Aeba - Black Metal, nicht mehr, aber auch nicht weniger (Interview, 2002)

Es war nie das erklärte Ziel von the renewal gewesen, nur Inties zu bringen, in welchen sich die Gesprächspartner lediglich andauernd versichern, wie lieb sie sich haben. Wenn man nun eine Band wie Aeba um ein Interview bittet, dann überlegt man sich das vorher gut, insbesondere dann, wenn man sich die Freiheit nimmt, ein paar Fragen zu stellen, die sich in einem etwas heikleren Bereich bewegen.

Entsprechend direkt und ohne Umschweife sind die Antworten dazu ausgefallen, und das ist auch gut so, denn darin liegt ja auch der Sinn und Zweck eines solchen Interviews. Einseitigkeit kann man den deutschen Black Metallern jedenfalls nicht vorwerfen, denn sie gehen mit "ihrer eigenen Gilde" ebenso hart ins Gericht wie mit dem "Rest der Welt". Doch davon könnt Ihr Euch gleich selbst überzeugen ...

Es ist still geworden um Euch. Seit Flammenmanifest sind rund drei Jahre vergangen. Was habt Ihr seither so getrieben?

Isegrim: Nun, nachdem wir Flammenmanifest veröffentlicht hatten, war erst einmal ein wenig Ruhepause angesagt. Wir brauchten einfach ein wenig Zeit, um Ideen zu sammeln und um später weiteres Material zu komponieren. Nach und nach fingen wir auch wieder mit dem Proben an und probierten das eine oder andere aus. In dieser Zeit nahmen wir auch ein paar Angebote für Livegigs an und spielten diese. Natürlich kamen auch ein paar private Situationen auf uns zu, die es galt, zu bewältigen, denn schliesslich besteht unser Leben nicht nur aus der Band. Aber nach einiger Zeit hatten wir schon wieder eine vernünftige Anzahl neuer Songs geschrieben. Leider kam es zu dieser Zeit auch zum Eklat mit unserem damaligen Schlagzeuger Nidhögg. Es gab einige Streitigkeiten über Dinge wie zum Beispiel seine Unzuverlässigkeit, seine Lustlosigkeit und seinen Unmut, sich weiterzuentwickeln. Es gab dann noch eine Vorabprobeaufnahme zu einem unserer neuen Songs, doch leider ging diese, auch zum grossen Teil wegen Nidhögg, den Bach runter und wurde dadurch völlig unbrauchbar. Dies zeigte, dass Nidhögg nun mal nicht mehr auf dem Level stand, wie es für Aeba nötig gewesen wäre. Wir wussten, dass er für die Weiterentwicklung der Band ein Hindernis gewesen wäre, und beschlossen, ihn zu entfernen. Dies taten wir dann auch in gegenseitigem Einverständnis, und seit diesem Vorfall haben wir nichts mehr mit ihm zu tun. Leider standen wir nun ohne Schlagzeuger da, machten uns aber sofort auf die Suche nach einem neuen. Es klappte aber nun mal nicht so schnell, wie wir gehofft hatten. Wir hatten den einen oder anderen ausprobiert, aber leider kam dabei ausser Inkompetenz und wenig Talent nicht sehr viel bei heraus. Da wir nun schon einige Songs parat hatten, noch weitere komponieren wollten und uns zusätzlich die Zeit für eine neue Veröffentlichung im Nacken stand, haben wir angefangen, mit einem Drumcomputer zu arbeiten. Wir wollten einfach weiter proben und unsere Motivation nicht verlieren. Die Zeit verging, aber wir fanden keinen neuen Schlagzeuger. Schliesslich nahmen wir trotz einiger Bedenken das neue Album Rebellion-Edens Asche mit dem Drumcomputer auf und waren mit dem Ergebnis auch sehr zufrieden.

