With Full Force - Festivalbericht (Livebericht, 2008)

Das With-Full-Force-Festival ist weit über die Landesgrenzen hinweg bekannt – das nicht nur wegen der bunten Mischung aus Punk über Hardcore bis hin zum Black/Death Metal und Grindcore. Dieses Jahr machten sich 2 Unerschrockene auf, der Leserschaft (insbesondere den Daheimgebliebenen und Verhinderten) einen Bericht über die nach unserer Meinung relevanten Bands abzuliefern – wenn auch etwas spät, wie ich eingestehen muss!



Los ging’s mit einer mehrstündigen Zugfahrt am Morgen des 3.Juli – Ankunft in sengender Sonne, ein zickiges Zelt, zu wenig Wasser und ein zünftiges Abendgewitter inkl. einer steifen Brise sorgten für ausgelassene Stimmung. Am nächsten Morgen, wir schreiben den 4. Juli 2008, besserte sich die Lage zusehends. Nachdem die Stände genauestens untersucht und einige Silberlinge eingeheimst wurden, stiessen wir zu Meshuggah. Ich persönlich kann den Burschen auf Platte schon nicht unbedingt viel abgewinnen und auch das WFF-Publikum ist nicht so zahlreich versammelt, wie es bei anderen Formationen der Fall ist. Vielleicht liegt am es am eigenwilligen Klang, vielleicht an dem merkwürdigen Livesound – zu den Höhepunkten zählen sie jedenfalls nicht. Den anwesenden Leuten macht es allerdings nichts aus und gehen trotz allem gut mit.

Zurück zum Zelt, kleine Stärkung und weiter zu Caliban. Alles wie erwartet: Die Metalcore- Fraktion kennt kein Halten, die beiden Schwermetaller sind jedoch eher genervt als begeistert. Jedem das Seine, ich muss diese Art Musik nicht haben. Wer allerdings drauf steht, bekommt sehr gut was geboten und wird zu seiner vollen Zufriedenheit das Schlachtfeld vor der Bühne verlassen.

Nun endlich, einer der Höhepunkte des gesamten Festivals, trotz der schandhaft kurzen Spielzeit: Die Apokalyptischen Reiter! Bekannt und geschätzt für intensive Live-Shows unter Ausschluss der Langeweile. So legen die Reiter mit neuer Gitarristin einen äusserst genialen Auftritt hin und konzentrieren sich dabei aber auf die neueren Werke und stellen auch vom neuen Rundling "Licht" etwas vor, was beim Publikum sehr gut ankommt. Viel Show, gute Musik, gehaltvolle Texte: Diese Band würde ich mir jederzeit wieder anschauen!



Nach diesen unterhaltsamen 40 Minuten kommt eine der Kultformationen schlechthin nach Roitzschjora: Morbid Angel! Zugegeben, alter, amerikanischer Todesblei ist eigentlich seltenst mein Fall und somit zähle ich auch diese Herren nicht zu meinen Favoriten. Live jedoch gefielen sie mir ziemlich gut, was nicht zuletzt am sympathischen Auftreten liegt. Wesentlich besser als (von mir für mich) erwartet!



Nun ging es zum Zelt zurück zur Vorbereitung auf DAS Ereignis für Freunde gepflegter Klänge der härteren Gangart: die Knüppelnacht. Die Veranstaltung geniesst zu Recht Kultstatus! Während wir warten, kriegen wir noch den Rest der Machine Head-Show mit – scheint sich grossen Zuspruchs zu erfreuen. Nun geht es aber los mit Rotting Christ, die mir sehr zusagten. Nicht nur musikalisch, auch das bodenständige, ehrliche Auftreten zählen zu den positiv zu wertenden Dingen.

Es folgten Brutal Truth. Da ich auch hier mal wieder keine Platten kenne, rauscht die Musik recht spurlos an mir vorbei. Wer diese Musik mag, wird aber auch hier seinen Spass gehabt haben.

Und wieder ein Höhepunkt: Mayhem sorgen bis heute und gerade dieses Jahr für äusserst zwiespältige Reaktionen bei Presse und Fans. Während viele Magazine jedoch rummosern, warum sie nicht schon wieder die 10.000e BM-Show mit gecorpsepainteten Musikern geboten kriegen, gebe ich mich glattweg als begeistert zu erkennen! Eine morbide, eigenständige Show abseits der Stangenware, die die "Ordo ad Chao" anschneidet, aber auch natürlich alte Klassiker wie "Freezing Moon" oder "Deathcrush" bietet. Egal, über was die anderen heulen mögen, ich fand’s genial und einprägender als einen ganzen Haufen anderer Konzerte zusammen.



