Disbelief - von Mut, positivem Denken und der Apfelweintradition (Interview, 2001)

Mit dem Track Misery auf diversen Zeitschriften CD's werden die Hessen von Disbelief wie eine Bombe einschlagen, denn, egal ob man den Sound mag oder nicht, dieser Art von harter und brachialer Musik begegnet man nicht alle Tage, schon gerade deswegen, weil Worst Enemy, so der Name des neuen Albums, trotz aller Härte statt böse und zerstörerisch eher emotional und kraftvoll herüberkommt. Die neue CD der Deutschen ist auch bedeutend einfacher nachzuvollziehen als der Vorgänger Infected und dürfte daher auch live ein absolutes Erlebnis werden. Hier nun aber Karsten's Worte über den schlimmsten Feind, die Apfelweintradition und das sich Uebergeben auf Konzerten.

Der Sound auf Worst Enemy ist wahrlich mächtig! War das so geplant gewesen oder hat sich das einfach bei der Produktion ergeben?

Karsten Das hat sich im Studio irgendwie so ergeben. Am Anfang kannst Du Dir eh nicht vorstellen, wie sich das Ganze später mal anhören wird. Wir wollten natürlich schon einen superfetten Sound haben.

Ihr habt mit Produzent Andy Classen zusammengearbeitet, von dem man ja immer mehr liest. Was ist denn das für eine Art Mensch? Wie ist die Arbeit mit ihm?

Karsten Wir haben auch die ersten beiden CD's bei Andy Classen aufgenommen. Es geht wirklich super relaxed bei ihm zu. Wir kennen uns mittlerweile halt auch sehr gut. Die Beziehung zwischen uns ist eigentlich schon fast freundschaftlich.

Du bist zeitweise aus der Band ausgestiegen. Hat der Haussegen etwas schief gehangen?

Karsten Ich bin auf keinen Fall aus der Band ausgestiegen. Das ist teilweise von den Medien ein bisschen falsch dargestellt worden. Die Band hat mich quasi entlassen, und zwar aus dem Grund, weil mein Engagement damals nicht mehr gestimmt hat. Dem war sicherlich auch so. Andererseits beruhte dieses fehlende Engangement auf einigen persönlichen Problemen, die zu der Zeit einfach nicht ausgesprochen worden waren. Dann kam es halt zum Knall, und es brauchte etwa ein halbes Jahr, bis wir wieder zusammengefunden hatten. Es war an mir gelegen, wieder auf die Jungs zuzugehen. Sie hatten auch noch keinen neuen Sänger gefunden und ich keine neue Band. Warum also sollten wir nicht weiterführen, was einmal gut gepasst hatte? Was früher schon besprochen hätte werden sollen, wurde eben erst dann besprochen.

Es war letztes Jahr livemässig auch ziemlich still um Euch. Beruhte das auf diesem kurzfristigen Split?

Karsten Der Split war im März 99 gewesen, und das erste Konzert, das wir wieder zusammen gemacht hatten, fand im Juni des letzten Jahres statt. Seither haben wir lediglich etwa fünf oder sechs Konzerte gegeben. Daher sind wir auch scharf darauf, demnächst live wieder zuzuschlagen.

Wenn wir grad bei den Konzerten sind. Ich habe von einer alten Tour gelesen, bei der ihr mit Bolt Thrower, Totenmond und Crowbar unterwegs gewesen seid. Ein wahnsinnig mächtiges Package!

Karsten Wir haben auf dieser Tour die Deutschland Konzerte mitgespielt, welche übrigens alle supergut besucht gewesen waren.

Eure neue Platte heisst Worst Enemy, der schlimmste Feind. Wer ist denn Eurer Meinung nach der schlimmste aller Feinde?

Karsten Das ist eher so gemeint, dass es für jeden einzelnen Menschen verschiedene schlimmste Feinde gibt. Die meisten Titel auf der CD weisen auch immer wieder auf dieses Thema hin, obwohl Worst Enemy kein Konzeptalbum oder sowas ist. Es geht darum, dass man sich ab und zu in die Scheisse reinreitet, zum Beispiel in eine Sucht oder sowas, und die wird dann zum schlimmsten Feind.