Exul: Leider wurden die Aufnahmen erst ein halbes Jahr später gemastert, da Episode sich finanziell nicht mit dem Studio einigen konnten. Als es endlich zum Mastern ging, funktionierte die Technik nicht so, wie sie sollte, und wir mussten die Aufnahmen ohne unsere Anwesenheit woanders mastern lassen. Mit dem Ergebnis bin ich recht unzufrieden. Die Songs sind allesamt zu leise und auch noch zerstückelt.

Isegrim: Als wir die Aufnahmen beendet und sogar einen Livegig mit dem Drumcomputer einigermassen bewältigt hatten, hatten wir endlich das Glück, in Infernal Desaster einen neuen Mann zu finden, welcher bei uns die Felle quälen wollte. Er passt charakterlich wie auch spielerisch sehr gut zu Aeba. Sein Potential und Talent sind trotz seiner verhältnismässig kurzen Zeit als Schlagzeuger ausbaufähig und ich denke, dass er den leeren Platz bei Aeba in Zukunft gut ausfüllen wird. Einen Auftritt mit ihm hatten wir bereits, und dieser lief auch sehr gut.

Als Flammenmanifest herauskam, war ja die deutsche Black Metal Szene gerade im "Entstehungsstadium" und versuchte, aus dem "skandinavischen Schatten" herauszutreten. Wenn Ihr jetzt zurückschaut, seid Ihr dann mit der Entwicklung der deutschen Black Metal Szene zufrieden?

Isegrim: Ich denke, dass es zur damaligen Zeit schon einige gute deutsche Bands im Black Metal Bereich gab. Ob die deutsche Szene wirklich jemals im Schatten der skandinavischen stand, geschweige denn sich loslösen wollte, stelle ich doch irgendwie in Frage. Meiner Meinung nach gab es damals einfach nur verschiedene Gruppierungen von Black Metal Bands in Deutschland. Da waren zum einen die Einen, die ihren Lärm und ihre musikalische Unfähigkeit Black Metal nannten, da waren die Anderen, die schon damals erkannten, dass diese Szene ein guter Nährboden für ihre extremistischen Weltanschauungen sein könnte. Da waren diejenigen, die einfach nur ihre norwegischen Vorbilder kopierten, von wegen evil, true, Odin, Schnee und Blashyrkh, und da waren die ehrlichen Musiker, die versuchten, durch ihren eigenen Stil, ihre Art, ihre Fähigkeit und ihre Vorliebe für diese Musik zu kreieren und zu präsentieren. Wenn Du mich fragst, dann denke ich, dass es heutzutage nicht anders ist. Ob ich mit der Entwicklung der deutschen Black Metal Szene zufrieden bin? Keine Ahnung. Dafür kenne ich viel zu wenig deutsche Bands und interessiere mich eigentlich auch viel zu wenig dafür. Ich kenne hier oben im Norden Deutschlands einige Bands, und die sind zum grössten Teil ganz in Ordnung. Wenn Du was anderes wissen willst, kann ich es Dir nicht beantworten. Ich habe mich auch mal für die Szene interessiert, aber diese ganzen schmierigen Plattenbosse, ihre verlogenen Firmen und ihre miese Abzocke haben mir den Glauben an die Ehrlichkeit genommen. All diese arroganten Schreiberlinge, die sich Rezensenten schimpfen und mit ihrer unverfälschten Art der Komik und Intoleranz in ihren Kritiken immer wieder beweisen, dass sie meistens keinen Funken Objektivität besitzen, haben mir die Lust genommen, deren Schund durchzulesen. Es sind nur sehr wenige dabei, die ihr Handwerk verstehen und fähig sind, ein Album ohne Rücksicht auf die eigene Meinung und den eigenen Geschmack vorzustellen. All die ganzen Spinner, die mir die Backe vollabern mit ihrem Odin & Co, ihrem Wikingergehabe oder noch besser mit ihrem Arierscheiss, all die ganzen fiesen schwarzen Gestalten, die auf den Konzerten einen stillen Wettbewerb veranstalten, wer wohl am bösesten guckt und die meisten Nieten, Nägel und Patronen mit sich rumschleppt, haben mir einfach das Interesse und die Lust an dieser Szene genommen. Wir haben nur zu sehr wenigen Leuten und Bands Kontakt, aber diese sind ernstzunehmender als alle anderen zusammen. Wir spielen diese Art von Musik nur noch, weil sie in uns steckt, und weil wir unseren Gefühlen und Gedanken damit Ausdruck verleihen - nicht, um uns damit zu profilieren. Wir und unsere Art sind so, weil sie in uns steckt, nicht, weil wir unbedingt so sein müssen.