Krisiun hingegen boten Kontrastprogramm: Geballer ohne Ende! Ihr technischer Todesstahl erstickte jeden Widerstand im Keim und machte keine Gefangenen. Der mattenschwingenden Meute blies man auch den Neuling "Southern Storm" um die Ohren, was natürlich auch keine grossen Überraschungen bot. Wo Krisiun draufsteht, ist auch Krisiun drinnen. Mehr muss man zu diesem sehr guten Auftritt wohl nicht sagen!

Belphegor waren wie erwartet: Dem grössten Teil gefällt’s, ich kann mit dieser Band jedoch rein gar nichts anfangen. Dies hat sich auch nicht mit diesem Auftritt geändert, sei’s drum: Die Masse wurde gut unterhalten. Ich ging jedoch vorerst auf Nahrungssuche, um pünktlich zu 1349 wieder dort zu sein.

Die Norweger sah ich bereits letztes Jahr auf dem Wacken, auch zu einer absolut unchristlichen (Achtung, Wortwitz!) Zeit. Um 5 Uhr morgens ist man auch auf dem WFF 2008 nicht wesentlich besser bedient, trotzdem befinde ich mich in besserer Verfassung. Egal, der Auftritt war um Welten besser! Ein besonderer Fokus wurde auf keine Platte speziell gelegt. Auf jeden Fall gab man die alten Gassenhauer "Riders oft he Apocalypse" und "Satanic Propaganda". Draussen ist es mittlerweile hell und wir gönnten fürstliche 2- 3 Stunden Schlaf, um äusserst frisch in den nächsten Konzerttag zu starten.



Der Samstag begann dann recht spassig mit A.O.K., die natürlich für eine Menge Unterhaltung sorgten. Ihren Status als sehr gute Liveband konnte die Truppe freilich festigen – ideal für jedes Festival!

Und ein weiterer Gang über die Stände – schon war es Zeit für Entombed. Die Urgesteine schwedischen Todesbleis spielten eine wirklich solide Show. Diese Art Musik mag ich ohnehin (richtig dosiert) ganz gerne und somit gefiel mir auch das Konzert sehr gut und wird mir auch in positiver Erinnerung bleiben!

Nun gaben sich anschliessend Devildriver die Ehre. Metalcore – siehe Caliban. Schon während des ersten Titels verzogen wir uns wieder Richtung Zelt. Übrigens hatten sie den weitaus peinlichsten Roadie, den wir auf Festivals und Konzerten aller Art gesehen haben.

Heaven Shall Burn wurden verpasst, laut Zeugenaussagen soll das Konzert jedoch Anklang gefunden haben – wir waren zu Six Feet Under wieder zur Stelle. Ich finde die Jungens auf Platte schon äusserst unspektakulär und auch live hat mich nix umgehauen. Defintiver Höhepunkt: Das "TNT"-Cover als Rausschmeisser.

Zeit für eine Band, bei der ich es bedauere, sie nur einmal erleben zu können: Ministry! Meine Güte, was eine Energie, was ein Herzblut... Hier hat vom Sound über Bühnenshow bis hin zur Titelauswahl einfach alles gestimmt. Wahnsinnig genial und leider der letzte Deutschlandauftritt, wenn ich mich nicht irre. Da ja aber Reunions ohnehin immer im Trend liegen, sollte man die Hoffnung nicht aufgeben, hier nochmal in den Genuss zu kommen.



Die Nachfolger waren wie auch letztes Jahr auf dem Wacken furios: für eine Stunde und 15 Minuten war Silvester in Roitzschjora, denn In Flames gaben sich die Ehre. Logischerweise spielte man auch neues Material, was mir persönlich jetzt nicht so zu sagte, aber eben auch Titel aus Tagen Mitte und Ende der 90er. Ganz wichtig: Es kamen "A Quiet Place" und der Schlusspunkt "My Sweet Shadow" inkl. minutenlangem Feuerwerk weit übers Konzertende hinaus. Drei Worte: Genial, genial, genial!

Wir hätten nun noch Danko Jones, Psychopunch und Konsorten schauen können, doch war man einerseits geschafft und andererseits wollte sich nach einem Erlebnis wie In Flames keine rechte Lust auf diese Art Musik einstellen.

Und so endete auch schon unser Trip nach Sachsen: Dank der äusserst günstigen Bahnpreise mussten wir aus Geldgründen am Sonntag die Heimreise antreten. Trotz allem fand ich das Festival sehr gelungen, Preise waren im Vergleich zu Festivals dieser Grössenordnung sehr human und auch der Sound ging meistens voll in Ordnung. Das Wetter spielte auch mit, die Stimmung war gut – was will man mehr? Wenn das Organisationsteam so weitermacht, wird das Festival auch noch lange Bestand haben. Und zu guter Letzt sollte die sehr nette Security nicht unerwähnt bleiben, was man ja sonst auf solchen Veranstaltungen gar nicht hat!

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Bombenhagel

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