Speednecromancer: Bassistin - Den Respekt, den man verdient (Special, 2011)

Italien gilt als Land der Machos und man stellt sich vor, dass in solch einem konservativen Land, es die Frauen im Metal doch etwas schwieriger haben. Speednecromancer sorgt sich aber wenig um solche Klischees und wenn man sie inmitten ihrer männlichen Bandkollegen von Baphomet’s Blood auf der Bühne sieht, dann merkt man, dass ihr Geschlecht (zumindest für sie) keine Rolle spielt. Ein kleiner Tipp am Rande: Die Songs der Speed/Thrash Metaller von Baphomet’s Blood machen Laune und können jedem Motörhead-Anhänger wärmstens empfohlen werden.

Speednecromancer

Welchen Stellenwert hat Metal in deinem Leben?

Speednecromancer: Metal ist einer der wichtigsten Sachen in meinem Leben. Er ist nicht nur Musik, er ist eine Art Lebensstil, ich habe ihn immer in meinem Kopf, von da an, wenn ich am Morgen aufstehe und dann den ganzen Tag lang.

Was drückt Metal für dich aus?

Speednecromancer: Metal steht für Leidenschaft. Ich denke, dass wenn du eine richtige Leidenschaft für Musik hast, dann kannst du nicht ohne sie leben. Ich brauche all mein Geld und meine ganze Freizeit dafür; ich höre, kaufe und sammle Aufnahmen, versuche neue Bands zu entdecken, gehe an Konzerte und spiele mit meiner Band.

Wie ist dein Werdegang als Musikerin?

Speednecromancer: Es hat als ziemliche Herausforderung angefangen; vor einigen Jahren hatte ich die Gelegenheit, einer Black Metal Band namens Goatized beizutreten. Ich hatte nie Musik-Unterricht und ich fing im Selbststudium an. Es war für mich so aufregend, darum habe ich es ausprobiert und am Anfang war es auch nur zum Spass. Ich hatte ja gar keine Vorstellung davon, was mich erwarten würde...

Wie bist du zum Metal gekommen?

Speednecromancer: Ich habe in den 90ern angefangen Rock-Musik zu hören, als ich von meinem Vater ein paar klassische Rock-Alben bekommen habe. Er ist ein grosser Vinyl Sammler und er hat mir Sachen von den Rolling Stones, Black Sabbath, Led Zeppelin und den Doors geschenkt. Dann als ich 15 Jahre alt war, kam ich zum Metal als ich Kassetten getauscht habe. Ich begann Heavy, Thrash und Death Metal zu hören, was ein grosser Teil meines Lebens wurde.

Ist es dir wichtig, dass du nicht nur Konsument bis, sondern auch aktiv in der Szene "tätig" bist?

Speednecromancer: Ja, es ist wichtig, "Teil von dem Ganzen" zu sein; es ist, wie wenn du die Kraft hast, etwas im Untergrund zu ändern. Ich bin stolz, meinen kleinen Beitrag zu leisten.

Metal ist männlich – würdest du dieser Aussage zustimmen?

Speednecromancer: Nun, ich sage das nicht gerne, aber ich denke, dass ich dieser Aussage zustimmen muss. Leider spricht die Geschichte des Rock und des Metal für sich selbst; es gab immer grossartige weibliche Musikerinnen und diese hatten nicht den Erfolg, den sie verdienten. Auf der anderen Seite haben die weiblichen Rock- und Metal-Fans den Ruf, nur aufs Aussehen und auf die Mode fixiert zu sein. Ich muss zugeben, dass ich diese weibliche Hysterie wegen jedem langhaarigem Musiker immer schon ziemlich lächerlich fand. So albern...

Speednecromancer

Wie ist selbst dein Bild von Frauen im Metal?

Speednecromancer: Frauen im Metal sind ziemlich gleich wie die Männer, aber damit meine ich die "richtigen", die Musikerinnen und diejenigen, die mit Leidenschaft dabei sind. Nicht die falschen Mode-Weiber, die nur Frontfrau in einer Band sind, um viele Platten zu verkaufen. Meiner Meinung nach ist Girlschool das beste Beispiel von einer grossartigen weiblichen Rock/Metal Band.

Es gibt einige Metal-Bands mit sexistischen Songtexten, die manchmal sogar frauenverachtend sind. Was denkst du, woher das kommt?

Speednecromancer: Ich denke, die Gründe hierfür sind, wie ich es vorhin schon gesagt habe, dass die Metal-Welt heutzutage in den meisten Fällen von Männern gemacht ist und von Frauen, die diese Männer anbeten – und die sind offensichtlich darüber erfreut. Die Musiker haben manchmal etwas Spass mit diesen lächerlichen Klischee-Frauen, die bereit sind alles für sie zu tun. Diese Sachen bringen mich zum lachen und ich persönlich fühle mich deswegen nicht verletzt.