Auf Worst Enemy gibt es ein paar Titel, vor allem die sehr emotionalen wie beispielsweise Misery oder Denial, die bei mir persönlich eine Umkehrreaktion auslösen. Sie sind sehr hart und sehr brachial, versetzen mich aber komischerweise in eine eher nachdenkliche oder melancholische Stimmung anstatt mich aufzupeitschen. Klingt das komisch für Dich?

Karsten Nun, ich würde sowieso nicht sagen, dass unsere Musik böse oder sowas ist. Ich meine eher, dass man sehr viel Kraft und Mut daraus schöpfen kann. Das ist eigentlich auch die Grundaussage bei vielen von unseren Liedern. Eine positive Aussage also. Ich höre oft, unsere Musik würde bedrückend anstatt positiv wirken.

Kannst Du Dich noch an den ersten Tag von Disbelief erinnern? Wie alles dazu kam?

Karsten Hm, nein, eigentlich nicht. Das hat sich ja damals auch nicht so von einem Tag auf den anderen entwickelt und ist nun schon etwa 11 Jahre her.

Kannst Du Dich an das übelste Konzert von Disbelief erinnern?

Karsten Ouuh, .... das übelste Konzert. Na ja, am letzten Samstag habe ich mich bei einem Konzert zum ersten Mal übergeben.

Warst Du nervös oder besoffen?

Karsten Nicht nervös und auch nicht besoffen, nur fertig und ausgepowert. Das war irgendwie auch kein richtiges Kotzen, eher weisser Schaum. Aber das war ja nichts Schlimmes, eigentlich schon eher cool, hehe.

In der Tat, eine nette Showeinlage.

Karsten Die Leute haben das gar nicht gesehen.

Aha, hast Du Dich hinter den Drums übergeben?

Karsten Ja, sowas in der Richtung. Aber ein richtig übles Konzert ..., hm, warte mal. Auf der Tour mit Bolt Thrower, Totenmond und Crowbar haben wir einen Monat lang immer drei Mal pro Wochenende in Holland ein Konzert gespielt, was ziemlich frustrierend war, da pro Auftritt nur ungefähr drei oder vier Zuschauer anwesend waren. Das war eine superschlimme Zeit für uns. Alle waren unzufrieden, und dadurch kam es schlussendlich auch zum Split.

Ihr seid ja Hessen, drum folgende Klischeefrage. Stimmt es, dass die Hessen den ganzen Tag "Oeppelwoi" (= Apfelwein, verzeihung, wenn's falsch geschrieben ist, mein Hessisch ist etwas eingerostet - Verf.) trinken?

Karsten Haha. Das ist vielleicht ne Frage! Nein, auf keinen Fall. "Oeppelwoi" gehört eher in den Frankfurter Raum. Wir trinken das zwar auch, aber nicht nur, eher Bier. "Oeppelwoi" ist auch eher ein typisches Sommergetränk, das man dann im Biergarten trinkt.

Schon klar, dass diese Klischees nicht stimmen, aber jedes Land hat halt trotzdem seine eigenen.

Karsten Klar, so wie die Amis denken, dass alle Deutschen Bayern sind. (they're not? - Anm. d. Vereinigten Staaten)

Welche Platte aus Deiner Plattensammlung dürfte man Dir niemals wegnehmen und von welcher Platte, die Du gekauft hast, behauptest Du steif und fest, dass man sie Dir "nur geschenkt" hat?

Karsten Eine Platte, die ich nie hergeben würde, ist auf jeden Fall die Odd Fellows Rest von Crowbar. Und die andere Sache .... da fällt mir im Moment spontan keine ein. Ehm, nein, echt, da kann ich jetzt grade nichts dazu sagen.

dann lasset uns schweigen ...


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