Halloween Metal-Festival - Henndorf / Wallerseehalle (Livebericht, 2008)

Das Halloween Metal-Festival fand heuer zum ersten Mal in der Wallerseehalle in Henndorf statt. Meinetwegen können Metallic-Arts jetzt alle ihre Veranstaltungen dort machen. Die Location ist gross genug, die Akustik ist mehr als ordentlich, Parkplätze sind sehr viele vorhanden und ich habe auch nicht so weit zu fahren wie früher.

Aber auch Negatives fällt mir ein, wenn ich an den Veranstaltungsort denke. Es ist eine grosse Halle und ein breiter Gang parallel dazu, an dem sich die Merchandise-Stände befinden. Man kann nirgends der Musik entfliehen, sich hinsetzen und mit Freunden plaudern, wenn man eine Band nicht mag. Man kann höchstens raus gehen, was auch sehr viele getan haben. Sogar bei den Apokalyptischen Reitern waren viele Leute vor dem Gebäude, obwohl es auch in der Halle ziemlich voll war.

Auch bei Honigdieb, die bei meinem Eintreffen schon gespielt haben, war die Örtlichkeit schon ganz gut gefüllt. Soulful und Marionette habe ich leider vollkommen übersehen. Aber für eine Veranstaltung ohne Sitzplätze gab es immer noch genügend Zeit, um sich die Beine nach einem langen Arbeitstag in den Bauch zu stehen.

Honigdieb waren ungefähr so, wie ich sie mir vorgestellt habe. Komplett verrückt. Der Sänger hüllte sich in einen weissen Pelzmantel und das Stage-Acting war genauso verrückt wie sein Gesang, oder besser gesagt, Geschrei. Naja, er hat schon auch gesungen und das oft sogar ganz gut, aber dazwischen kamen immer wieder Schreie, als gäbe es kein Morgen. Die Musik selbst könnte man als Humptata-Bierzelt-Disco-Metal bezeichnen, wobei der Metal-Anteil verschwindend gering war. Eine schräge Vorstellung zu einer noch schrägeren Musik. Sie wurden aber trotzdem ganz gut aufgenommen, wenn auch von den meisten eher zur Belustigung.

Hackneyed machten danach einen auf Ernst. Der heftige Death Metal fegte gerade so über die Köpfe hinweg und es ging in den Räumlichkeiten ordentlich zur Sache. Es waren deutlich mehr Leute im Inneren der Hallen und diese gingen auch richtig mit. Kein Wunder, bei den fetten Riffs in Überschallgeschwindigkeit. Hier kamen zum ersten Mal der verdammt gute Sound der Anlage und die gute Akustik, was scheinbar an den Platten an den Wänden lag, zur Geltung.
Kaum zu glauben ist dabei, dass es die Band gerade einmal seit einem Jahr gibt, diese Mitte 2007 ihren ersten Auftritt hatte und jetzt bei Nuclear Blast unter Vertrag steht. Aber auch, wenn sie noch sehr jung sind, werken sie auf der Bühne schon wie die ganz Grossen.

Als ich die ersten Gitarrenläufe von Final Prayer hörte, freute ich mich auf noch so einen fetten Auftritt. Leider entpuppte sich die Band nur allzu schnell als Rumhüpf-Hardcore Metal. Trotzdem haben sie ihre Sache gut gemacht. Es ging auf der Bühne ebenso ab wie vor der Bühne. Zumindest die ersten paar Songs lange haben sich die Jungs die Seele aus dem Leib gesprungen. Dazwischen mussten sie wohl ein wenig rasten, denn da fand etwas weniger Bewegung statt. Das hat aber die Zuhörer auch nicht davon abgehalten den Moshpit weiter wie einen Kriegsschauplatz wirken zu lassen. Wer lieber nicht mit blauen Flecken nach Hause kommen wollte, der hielt sich davon besser fern. Auf jeden Fall war die Stimmung klasse, ich für meinen Teil hätte aber auf die Jungs genauso verzichten können wie auf Honigdieb.

Cataract waren da schon besser. Aber von früheren Konzerten her wusste ich ja schon, dass auch die Schweizer nicht unbedingt meine Geschmacksrichtung sind. Sie wirkten wie die Final Prayer Version für Erwachsene. Beatlastiger mit anspruchsvolleren Riffs und wieder mehr zum bangen als zum springen. Auf der Bühne machen sie sowieso keinem etwas vor, immerhin hatten sie schon genügend Auftritte um sich dort auch wirklich wohl zu fühlen und den Leuten einen anständigen Auftritt zu liefern. Lediglich das Tragen der Schirmmützen auf den Brettern ist etwas, das mich optisch einfach stört. Warum macht man so etwas? Ist es da oben nicht schon heiss genug? Aber sonst wirkten sie sehr professionell.