Fühltest du dich innerhalb der Metal-Szene schon einmal nicht ernst genommen oder nicht akzeptiert aufgrund deines Geschlechts?

Speednecromancer: Ja, das passiert. In den Anfängen einer Band werden die weiblichen Musikerinnen nicht ernst genommen, speziell die jungen Frauen. Mir ist das egal, die einzige Sache, die ich zu beweisen habe, ist, dass es mir Spass macht, mit meiner Band zu spielen. Wenn du wirkliche Leidenschaft dafür hast, kriegst du auch den Respekt, den du verdienst.

Wie wirst du speziell als Musiker im Metal beurteilt? Merkst du, dass man aufgrund des Geschlechts einen Unterschied macht und dass viele Klischees vorhanden sind?

Speednecromancer: Klar! Aber ich weiss natürlich, dass ich als Musikerin immer noch so viel lernen muss. Ich denke aber nicht über die Klischees nach, ich habe mir wohl noch nie darüber Sorgen gemacht. Ich weiss, wer ich bin und was ich brauche, um besser zu werden.

Was denkst du, warum gibt es eigentlich viel mehr Männer als Frauen im Metal?

Speednecromancer: Es ist wahr, es gibt mehr Männer als Frauen, aber ich weiss nicht, warum die traditionelle Rock- und Metal-Szene mit fast nur Männern anfing. Dann kamen zwar die Frauen, aber sie sind immer noch in der Minderheit.
Es gab seit den 80ern immer schon grossartige weibliche Musikerinnen und es gibt sie heutzutage immer noch. Gute Musik ist gute Musik, unabhängig vom Geschlecht. Ich muss dazu sagen, dass ich all diese Symphonic/Gothic Metal scheiss Bands mit weiblichem Gesang und modischem Auftreten nicht als Metal betrachte. Wenn dies die "Frauen im Metal" sind, dann ziehe ich es vor, die Mentors zu hören, mit ihren frauenverachtenden und sexistischen Songtexten (lacht).

Speednecromancer

Es heisst ja, dass Frauen im Metal sich oft bewusst männlich geben, um besser akzeptiert zu werden. Hast du niemals das Gefühl, etwas von deiner Weiblichkeit zu unterdrücken?

Speednecromancer: Nein, das denke ich nicht. Ich bin immer mich selbst und ich denke, dass es viele Frauen gibt, die ihre Weiblichkeit ausdrücken, während sie ein Teil einer Extreme/Death/Black Metal-Band sind.

Inwiefern unterscheiden sich Metal-Frauen von solchen, die nicht diese Musik hören?

Speednecromancer: Ich denke nicht, dass es da einen Unterschied wegen der Musik gibt. Die Unterschiede liegen im Charakter und in der Lust auf Rebellion, Wut und in der Entschlossenheit, die einem dazu bringt, Sachen im Leben zu tun.

Thema "weibliche Reize": Findest du es okay, wenn Metal-Musikerinnen sie einsetzen, oder ist dies für die Akzeptanz/Gleichstellung schädlich?

Speednecromancer: Ich denke, dass gewisse Bands mit Front-Frauen diese Szene ruinieren und die Vorstellung erwecken, dass Frauen im Metal diese Weiber sind, die nur dazu gut sind, ihren Arsch zu präsentieren... wie auch immer; wenn die es mögen, dass die Leute jedes Mal "zeig uns deine Titten!" schreien, wenn sie die Bühne betreten, ist das ihr Problem. Anscheinend mögen es einige Frauen, nur für ihr Aussehen geschätzt zu sein.

Können Frauen genau so Metal sein wie Männer?

Speednecromancer: Ja, definitiv. Metal ist ein Geisteszustand, ist Leidenschaft und harte Arbeit, es ist das gleiche für alle.

Gibt es Metal-Band mit Musikerinnen, die du gut findest und auch weiter empfehlen kannst?

Speednecromancer: Ja! Es gibt zu viele, um sie alle zu erwähnen. Die alten, grossartigen Meister wie Girlschool, Acid, Chastain, Malteze, Original Sin, Sentinel Beast, Znöwhite, Warlock, Wendy O Williams, Bolt Thrower, Détente, The Great Kat. Und heutzutage kann ich zum Beispiel Nocturnal von Deutschland und zwei gute Bands von Italien mit grossartigen Sängerinnen empfehlen: Sign Of The Jackal (Heavy Metal) und Profanal (Death Metal).

Herzlichen Dank für deine spannenden Antworten.

Speednecromancer: Danke für deine interessanten Fragen.


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Lady Oscura

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