Eine Frage zu "Politik und Aeba", zwei Begriffe, die, wie Ihr betont, nicht im Geringsten etwas miteinander zu tun haben. Allerdings nehme ich nicht an, dass Ihr der Naivität verfallen seid, zu glauben, dass man als deutsche, traditionelle Black Metal Band mit Schlagwörtern wie "Flammenmanifest" unangegriffen an diesen wenn auch unbegründeten Vorwürfen und Unterstellungen vorbeikommt. Wie geht Ihr mit dieser Tatsache um? Ignoriert Ihr sie einfach, oder ist es Euch wichtig, vor den Leuten Eure Einstellung zu diesem Thema richtig zu stellen?

Isegrim: Als wir betonten, dass Aeba und Politik weder etwas miteinander zu schaffen noch gemeinsam hätten, bezogen wir dies lediglich auf die Musik und die Gemeinsamkeit als Band. Natürlich hat jeder von uns im einzelnen eine politische Meinung, aber da wir nun einmal gemeinsam ein Ziel folgen, ist für diese, bei uns individuelle Thematik, kein Platz bei Aeba. Was unserer Meinung nach noch viel wichtiger ist, ist, dass im Black Metal dieses Thema völlig unangebracht und fehl am Platze ist. Black Metal deckt für uns Themen wie Okkultismus, Satanismus, Mystizismus, Mythologie oder Ähnliches ab. Texte, die von dunklen Geschichten, Zorn, Stolz, Hass, Schmerz und Trauer handeln, Emotionen die in der Seele und im Geist jedes einzelnen von uns ruhen. Black Metal und die Musik, die dahinter steckt, ist für uns ein Medium, um unsere Art darzustellen. Dies ist aber rein auf Glaubens- und Existenzfragen bezogen. Black Metal stellt für uns jedoch kein Diskussionsforum für politische Weltanschauungen- oder Äusserungen dar. Es gibt genügend Nährboden und Möglichkeiten, sich politisch zu äussern. In dieser Musik, die uns verbindet, ist einfach kein Platz dafür. Religion und Politik wurden schon oft in vergangener Zeit miteinander verbunden und gemischt. Daraus ergaben sich auch die meisten Probleme. Auch wenn viele eine andere Meinung hierzu haben: Politik und Religion liegen zwar nahe beieinander, aber für uns sind es trotzdem noch zwei verschiedene Paar Schuhe. Die textliche Thematik des Black Metals entstammt den oben Begriffen und keinen anderen. Deshalb ist unsere Meinung so. Natürlich sind wir nicht so naiv und wissen, dass man uns immer wieder aufgrund verschiedener Äusserungen Vorwürfe machen wird oder machen könnte, beziehungsweise aufgrund von Missverständnissen uns das ein oder andere unterstellen wird. Ich möchte dazu aber etwas klarstellen: Erstens gibt es kein Album und auch keinen Text von Aeba, welcher in irgendeiner Form Äusserungen der Politik beinhaltet, und zweitens sind wir gerne dazu bereit, jedes Schlagwort oder jeden Songtitel zu erklären, was wir uns dabei gedacht haben und warum wir diesen benutzen, doch wir werden uns vor niemandem dafür rechtfertigen. Drittens: Bevor einige meinen, die Weisheit für sich gepachtet zu haben und in der Gegend rumbrüllen, wir wären politische Extremisten, sollten diese uns ansprechen oder uns einfach ignorieren, denn beides würde vor einem peinlichem Missverständnis bewahren. Und viertens bin ich es leid, immer wieder dieselbe Scheisse zu sagen beziehungsweise zu schreiben. Manchmal denke ich, es wäre leichter, sich als rechte oder linke Band zu outen, so oft wie man uns schon das ein oder andere unterstellt hat. Das einzige was ich dazu nur noch sagen kann ist: "Fuck off mit eurer ganzen Politik und eurem Getue. Wir sind Black Metal, nicht mehr und auch nicht weniger!"