Dann war aber erst einmal Schluss mit den immer fetter und steriler werdenden Klängen. Belphegor enterten nach längerer Umbaupause die Stage. Und auch, wenn ihr hoher und extrem verzerrter Gitarrensound in der Vergangenheit schon so manchen Auftritt zur Quälerei für die Ohren machte, in der Wallerseehalle hätte es genauso gut von einer CD kommen können. Zur Abwechslung hörte man wirklich jedes Riff ordentlich heraus und machte das Konzert zumindest von den Saiteninstrumenten her zu einem Genuss. Leider aber kamen die Drums etwas dünn daher, was doch komisch war, immerhin wurden diese von der CD eingespielt. Man stellte schon diverse Spekulationen an, warum der Schlagzeuger fehlen würde. Helmuth sagte zwischendurch etwas von "Fuck off, unser Drummer hat heute Geburtstag", also dürfte auch zu ihm manches davon durch gedrungen sein. Zu späterer Stunde hat er aber den wahren Grund für das Fehlen des Felledreschers bekannt gegeben. Dieser hat sich demnach vor kurzem den Zeh gebrochen. Und trotzdem legten sie einen spitzen Auftritt hin und mussten nur hin und wieder mit Problemen kämpfen.
Zum ersten mal an dem Abend fiel mir der helle Scheinwerfer über der Bar auf, der die Atmosphäre deutlich störte und für ein paar Lieder hatten sie es auch durchgebracht, dass dieser abgedreht wurde. Da merkte man erst wie stark dieses verfickte Licht das Konzertfeeling zu Nichte machte. Leider drehten sie es nach nur wenigen Stücken wieder auf und hin und wieder haben sogar irgendwelche Idioten an dem Lichtschalter gelehnt und einfach nicht gecheckt, dass sie dabei immer wieder einmal das Licht in der Halle einschalteten.
Bis auf die kleinen Mängel war der Auftritt aber echt der Hammer. Diese Mal habe ich nicht, wie am Summer-Nights, betrunken im Moshpit gestanden und die Haare durch die Gegend geworfen, sondern hinten gestanden und nüchtern alles mitverfolgt und ich kann nur sagen, beides hat bei Belphegor seinen Reiz. Die Jungs sind einfach schon dermassen gut auf ihren Instrumenten, dass es nur so eine Freude ist, ihnen zuzusehen. Die Banger waren aber trotzdem zahlreich anwesend, was nach den Belphegor-Rufen schon lange vor ihrem Auftritt und der extremen Euphorie, als sie endlich loslegten, auch keinen verwunderte. Selten wird ein lokaler Held auf diese Art gefeiert. Meistens zählt ein Musiker im eigenen Land viel weniger als im Ausland, aber diese Extrem-Metaler machen da eine Ausnahme. So wurden die alten, so wie auch die neuen Lieder, gebührend gefeiert, wobei ich sagen muss, dass gerade die neuen Stücke live verdammt gut ankommen, weil sie etwas mehr Abwechslung zu bieten haben. Leider wurde "Sexdictator Lucifer" wieder nicht gespielt.

Nach der nächsten längeren Umbaupause, die hinter einem verschlossenen Vorhang stattfand, kamen endlich die Apokalyptischen Reiter und für mich und meine Füsse war da schon klar, dass das die letzte Band für diesen Abend war. Mustasch sollten zwar danach noch kommen, aber wenn man am nächsten Tag wieder um sieben Uhr arbeiten muss, dann fährt man halt lieber gegen Mitternacht heim.
Eines finde ich erstaunlich. Egal wie klein die Bühne auch ist, die Schaukel von Dr. Pest ist immer mit dabei. Aber so wird ihm wenigstens nicht langweilig, wenn einmal kein Keyboard vorkommt, was eigentlich erstaunlich oft der Fall ist. Wer meinen Bericht vom Summer-Nights Open Air gelesen hat, kann sich vielleicht noch erinnern, dass ich damals einen ziemlichen Hass auf den Mischer hatte, weil er bei "Gone" und "The March of Revenge" das zweite Mikro viel zu leise gedreht hatte, was die Songs kaputt machte. In der Wallerseehalle war aber nicht nur der gesamte Sound um Welten besser als am Sommerfest, sondern auch der zweite Sänger war ordentlich zu hören. Somit war für mich der Auftritt schon gerettet. Mit Songs wie "Es wird schlimmer" vom neuen Album "Licht", waren auch noch andere geile Stücke vertreten, allerdings wurde von der neuen Scheibe viel zu viel gespielt. "Adrenalin" peppte man für die Zuschauer passender Weise mit einer Wall of Death auf und "Nach der Ebbe" ist ein recht schön fettes Lied im Stile von Rammsteins "Seemann", wobei die Reiter die Intensität des Rammstein-Songs leider nicht erreichen.
So geil der Auftritt auch war, immerhin sind die Jungs und auch "Lady Cat-Man" an der der Gitarre, schon professionell genug um eine ordentliche Show zu liefern, insgesamt war mir die Auswahl der Lieder zu einschläfernd. Aber dass ich ein Fan der alten Sachen bin ist ja kein Geheimnis. Ich habe mir das Konzert auf jeden Fall nicht bis zum bitteren Ende angesehen, sondern verschwand bevor der grosse Ansturm von Heimreisenden los ging. Beim wegfahren musste man nur aufpassen die Alkoholleichen nicht zu überfahren. Nach dem Ausweis wird dort vor dem Alkohol-Ausschank scheinbar nicht gefragt.

Zum Abschluss sei noch gesagt, die Bosna war echt scheisse. Das Weckerl so zäh, dass man sich die Zähne fast ausbiss, kurzes Auftoasten würde da Abhilfe schaffen, die Wurst war ganz gut, die Sauce dafür sodbrennenfördernd. Ketchup hätte der Sache ganz gut getan. Das gehört ja normalerweise sowieso rein.

Ansonsten war es aber eine geile Veranstaltung, auf der nur zu wenig für meinen Musik-Geschmack war.

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Tom

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