Agathodaimon - mehr Härte - mehr Transparenz (Interview, 2001)

Seit Blacken The Angel gelten Agathodaimon für viele als Hoffnungsträger der "neuen, deutschen, harten und düsteren Musik" - oder wie immer man Agathodaimon's Werke sonst klassifizieren will. Nun sind ja aber die Tage, in denen die Deutschen in der oberen Liga zwar mitspielen konnten, trotzdem aber alle Freiheiten des Newcomers geniessen durften, irgendwo vorbei. Agathodaimon gelten mittlerweile als gereifte Band, und da erwartet man natürlich automatisch Höchstleistungen. Mit Chapter III wurde die Band diesen hohen Anforderungen sicherlich gerecht - zumindest in der Presse. Was die Fanschar davon hält, wird sich in den nächsten Wochen und Monaten an den Verkaufszahlen messen lassen können. Aber diesbezüglich wird es wohl auch keine negativen Überraschungen geben.

Was Sathonys über Kritiker, Studioarbeiten in Rumänien, die letzten beiden Alben und die Agathodaimon Klassiker denkt, könnt Ihr an dieser Stelle nachlesen. Viel Spass dabei.

Auf Chapter III musstet Ihr abermals auf das Mitwirken von Vlad, dem eigentlichen Sänger und ursprünglichen Mit-Songwriter von Agathodaimon, verzichten. Letztes Mal seid Ihr ja zu den Recordings nach Rumänien gefahren, damit Vlad bei den Aufnahmen zugegen sein konnte. Er hatte damals abermals keine Ausreiseerlaubnis bekommen. Ein erneuter Trip für Chapter III nach Rumänien kam wohl nicht in Frage. Warum?

Sathonys: Aus diversen Gründen. Erstens: Es hätte keinen Sinn gemacht, die Songs dort auf Biegen und Brechen fertig zu stellen, da wir nicht genug Zeit für eine gemeinsame Arbeit hatten. Zweitens: Die Kosten für diese Aktion bzw. sechs Leute sind enorm. Drittens: Wir sind mit dem Sound von Higher Art Of Rebellion sehr unzufrieden. Die Arbeitsbedingungen vor Ort waren unzumutbar und unprofessionell. Wir wollten dieses Mal wieder eine gute Produktion ohne Stress und grössere Improvisationen fahren, haben deshalb eine aufwendige Vorproduktion in Kauf genommen und in Ruhe an den Songs gearbeitet, welche wir ohne Vlad geschrieben hatten. Die Songs sind somit ausgefeilter und durchdachter als sie es noch auf dem letzten Album waren. Und mit Vlad werden wir sicher auf dem nächsten Album wieder rechnen können.

Von wem kommt denn das Material auf Chapter III? Da es ohne Vlad entstanden ist, könnte man ja jetzt ketzerisch behaupten, dass Agathodaimon auch ohne Probleme ohne ihn auskommen, denn Chapter III beinhaltet alle Trademarks der Band. Man vermisst nichts.

Sathonys: Das war uns auch sehr wichtig, denn Agathodaimon ist mehr als nur die Summe der einzelnen Mitglieder. Jeder war diesmal am Songwriting beteiligt und hat seinen Anteil zu den Songs erbracht. Wir spielen jetzt schon seit einigen Jahren zusammen, und jeder trägt einen Teil des Stils in sich. Dass natürlich Vlad's Gesang und rumänische Texte fehlen mussten wir dabei in Kauf nehmen, wobei die rumänischen Texte natürlich ebenfalls Geschmackssache sind.

Was ich persönlich hingegen schmerzlichst auf Chapter III vermisst habe, war Sänger Byron, der auf Higher Art Of Rebellion eine grossartige Leistung abgeliefert hat. Meiner Meinung nach wäre er das Tüpfelchen auf dem i gewesen. Nichts gegen Eure cleanen Vocals, aber einen Byron ganz zu vergessen, wenn man ihn mal bei Agathodaimon gehört hat, ist schwer. Den wünscht man sich natürlich automatisch wieder herbei.

Sathonys: Der wird sicher auch wieder teilnehmen. Es war nur so, dass wir die Songs anfangs so strukturiert haben, dass wir keine cleanen Vocals eingeplant hatten. Byron's Gesang ist ja gerade aufgrund seiner Klasse ein zweischneidiges Schwert. Live könnten wir diesen nicht selbst umsetzen, da er eben ein gelernter Sänger ist, noch dazu ein sehr talentierter. Auf dem neuen Album haben wir letztendlich noch cleane Vocals eingefügt, aber diese sind auch von der Kernbesetzung der Band reproduzierbar. Genauso wie wir anfangs mit Vlad planten, war auch Byron angedacht, am neuen Album teilzunehmen. Es war aber zu kurzfristig, ihn noch letztendlich in die Produktion einzubinden, und unseren finanziellen Rahmen hätte es dieses Mal auch gesprengt, da Byron seine Arbeit entsprechend entlohnt haben will.

