Flowing Tears - selbst ist die Band (Interview, 1999)

Hinweis: Dieses Material stammt aus 'Restbeständen' eines gedruckten Magazines aus der Schweiz, welches "The Truth" hiess und leider die Pforten schliessen musste. Einer der ehemaligen Macher, Pascal, hat uns gefragt, ob wir diese unveröffentlichte Artikel bringen wollen, da es schade wäre, wenn sie einfach irgendwo in einer Schublade verstauben würden. Ganz klar, gerne sogar, keine Frage, here we go!

Die kennen viele von euch noch von dem Interview, das ich mit ihnen führte, als ihr Album Joy Parade herauskam. Und jetzt sind sie wieder da, besser als jemals zuvor, mit einem neuen Label im Rücken. Scheinbar fühlen sie sich von einer tonnenschweren Last befreit, denn das neue Werk klingt frisch und frei und macht einfach Spass beim Hören. Sorry, ist schön melancholisch beim Hören. Spass ist da wohl der falsche Ausdruck. Jade ist für mich einfach eine konsequente Fortsetzung ihrer eigenen Visionen, und die sind einfach schon fast zu genial. Ich dachte schon beim letzten Album, dass sie ausbrennen werden, da sie doch eine sehr junge Band sind. Und die haben es ja bekanntlich schwerer in der Umsetzung ihres Sounds und verglühen dann einfach still und leise am Horizont. Aber Flowing Tears scheinen zum Glück eine der wenigen Ausnahmen zu sein. Ich sprach wieder mit Benjamin und Stefanie. Falls sich einer wundert ..., sie ist scheinbar nicht so sehr daran interessiert, etwas zu sagen, sondern überzeugt viel mehr durch gesangliche Leistung.


Verrate mir mal, warum ihr nun doch euren Namen gekürzt habt.

Stefanie: Na ja, den kompletten Namen zu behalten war ja nicht so einfach. Der war einfach zu lang.

Benjamin: Es war ja so, dass uns sowieso jeder nur Flowing Tears nannte. Und jetzt war es einfach mal Zeit dafür. Ich denke aber, dass die Leute schon wissen, wer wir sind.

Dadurch, dass ein Track von euch auf der Rock Hard CD war, seid ihr ja nun quasi von der schlechten zur guten Seite gewechselt.

Benjamin: Das ist schon relativ. Es gibt durchaus Leute, die da anderer Meinung sind.

Mal ehrlich, mit dem italienischen Label wart ihr doch nicht wirklich glücklich, oder?

Benjamin: Nee, natürlich nicht. Für uns ist das nun eine ganz andere Welt. Die Möglichkeiten, die wir jetzt haben, sind ganz anders. Und bei Joy Parade ist halt nicht so viel gelaufen, da das Label auch nicht so viel tat. Danach dachten wir schon, dass, bevor wir so weitermachen, es lieber selbst in die Hand nehmen. Wir hatten halt Glück, nachdem wir die Swallow EP gemacht haben, dass diese so vom Rock Hard gefeatured wurde. Dadurch interessierten sich dann doch einige Label für uns, obwohl wir weder True noch Black Metal machen.

Was mir unheimlich gefiel war, dass ich beim ersten Hören das Gefühl hatte, nur ein Stück namens Jade anstatt verschiedene Songs gehört zu haben. Alles klingt sehr geschlossen, so dass es schwer ist, aus dem Ganzen einen einzelnen Song herauszuheben.

Benjamin: Ja, im Vergleich zu Joy Parade ist auf Jade viel mehr Linie drin. Joy Parade war doch viel experimenteller mit mehr Keyboard. Bei Jade haben wir mehr darauf geachtet, dass es nach einer Band klingt.

Es gibt jetzt immer noch Leute, die euch unter Gothic Rock einordnen...

Benjamin: Na ja, ich habe da kein Problem mit, ich weiss nur nicht, was das ist.

Wollte ich dich gerade fragen, was du unter Gothic Rock verstehst.

Benjamin: Nee, bloss nicht. Ich meine, wenn dann doch eher Gothic Metal, denn mit einem Bein stehen wir ja immer noch im Metal, finde ich. Eigentlich bin ich sogar der Meinung, dass Jade doch um einiges härter geworden ist als Joy Parade. Gothic Rock ist für mich eher Lacrimosa oder The Gathering. Doch ich habe keine Probleme damit. Unsere Musik ist ja auch melancholisch.

Und wo kommt diese Melancholie her?

Benjamin: Aus dem täglichen Leben. Die entsteht aus Stimmungen, die ein jeder mal hat. Bei mir ist es dann halt so, dass ich Songs für Flowing Tears schreibe. Ich könnte keine Songs schreiben, wenn ich klasse gelaunt bin. Ich denke, wenn ich schlecht drauf bin oder down, habe ich die richtige Basis, um Songs zu schreiben. Daher kommt dann auch die Stimmung der Songs.

Stefanie: Ja, ich denke auch, dass es aus dem Innern kommt. Es hat schon sehr viel damit zu tun, wie man drauf ist.

Wie ist es denn, wenn du die Songs schreibst? Machst du dir da extra Gedanken darüber, wie Stefanie diese wohl umsetzen wird?

Benjamin: Doch, ein bisschen schon. Wenn ich sie schreibe, mache ich mir schon Gedanken und habe auch schon ein Bild im Kopf, wie er klingen wird. Das arbeite ich dann aber noch mit Steffi gemeinsam aus, denn gerade bei dem neuen Material haben wir sehr darauf geachtet, dass der Gesang genug Platz hat um sich zu entfalten.

Das stelle ich mir nicht leicht vor.

Benjamin: Na ja, wir kennen uns nun auch schon recht gut, da wir dreieinhalb Jahre in der gleichen Besetzung spielen. Wir wissen schon, was wir so zu leisten im Stande sind und von uns verlangen können. Es war sogar so, dass wir beim neuen Material viel mehr auf unsere Stärken eingegangen sind, auch gerade auf die Stimmlage. Aber es gibt bei uns auch schon mal Krach im Proberaum beim Song schreiben, und da sind wir meist sogar am kreativsten.

Ihr wart ja jetzt im Woodhouse Studio. Hattet ihr nicht Angst davor, so zu klingen wie die meisten, die dort waren?

Benjamin: Es ist kein Geheimnis, dass Bands, die im Woodhouse waren, auch den typischen Sound haben. Das war uns schon klar, und wenn wir das nicht gewollt hätten, wären wir in ein anderes Studio gegangen. Bei uns war es auch so, dass wir schon wissen, wie wir klingen wollen, und ich hatte so auch keine Angst, dass wir dort unsere Identität verlieren würden. Also mir gefällt der Sound so wie er ist, und es war schon eine gute Entscheidung, dorthin zu gehen.

Seid ihr denn jetzt der Meinung, dass ihr euren Stil gefunden habt?

Benjamin: Ja, ich denke schon. Obwohl das jetzt auch zuviel gesagt ist, da wir uns sicher noch weiter entwickeln werden. Aber man kann schon hören, dass wir unseren Stil gefunden haben, und auch erkennen, dass es Flowing Tears ist!


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The Renewal

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