Deny The Urge - Anspruchsvoller Death Metal aus Braunschweig (Interview, 2009)

Mit Verspätung folgt nun mein Interview mit Deny The Urge aus Braunschweig. Die Band hat mich mit ihrem zweiten Album "Blackbox Of Human Sorrow" wirklich aus den Socken gehauen. Bandkopf Henrik Osterloh stand mir um die Jahreswende für ein Interview zur Verfügung...

Erzähl doch bitte ein wenig über "Deny The Urge". Deine Band sollte den wenigsten unserer Leser bekannt sein...

D.T.U. ist eine, seit nunmehr schon zehn Jahren existierende Death Metal Formation. Von der damaligen Besetzung ist aber nur noch unser Schlagzeuger Kai übrig geblieben. Unser Bassist Sven stiess 1999, ich selbst 2000 dazu. 2001 übernahm ich das alleinige Songwriting. Dieses Konzept bewährte sich in den darauf folgenden Jahren für D.T.U, und wird bis Heute von jedem Bandmitglied bereitwillig mitgetragen. So durchliefen wir einige Besetzungswechsel, spielten jede Menge Live und nahmen ein Demo ("In Consequence", 2002), und unser Debüt ("Subsequent Confrontation", 2004) auf. Zwischen diesen beiden Veröffentlichungen holten wir uns Headshot Klampfer Olaf (www.headshot-inc.de) mit an Bord. Durch sein brilliantes Solospiel verhalf er dem Sound der Band fortan zu noch mehr Farbe und Facettenreichtum. Nachdem Sänger Jens Anfang 2005 aus gesundheitlichen Gründen das Handtuch werfen musste, kam das Besetzungskarussell endlich zum stehen. Mit stabilem Line Up gingen dann noch mal fast drei Jahre harter Band- und Instrumentalarbeit ins Land, bis wir im Herbst 2007 "Blackbox Of Human Sorrow" einspielten. Die derzeitige Besetzung besteht aus: Henrik Osterloh - Gitarre/Gesang Olaf Danneberg - Gitarre Sven Notdurft Bass Kai Ludwig - Schlagzeug

Ihr habt als "Undergroundband" ein absolutes Hammeralbum eingespielt, dass sich selbst vor der internationalen Konkurrenz nicht zu verstecken braucht. Wie ist es dazu gekommen?

Ganz einfach: Ich habe dieses Album - bis auf Olaf's Soli und einige Drumfills - im Alleingang geschrieben, dann die Noten verteilt... Wir haben es so lange eingeübt bis es einigermassen sicher war, und dann aufgenommen. Vorraussetzung für solch eine Arbeitsweise ist natürlich dass ich genau weiss, was ich meinen Mitmusikern (inklusive mir selbst am Instrument) zumuten kann. Im Umkehrschluss rauszufinden wo unsere Grenzen liegen. Durch eine schon über viele Jahre andauernde, gewissenhafte Auseinandersetzung eines jeden von uns mit dem eigenen Instrument, war es dann im Herbst 2007 möglich diese Grenzen (im Vergleich zu unserem Debüt) signifikant nach oben zu verschieben. Damit ist eigentlich alles gesagt, was es dazu zu sagen gibt. Trotzdem vielen Dank für deine Blumen!

Eure Texte sind sozialkritisch angehaucht, was mir persönlich sehr gut gefällt. Steckt ein gewisses Konzept hinter "Backbox Of Human Sorrow"?

Die Blackbox Texte behandeln in erster Linie soziologische-, und psychologische Themen. Dabei kann ich, wie in "Isolation" zum Beispiel, ohne grosse sprachliche Umwege den Leidensweg eines Individuums beschreiben, oder aber auch wie in "Open The Gates", mich, codiert in pompöser Fantasy-Metaphorik, über die Metal Szene lustig machen. Auch autobiografisches wie "The Mask Itself" wird auf der Scheibe geboten. Die beiden Ausnahmen stellen "Material God" und "All Of Your Creation" dar, die ganz klar dem religiösen/metaphysischen Spektrum zuzuordnen sind. Ein Konzeptalbum als solches, in dem alle Songs einer übergeordneten Thematik unterstehen, ist Blackbox aber nicht.

Im Promozettel war zu lesen, dass die Arbeit am neuen Album vier Jahre gedauert hat. Das hört man auch zu jeder Zeit, ist aber doch eine verdammt lange Zeit. Was hat euch so lange aufgehalten?