Exul: Unsere Gemeinsamkeit als Band besteht in den genannten Themen und nicht in unserer politischen Meinung, die bei jedem von uns verschieden ist.

Was bedeutet denn für Euch persönlich, "ein Deutscher zu sein". Ist das nur eine bedeutungslose Aussage über die Nationalität, eine Bezeichnung, die Ihr eh nie benutzt oder seht Ihr Euch sowieso eher als europäische Multikultis?

Isegrim: Diese Frage empfinde ich als ein wenig provokant, aber ich erkenne auch ein wenig Ironie darin. Nein, ich oder wir alle von Aeba sehen oder bezeichnen uns nicht als europäische Multikultis. Wir sind in erster Linie Menschen, obwohl unsere Meinung über die Menschheit auch nicht die beste ist - aber wir sind nun mal Menschen. Ich denke, mein Geist, meine Seele, mein Charakter und auch mein Herz sind immer das gleiche, egal welche Haut-, Haarfarbe oder Nationalität ich hätte. Menschen, die denken, ihre Rasse wäre stärker oder intelligenter als so manch andere Rasse, empfinde ich als amüsant. Alle Rassen haben die Jahrtausende überlebt und sind auch in diesem Zeitalter präsent. Dazu gehört meiner Meinung nach Intelligenz sowie auch Stärke. Was beweist das? Es gibt einfach keine Überrasse. Das ist nur meine Meinung. Andere denken anders. Was soll's? Sollen sich diese ruhig die Köpfe dafür einschlagen. Ist mir egal. Ich will einfach nur meine Ruhe haben und meine Musik machen. Ich gebe zu, dass mir Nordeuropa besser gefällt. Ich mag einfach keine Hitze, überfüllte Strände, Massenaufläufe von Menschen und Ballermann & Co. Ich habe keine Lust, da runterzufahren und mir von der Sonne den Arsch verbrennen zu lassen. Ich mag auch nicht die Mentalität der Südeuropäer. Sie gehen mir mit ihrer aufbrausenden, aufdringlichen und aggressiven Mentalität auf die Nerven. Allerdings sind die Nordeuropäer mit ihrer Sturheit und Ignoranz manchmal auch ziemlich anstrengend. Was bedeutet ''ein Deutscher zu sein...". Ich konnte mir nicht aussuchen, welcher Nationalität ich angehören will. Es gefällt mir hier in Deutschland, aber ich habe noch nicht viel von der Welt gesehen. Wer sagt denn, dass es woanders nicht noch besser und schöner ist? Letztendlich bin ich hier in Norddeutschland geboren. Hier fühl ich mich wohl und hier will ich sterben.

Was persönlich glaubt Ihr, ist der Grund, dass innerhalb der Metalszene vor allem der Black Metal Nährboden für rechtes Gedankengut zur Verfügung stellt? Zufällig ist sowas ja sicher nicht.