Akaias war ja ursprünglich nur eine "Notlösung" für Vlad gewesen, weil Vlad schon zu Blacken The Angel-Zeiten nicht mehr aus Rumänien ausreisen durfte und daher auch nicht seine Vocals einsingen konnte. Jetzt ist dieser Akaias stimmlich allerdings solch ein Glücksgriff, dass zumindest ich mir wünsche, bei Agathodaimon niemals einen anderen Sänger hören zu müssen. Ausserdem ist das jetzt bereits Album Nummer drei, auf dem er dabei ist. Wie sieht das Eurer Meinung nach aus? Würdet Ihr bei einer Rückkehr von Vlad aus Rumänien auf Akaias verzichten wollen oder können?

Sathonys: Nein, Akaias ist festes Mitglied der Band, das stand schon relativ schnell fest. Sollte Vlad auf dauerhafter Basis nach Deutschland zurückkehren können, würde Akaias dennoch weiterhin seinen Platz bei uns haben. Abgesehen davon ist er auch ein sehr guter Gitarrist und Bassist, und es wäre interessant, auch mal mit drei Gitarren zu arbeiten, was wir live mitunter ohnehin schon ein paar Mal getan haben.

Chapter III sollte ja eine Mischung aus Blacken The Angel und Higher Art Of Rebellion werden, was meiner Meinung nach auch geglückt ist. Ich fand beide Platten spitze, muss ich sagen, aber offensichtlich wolltet Ihr wieder mehr vom Blacken The Angel Feeling auf Eurem neuen Album haben. Hattet Ihr das Gefühl, mit Higher Art Of Rebellion eventuell einen Schritt zu weit weg von Blacken The Angel getan zu haben? Theoretisch hätte man sich auch eine Fortsetzung von Higher Art Of Rebellion vorstellen können.

Sathonys: Nein. Ich denke vielmehr, dass die schwache Produktion viel von der Härte und Transparenz des Albums genommen hat. Wäre dieses Album im selben Studio wie Chapter III entstanden, wären die Unterschiede wohl minimal. Dass es mehr nach Blacken klingen mag liegt vielleicht auch daran, dass wir bewusst die härteren Songs an den Anfang des Albums gestellt haben. Chapter III enthält auch viele vergleichbare Merkmale zu Higher Art Of Rebellion, beispielsweise die Halb-Ballade.

Wie bei Blacken The Angel seid Ihr für Chapter III für den Mix zu Produzent Gerhard Magin in die Commusication Studios gegangen. War das eine Art "taktische Massnahme", um mit einem "vertrauten" Sound eventuell die einst verlorenen Blacken The Angel Anhänger zurückzugewinnen?

Sathonys: Nun, er hat ja lediglich für den Mix, aber nicht die Aufnahme oder gar als Produzent zur Verfügung gestanden, und die prägt ja massgeblich den Sound. Auch das Mastering wurde in einem anderen Studio durchgeführt. Es war lediglich der Fall, dass er ein sehr gutes Mischpult besitzt, annehmbare Preise hat und sein Studio auch relativ nah bei uns liegt.

Eure Plattenfirma preist Chapter III als Black Metal Album an, ein Ausdruck, der Euch ja schon seit geraumer Zeit viel Ärger einbringt, weil sich die "true"-Fraktion des Genres darüber wahnsinnig aufregen kann, was insoweit nachvollziehbar ist, als dass Ihr sicherlich die Grenzen des Black Metals schon längstens gesprengt habt, mit einem Ergebnis, das meiner Meinung nach hundertprozentig überzeugt. Aber dennoch - fühlst Du Dich persönlich noch wohl, wenn man von Agathodaimon und Black Metal spricht?

Sathonys: Manchmal mehr denn je, denn wir können diese ganze Diskussion langsam nicht mehr hören. Das war auch ein Grund, weshalb wir bei den Fotoshootings diverse Klischees, die man dem Begriff "Rockstar" zuordnet, auslebten. Dicke Limousine, Frauen, Drogen ... nennt unsere Musik wie ihr wollt, das ändert nichts an ihr.

Tristetea Vehementa ist ja Euer Bandklassiker Nummer eins, und mit Paradise Beyond habt Ihr auf Chapter III abermals einen tollen "Ohrwurm" abgeliefert. Hofft man manchmal insgeheim, dass man nochmals so einen Song wie Tristetea Vehementa schreibt? DEN Titel, der sofort wie aus der Pistole geschossen kommt, wenn man jemanden nach einer Band fragt?