Da wir alle natürlich nicht von D.T.U. leben können und zum Broterwerb anderen Tätigkeiten nachgehen müssen, können wir auch nicht 100 Prozent unserer Zeit in die Band investieren. Ferner ist uns 2003, nach den Aufnahmen zu "Subsequent", bewusst geworden, das für uns nun erstmal das Aufarbeiten gewisser instrumental-technischer -, sowie musikalischer Defizite im Vordergrund stehen sollte. Da gehen dann schon mal schnell ein paar Jahre ins Land, bis man Besagtes soweit aufgearbeitet hat, das man sich imstande fühlt ein neues Output zu tätigen. Schliesslich wollten wir ja 2008 "Blackbox Of Human Sorrow", und nicht "Subsequent Confrontation Vol 2" veröffentlichen. Die meisten Songs auf dem Album sind aber trotzdem erst 2006/2007 entstanden. Von daher ist die Aussage, dass die Arbeit daran vier Jahre in Anspruch genommen hat, nicht wirklich korrekt. So habe ich das ganz sicher auch nie irgendwo gesagt oder in unserer aktuellen Bandbiografie geschrieben. Ich kenne auch keinen Promozettel der derartiges behauptet.

Ihr scheint mir besonderen Wert auf die Gitarrenarbeit gelegt zu haben, welche meiner Meinung nach das hervorstechenste Merkmal auf Blackox Of Human Sorrow ist. Die Melodien lassen auf eine Vorliebe zu den "alten" melodischen Heavy Metal Bands schliessen...

Ich habe 1988, als Elfjähriger, meine erste Heavy Metal Sendung im Radio aufgenommen. Meine absoluten Faves waren damals Helloween und Iron Maiden. Als meine Mutter davon Wind bekam, zeigte sie mir das Deep Purple und Thin Lizzy sowas im Prinzip schon Anfang der Siebziger gemacht haben. So bin ich dann über den Seventies-Hardrock irgendwann mit Black Sabbath in Berührung gekommen, habe darüber den Doom- und über diesen dann schliesslich den Death Metal kennen gelernt. Meine Roots kommen aber, wie Du ja schon selbst bemerkt hast, immer noch durch. Ferner ist unser anderer Gitarrist Olaf, mit seinen 70'er/80'er Heavy-Rock Soli, auch noch zu einem nicht unerheblichen Prozentsatz mit dafür verantwortlich, das Blackbox ganz klar für eine Ära der Musikgeschichte steht, in der Melodie-Riffing an der Gitarre noch gross geschrieben wurde.

Auch Produktionstechnisch läuft auf der aktuellen Scheibe alles rund. Wo habt ihr die CD aufgenommen? Und mit wem ?

Die CD ist im Puresonic Studio in Langelsheim am Harz (www.puresonic.de) von Jost Schlüter aufgenommen worden. Wir haben bis dato alle unsere Releases dort aufgenommen. Jost selbst ist ein begnadeter Rock Gitarrist und sehr kreativer Kopf. Es ist bewundernswert wie er es hinbekommt, Metal Platten zwar auf der einen Seite komprimiert und druckvoll-, auf der anderen- aber trotzdem offen und natürlich klingen zu lassen. Ich kann dieses Studio jedem ehrlich ambitionierten Musiker nur wärmstens weiterempfehlen.

Ist eine solch hervorragende Aufnahmequalität nicht eine verdammt teure Sache? Oder doch eher das Ergebnis harter und gewissenhafter Arbeit?

Es ist beides. Wenn man Blackbox mit den meisten grösseren Metal Releases derzeit vergleicht, dürfte als erstes auffallen, dass wir nicht dem derzeitigen Szene-Tenor folgend, die Drums vom Rechner haben geraderücken lassen. Was du da knüppeln hörst ist 100 Prozent Mensch. Hingesetzt, eingeprügelt, fertig. Okay, wenn sich der Schlagzeuger verzockt hatte, durfte er natürlich nochmal. Aber das war es dann auch schon. Auf dieses natürliche Fundament haben wir Gitarren, Bass und Vocals gebracht. Selbstverständlich konnten wir auch dort schwierige Passagen solange versuchen , bis sie denn eben klappten. Das ist nunmal der Unterschied zwischen Live und Studio. Wenn ich auf der Bühne beim Solo abrutsche, habe ich es halt verhaun, und das Konzert geht weiter. Im Studio kann ich's solange versuchen, bisses geil is. Alles so gut wie möglich einzuspielen ist aber nur eine Seite der Medallie. Auf der anderen steht der Part des Tontechnikers, dessen Aufgabe es ist alles so optimal wie möglich auf Tonspur zu bannen, und die einzelnen Instrumente so im Stereobild zu platzieren, dass sie auch ihre volle Wirkung entfalten können. Das erfordert erstmal ein grundlegendes klangphysikalisches Verständnis, jahrelange Erfahrung und solides Equipment. Selbstverständlich hat das auch alles seinen Preis..., den wir übrigens gern gezahlt haben, denn schliesslich lebt der gute Mann von seiner Proffession.