Isegrim: Immer dort, wo extreme Werte geboren werden und existieren, wird versucht, die Grenzen weiter zu spannen beziehungsweise diese zu überschreiten. Der Black Metal führt ein äusserst extremes und provokantes Dasein. Manche ignorieren die Individualität dieser Musikart. Das Extreme ist noch nicht extrem genug und so wird nach neuen Grenzen gesucht. Ich denke, es ist auch einfach Tatsache, dass diese norwegische Szene damals mit ihrem Nationalstolz anfing. Sie erzählte, wie stolz sie auf ihr Land sei, mit seinen mächtigen Eisbergen, der schönen Landschaft, der Vergangenheit und allem drum und dran. Ja sie sagten sogar: "Wir sind Wikinger und stolz, Norweger zu sein." Das ist ja alles schön und gut, und niemand streitet ab, dass Norwegen ein wunderbares Land ist, aber Norwegen, seine Bewohner und auch diese ganzen gehirnunterkühlten Szeneleuchten hatten niemals dieses Schreckgespenst des Nationalsozialismus so intensiv im Nacken sitzen, für welches man sich immer und immer wieder rechtfertigen muss. Es ist leicht für sie, mit diesem Nationalstolz und dessen Aussagen aufzutreten, aber wenn ein Deutscher dies von sich behauptet, ist es so, als ob die ganze Welt aufschreit. Nationalstolz ist schwer geworden für die Deutschen, und viele gehen bedacht damit um. Natürlich muss sich heute dafür keiner mehr rechtfertigen, denn das III. Reich ist nun mal Vergangenheit, und man kann nichts daran ändern. Aber man sollte auch nicht aufgrund unüberlegter Äusserungen und Unwissenheit alte Wunden wieder aufreissen. Leider sind Fans nun mal leicht beeinflussbar und nehmen leicht die Art ihrer Idole an, und somit war es nur eine Frage der Zeit, bis auch hier in Deutschland die ersten Gruppierungen dieser Art entstanden. Vielleicht sollte diejenigen, die mit Worten wie Rassenideolgie, Übermensch und Antisemitismus um sich werfen, einfach mal überlegen, ob ihr hochgepriesener Führer und seine Schergen Musik wie den Black Metal, lange Haare und Individualismus geduldet hätten, oder ob wir nicht alle Insassen irgendeines KZ's gewesen wären. Die Norweger fingen unter anderen an mit diesem Scheiss. Viele in Deutschland und auch anderen Ländern übernahmen diesen Nationalstolz, verbunden mit rechtem Gedankengut. Ich würde es niemandem übel nehmen, wenn er stolz auf sein Land ist. Allerdings sollte man dabei die Grenzen erkennen und nicht die Vergangenheit neu aufleben lassen, denn das geliebte Deutschland lag deswegen schon einmal vor noch gar nicht so langer Zeit in Schutt und Asche. Vielleicht sollte man sich erst einmal richtig und intensiv mit dem III. Reich auseinandersetzen, bevor man irgendwelche stumpfe Parolen nachplappert. Was für mich für die rechten Tendenzen im Black Metal noch nahe liegt ist folgendes: Der Nationalsozialismus war in Deutschland einige Zeit durch den Sieg der anderen Nationen von der Bildfläche verschwunden, aber er starb nie richtig aus. Dies ist kein Wunder, denn es blieben immer noch genug mit ihrer wahnsinnigen Weltanschauung über, und wäre dies nicht der Fall, würden irgendwann neue auftauchen. Eine erstmal erschaffene Politikform wie diese wird sich niemals mehr aus dieser Welt verbannen lassen. Von damals bis heute existieren diese Fanatiker und tun alles dafür, um Menschen auf ihre Seite zu ziehen. Immer da, wo extreme Szenen existieren, versuchen diese Leute, ihren Keim zu sähen. Die Black Metal Szene ist dafür ideal, denn hier werden immer wieder neue Grenzen der Extremität gesucht. Es sind schon genug angesteckt worden mit dieser Krankheit. Allerdings denke ich, dass es immer noch genügend Individuen gibt, die wissen, dass Black Metal und Nationalsozialismus nichts miteinander zu tun oder zu schaffen haben, und die nicht zulassen werden, dass diese Typen und ihr Fanatismus Überhand in dieser Szene nehmen werden.

