen will, die meisten waren damals mehr so "One-Hit Wonder". Ausserdem ziehe ich mir ziemlich viele ungarische Schlager rein, ziemlich schmierige Sachen, zb. Lagzi Lajcsi oder Kaly.


Kommentar schreiben


Du musst eingeloggt sein, um einen Kommentar zu schreiben.
Bist du noch nicht registriert? Du kannst dich hier gratis registrieren.

Weiteres von Romboló

Kritik: Romboló - Köd

noch mehr...!


MP3 von Romboló

Romboló - Peaks Of Destiny

Romboló - Bustum Pontefici

Verfasser

Autor
Kritiker

Bookmark setzen

 @ to Google Bookmark  @ to bloglines  @ to newsgator  @ to digg  Bookmark @ del.icio.us  Bookmark @ Mister Wong  Bookmark @ isio.de  Bookmark @ reddit  Bookmark @ blinklist  Bookmark @ technorati  @ to blogmarks

Toolbox

Artikel Drucken Artikel Drucken
Artikel Kommentieren Kommentieren
Artikel zu Favoriten Zu Favoriten
>> Anmeldung nötig


© Schwermetall.ch