Ihr habt mit GUC (German Underground Crossection) ein renommiertes und in der Szene wohl bekanntes Label im Rücken. Wie ist es zu der Zusammenarbeit gekommen?

Als Silke von G.U.C. uns im Sommer 2003 auf dem Trash Till Death Festival sah, gefiel ihr unsere Musik derart gut, dass sie uns prompt einen Vertrag anbot.

Über Label und Vertrieb kann ich nur Gutes berichten. Sie leisten saubere Arbeit und halten sich komplett aus bandinternen Angelegenheiten raus. Die im Buizz weit verbreiteten Praktiken wie z.B. das Einfordern der Songrechte, der vertragliche Zwang zu mehreren zeitlich determinierten Releases, oder eine absolut nur zu Gunsten des Labels verschobene Umsatzbeteiligung, sind bei G.U.C. völlig unbekannt. Wir haben alle Freiheiten der Welt, und werden fair an den Erlösen beteiligt. Dafür verfügen G.U.C. im Vergleich zu den grösseren Hausnummern natürlich auch nur über ein begrenztes Budget. Um uns auf breiter Ebene in Szene zu setzen, fehlt ihnen schlicht und einfach die Kohle. Nur haben weder G.U.C., noch wir derartige Pläne, denn wir sind mit unserem Undergrounddasein absolut zufrieden. Nicht aber das wir uns an dieser Stelle falsch verstehen; sollten wir unseren Bekanntheitsgrad durch die Tätigung eines exzellenten Outputs massiv zu erhöhen wissen, wäre ich der letzte der damit ein Problem hätte. Nur aber plötzlich in der ersten Klasse mitfahren zu dürfen, weil einem ein dicker Onkel die Eintrittskarten dafür bezahlt hat, stünde entgegen sämtlichen Prinzipien unseres bisherigen Werdegangs. Zum Musikmagazin kann ich leider gar nix sagen, habbich nämlich noch nie gelesen. (Lieber Rüdiger, liebe Silke, sollten euch diese Zeilen jemals unter die Augen geraten..., dann Asche auf mein Haupt! Ich werde meinen nächsten Urlaub mit einem Stapel G.U.C. und 'ner Palette Kaffee auffer Veranda verbringen)

Wie waren/sind bisher die Reaktionen auf "Blackbox Of Human Sorrow"?

Fast ausnahmslos gut, sehr gut bis hin zu ausgezeichnet. Das einzige was tendenziell eher schlecht ankommt ist das Frontcover. Zweimal hab ich auch schon gelesen, dass wir zwar alle ganz toll spielen könnten, unsere Songs aber kein eigenes Gesicht hätten. Wer's meint, bitte.

Hat aufgrund der letzten, bärenstarken CD schon ein "grosses" Label an euch Interesse bekundet?

Nein, und wenn eines Interesse hat, sollte es sich vorher die Antwort von Frage 9 genauestens durchlesen.

Wann können wir mit neuem Material rechnen?

Wenn's fertig ist.

Das neue Jahr steht kurz bevor. Was waren in diesem Jahr deiner Meinung nach die "Metal Highlights"?

Ich hatte nach über zehn Jahren endlich mal wieder die Gelegenheit Morbid Angel mit David Vincent live erleben zu dürfen. Bis auf zwei neue Songs konnt ich alles mitsingen, hab die Drumfills inner Luft mitgespielt und mich gefreut wie 'n kleines Kind. Obituary auf 'm Party San zu sehen war auch ein sehr tolles Erlebnis. Zwar war der Gig viel zu kurz und ich kannt auch nich alles auswendig, aber zu sehen und hören wie die Florida-Oldies ihre Kakke super souverän und ultrafett rüberbringen, hat einfach nur Bock gemacht. Mein Überraschungshighlight waren, ebenfalls aufm Party San, Hail Of Bullets. Ich hab Ed Warby zwar schon auffer False bewundert, ihm aber mit nochmal fünfzehn Jahren mehr Spielerfahrung auf 'm Buckel, live lauschen zu dürfen, war ein perfekter ästhetischer Orgasmus. Irgendwelche Studio-Releases habbich dies Jahr nich verfolgt.

Was versprichst du dir von 2009?

Dass wieder viele interessante neue Dinge passieren.


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