Für viele "true Black Metaller" ist traditioneller Black Metal in Kombination mit Keyboards ein Ding der Unmöglichkeit und wird auch nicht akzeptiert. Was sagt Ihr Leuten, die Euch mit diesem Argument kommen?

Isegrim: Wenn ich mal so zurückschaue, wie lange wir dieser Musik zugetan sind, und wie lange wir sie spielen, denke ich mal, dass wir schon unterscheiden können, was Black Metal ist und was nicht. Heutzutage kommt doch jeder dahergelaufene Wicht und brüllt: "Untrue, false, trendy...". Es ist wieder ein Beispiel dafür, dass viele nur kopieren, was damals mal so einige dieser Idole der Black Metal Szene gesagt haben. Aber guckt Euch doch einmal an, was von diesen grossen Idolen und Helden und ihren ach so weisen Statements übriggeblieben ist. Fast alle haben ihre Glaubwürdigkeit von damals über den Haufen geschmissen: Heutzutage zählen keine Sprüche der Vergangenheit mehr, heute spielen nur noch Kohle und ''musikalische Weiterentwicklung" eine Rolle, und wenn dies nicht klappt, dann wird die Band eben aufgelöst. Es ist nun mal Fakt, das alles, was unter dem Begriff Black Metal zusammengefasst wird, nicht unbedingt Black Metal im ursprünglichen Sinne darstellt. Sprüche wie Black Metal ohne Keyboard und ohne Frauengesang sind daher bedeutungslos geworden, denn dies ist alles schon in tausendfacher Ausführung vorhanden, und die Masse der Fans wird dies sicherlich nicht ignorieren. Wenn eine Band eine Maultrommel verwendet, dann ist es Pagan Black Metal, und wenn eine Band ein Keyboard oder ein Synth verwendet, ist es untrue? Wo ist denn da die Argumentation? ... Lächerlich!! Auch wir denken, dass es im musikalischen Bereich des Black Metals Grenzen gibt, denn dafür haben wir uns lange genug mit dem Black Metal auseinandergesetzt. Da aber auch für uns so manche Grenzen aufgrund der Entwicklung des Black Metals unbedeutend geworden sind, nutzen wir diese Musik nur noch als Darbietung und Interpretation unserer Emotionen und Gedankenwelt. Wir spiegeln einen Teil unserer Seelen wieder, denn Black Metal ist immer noch eine sehr extreme Art von musikalischer Kreation, die es zulässt, unsere Vorstellungen zu verwirklichen. Musik stellt für mich einfach die unausgesprochenen Worte der Seele dar, und das interpretiere ich so, wie meine Vorstellungen darin liegen. Ich würde selbst eine Tuba oder eine Triangel verwenden, wenn mir danach wäre. Wenn dann jemand zu mir kommen und sagen würde: "Ihr seid untrue", dann würde ich antworten: "Schön für dich, akzeptiere uns so, wie wir sind, oder lass uns in Ruhe. Wir spielen Black Metal, wir spielen Musik, weil unsere Seele spricht, nicht weil wir ein Teil einer Szene sein wollen, die sich selbst bekämpft und ihrer Moral und ihren Werte tausendfach widerspricht."

Ihr selbst werdet ja weitgehend von der gesamten "Black Metal-Kommune" akzeptiert, obwohl ihr atmosphärische Keyboardklänge einsetzt. Worin unterscheidet Ihr Euch zu den Bands, denen man das nicht "verzeiht"? Was macht Ihr anders?