Sathonys: Tja, was die Klassiker angeht, rangiert eigentlich, zumindest live, Banner Of Blasphemy an erster Stelle. Aber Tristetea gehört auf jeden Fall auch zu den beliebtesten Songs. Nun ja, ich denke, jede Band hofft, dass das neueste Album etwas besonderes darstellt, aber ich glaube, man wird erst in einiger Zeit sagen können, inwiefern einige Songs generell als "beste" gewertet werden.

Meine nächste Frage will ich mal so formulieren. Als "deutsche Hoffnungsträger", in welcher Sparte auch immer, kann man mit viel Lob rechnen, muss sich aber auch darauf vorbereiten, von den "Gegnern" massiv kritisiert zu werden. Das ist nun mal so in Deutschland, denke ich. Gerade in der Musik wird bei Euch meiner Meinung nach viel zu viel "politisiert". Nun kannst Du ja aber nicht hingehen und Euren Kritikern sagen: "Leckt mich am Arsch, dann kauft uns halt nicht." Wie geht man mit harscher Kritik um, wenn man ja gleichzeitig auch weiss, dass das abgelieferte Album nicht so schlecht sein kann, da es sich ja gut verkauft? Muss man sich da selbst manchmal etwas zur Diplomatie zwingen oder macht Dir Kritik nichts aus?

Sathonys: Also ich denke, wir wissen sehr gut, in welchen Punkten man uns berechtigte Kritik liefern kann. Wir haben gewisse Vorstellungen und Ziele, die wir bewusst verfolgen. Dass man es nicht jedem Recht machen kann, ist klar, und dass bei einigen Leuten Aversion oder Neid vorhanden ist ... was soll's? Es gibt wohl kaum eine Band, die jeder mag. Irgendwer hat immer etwas zu mäkeln. Meist kommt von solchen Leuten aber eher ein unfundiertes "Ihr seid einfach scheisse", und sowas muss ich nicht weiter überdenken. Dass Musik Geschmackssache ist, kann sowieso keiner bestreiten, und insofern ist vieles relativierbar. Abgesehen davon nehme ich mir berechtigte Kritik sehr zu Herzen.

Schaut man sich die Newcomerbands in der deutschen Black Metal Szene an, so findet man ja nicht gerade wenige, die sich wieder dem traditionellen Black Metal verschrieben haben, also quasi eine Art Gegenreaktion auf den melodic Black Metal der letzten Jahre, der sicherlich auch schon länger seine besten Zeiten hinter sich hat. Gibt es da gewisse Acts, deren Entwicklung Du verfolgst, also eine Gruppe, der Du vielleicht eine grössere Zukunft voraussagst? Oder gibt es sonst andere, deutsche Bands, deren Entwicklung Du mit grossem Interesse verfolgst? Die Zeiten, als Agathodaimon die "Youngsters" der Szene waren, sind ja mittlerweile vorbei.

Sathonys: Es gab viele Bands, in denen ich grosses Potential sah, aber jede ist ihren eigenen Weg gegangen, teils aus gutem Grund und nachvollziehbar, teils für mich unverständlich. Zwar bin ich noch am Underground interessiert und bemühe mich auch, gute Bands zu unterstützen, aber mitunter fehlt mittlerweile die Zeit, da auf dem Laufenden zu bleiben. Die Szene ist noch schwerer zu überschauen als noch vor ein paar Jahren. Und dieser kranke Undergroundstil, sprich das Nachahmen von Bands wie Darkthrone, Burzum & Co, ist gar nicht so mein Fall. Nichts gegen traditionell ausgerichtete Bands, aber es sollte dennoch möglich sein, einen eigenen Stil dabei zu pflegen. Und diese Abneigung gegen "kommerzielle" Bands kann ich eben nicht nachvollziehen. Es ist immer ein leichtes, sich ein aufgesetztes Undergroundimage zu geben. Sollen diese "true black metal"-Bands doch mal versuchen, einen richtig fetten Vertrag an Land zu ziehen und dann sagen "hey, wir hätten mächtig absahnen können, aber wir wollen eben kleine Brötchen backen". Das wäre sicher cooler, als die eigene Inkompetenz, oft ist es nichts anderes, hinter leeren Phrasen zu verstecken, denn eine Menge Arbeit gehört auf alle Fälle dazu, halbwegs professionell zu arbeiten, was vielen Bands, mitunter trotz Potential, einfach zu viel ist.


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The Renewal

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