Isegrim: Ich weiss nicht genau, was wir anders als andere Bands machen. Wir setzen das Keyboard ein, um melancholische und düstere Parts zu unterstützen beziehungsweise diese zu erzeugen. Das Keyboard bietet sehr viele Möglichkeiten, um es zum Song-Kreieren einzusetzen und zu nutzen. Es gibt dem Sound von Aeba einfach die Atmosphäre, ohne die alles nur halb so gut klingen würde. Natürlich gibt es ein Anzahl von Leuten, die uns vorwerfen, dass wir unsere Songs mit Keyboardklängen ''zukleistern" würden, aber deren Meinung interessiert uns einfach nicht, denn wir sind mit unserem Keyboardeinsatz zufrieden. Leider hat uns der weibliche, keyboardspielende Part von Aeba Anfang des Jahres aus persönlichen Gründen verlassen. Wir spielen schnellen aber auch atmosphärischen Black Metal, und wir benutzen nun einmal das Keyboard als fünftes Instrument. Wem das nicht passt, der soll die Finger von unserer Musik lassen.

Im Vorfeld konnte man lesen, dass Euer aktuelles Album Industrial-Experimente beinhalten würde. Jetzt kommt es natürlich darauf an, wie man "industrial" definiert. Mir persönlich sind eigentlich keine "richtigen" Industrialparts aufgefallen. Habt Ihr nachträglich von dieser Variante abgesehen oder ist diese Meldung schlicht und einfach eine "Ente"?

Isegrim: Ich habe keine Ahnung oder Vermutung, woher Du diese Information hast, und ich weiss nicht, wer derartige Gerüchte in die Welt setzt. Ich kann Dir nur von uns aus versichern, dass wir niemals vorhatten oder vorhaben werden, Industrialparts oder Industrial-Experimente im Sound von Aeba zu verwenden.

Wie darf man den Titel Rebellion - Eden's Asche verstehen. Geht es dabei um den klassischen Kampf zwischen Himmel und Hölle?

Isegrim: Einerseits stimmt Deine Vermutung, was den Kampf zwischen Himmel und Hölle betrifft. Andererseits hat der Titel Rebellion-Edens Asche für mich persönlich und auch für die anderen Bandmitglieder mehrere Aspekte und Bedeutungen. Wir haben den Namen nicht unbedingt in Bezug auf die einzelnen Songtitel gewählt. Rebellion beschreibt in etwa das, was wir und unsere Art darstellen. Edens Asche ist die Verleugnung und die Zerstörung aller Moralvorstellungen der Weltreligionen und deren zwanghaften, unterwürfigen Geboten. All die jämmerlichen Schäfchen, die sich hinter ihren Göttern verstecken und sich in ihrem Glauben einkerkern, in der Hoffnung auf ein besseres Leben nach dem Tod, auf ein Leben im ''Paradies", werden feststellen, dass sich nichts hinter all diesen Lügen befindet. Diejenigen, die frei denken, Einzigartigkeit in ihren Herzen tragen und an ihre ungebunden Seelen und deren Geist mit seiner eigenen Kraft glauben, haben Eden bereits in Schutt und Asche gelegt ...

Was würdet Ihr sagen, hat Rebellion, was Flammenmanifest nicht hatte? Oder anders gefragt: Was denkt Ihr, sind die neuen "Aeba-Errungenschaften", die durch das aktuelle Album zum Tragen kommen?

Isegrim: Der Unterschied zwischen Flammenmanifest und Rebellion liegt meiner Meinung nach in der Weiterentwicklung der Band und dem kreativen Erschaffen von Songs sowie die Konzeption der einzelnen Alben. Wir haben seit Flammenmanifest intensiv an neuen Stücken gearbeitet und uns dabei viel Zeit gelassen. Wir haben ein Problemfaktor aus der Band entfernt, womit unser alter Schlagzeuger gemeint ist. Natürlich hat dies uns im ersten Moment behindert. Allerdings förderte das Arbeiten mit dem Drumcomputer unser gemeinsames Zusammenspiel, und wir konnten unsere Vorstellungen, was das Drumming betrifft, exakt umsetzen, ohne an irgendwelche Grenzen zu stossen, wozu Nidhöggs Schlagzeugspiel und Performance nicht fähig gewesen wäre. Wir selbst spüren für uns, dass Rebellion ein weiterer Schritt nach vorn ist. Wir selbst spüren, dass wir unser Ziel, uns musikalisch weiterzuentwickeln, erreicht haben. Die Sicherheit, die Erfahrung und der Zusammenhalt bei Aeba sind gestiegen. Flammenmanifest hatte noch den ein oder anderen Fehler, den Rebellion nicht mehr hat. Natürlich hätte man auf dem neuen Album auch einige Dinge noch anders oder besser machen können, aber hinterher ist man immer klüger. Allein die Erkenntnis, was man beim nächsten Studioaufenthalt oder beim Kreieren eines neuen Werkes noch alles anders machen sollte, könnte oder muss, ist schon wieder ein Fortschritt. Viele Dinge gefallen mir auf dem neuen Album besser, zum Beispiel das Cover-Bootleg, die Solos der Lead-Gitarre, der Gesang und noch einiges mehr. Natürlich gab es auch schon negative Meinungen, was Rebellion betrifft. Allerdings haben wir nie behauptet, eine neue Definierung des Black Metals oder einen extravaganten Stil zu kreieren. Wir haben auch nicht behauptet, dass wir musikalische Virtuosen wären. Wir spielen seit Demozeiten unsere Art von Black Metal, welche unserer Definition und unserem Geschmack entspricht. Aber derjenige, der zwischen den einzelnen Veröffentlichungen keine Steigerung erkennt, sollte vielleicht selbst mal versuchen, eine Band zu gründen beziehungsweise zu leiten oder ein Instrument zu spielen. Wer dazu nicht in der Lage ist, sollte sein sogenanntes Fachwissen und seine Kommentare einfach mal etwas genauer überdenken. Musik ist Geschmacksache. Allerdings kann man auch die Akzeptanz zu den einzelnen Bands und Musikern bewahren, indem man Kritiken objektiv verfasst und nicht Möchtegernkomisches und völlig Unzutreffendes dazu schreibt. Leider ist es so, dass den Plattenkritiken in den etwas renommierteren Zeitschriften durch finanzielle Unterstützung mancher Labels etwas nachgeholfen wird, so dass ein Grossteil der Rezensionen völlig unglaubwürdig klingen. Uns persönlich ist die Meinung einzelner Leute oder Fans wesentlich mehr wert als irgendeine Rezension der einzelnen Mags. Wir haben bisher eine Menge positiver Resonanzen zu Rebellion erhalten, und es genügt uns, zu wissen, dass Rebellion ein Fortschritt zu unseren bisherigen Werken darstellt und dass es ein gutes Black Metal Album ist.

So. Und jetzt zum "Personality-Check". Was an Dir ist überhaupt nicht Black Metal? Hast Du beispielsweise einen Schrebergarten oder schaust mit Vorliebe Krankenhausserien? Oder ist die Frage gar zu doof, um sie zu beantworten?

Isegrim: Nein, die Frage ist mir nicht zu doof. Ich habe auch keine Geheimnisse zu verbergen. Ich verrate Dir sogar, dass ich mir leidenschaftlich gerne den Tigerentenclub im Fernsehen anschaue und dass ich unter zwanghaften Shoopingtouren leide ... Nein mal im Ernst. Was an mir überhaupt nicht Black Metal ist? Nun, ich habe zwei Katzen, die ich über alles liebe. Sie nehmen mir zwar regelmässig die Wohnung auseinander, aber damit kann ich leben. Ich interessiere mich sehr für die U-Boots- beziehungsweise die Seekriegsgeschichte im ersten und im zweiten Weltkrieg. Ich bin ein sehr sensibler Mensch, neige aber manchmal auch zu cholerischen Wutausbrüchen. Aber was soll's, keiner ist perfekt. Aber wer will das auch sein ?!?

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The Renewal

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