Immortal Tears - Dracula ist langweilig (Interview, 2001)

Dass ausgerechnet aus Tschechien eine mögliche Rettung für die mittlerweile etwas verarmten melodic Black Metal Fans kommen würde, das hätte wohl keiner gedacht. Nun, für umfassende Massenevakuationen aus der melodic Black Metal Trübe sind Immortal Tears noch ein wenig zu unbekannt. Potential haben sie aber allemal, und so sollen sie hier und jetzt die Möglichkeit bekommen, etwas über sich zu erzählen. Grief, Frontmann und Sänger von Immortal Tears, hat uns Rede und Antwort gestanden.

Ihr habt Euch 1996 gegründet, aber es dauerte noch ein ganzes Jahr, bis Ihr wirklich mit der Band starten konntet, denn einer Eurer Gitarristen hat Euch gleich zu Beginn wieder verlassen. Als Yann, der neue Gitarrist, dazukam, schien es richtig loszugehen. War er eine "treibende Kraft" für Euch?

Grief: Ja, natürlich. Er hat uns aus unserer tiefen Monotonie geholt. Bevor er zur Band kam, spielten wir simple Musik ohne jegliche Ideen. Er ist ein sehr erfahrener Musiker und wurde zu unserer Hauptperson für Musikfragen. Er lehrte uns, unsere Instrumente zu spielen.

Euer Albumtitel beginnt mit dem Wort Lasombra. Was bedeutet es?

Grief: Ich interessiere mich sehr für Computer Rollenspiele wie AD&D, Shadowrun usw. In der Band spielen wir gerne Vampire, the Masquerade. Dieses Spiel wurde von einer amerikanischen Firma namens White Wolf herausgebracht. Lasombra ist einer der 13 Vampir Clans, die von Kain, welcher bekanntermassen der Bruder von Abel war, erschaffen wurde. Kain tötete seinen Bruder Abel und versteckte sich danach vor Gottes Antlitz in den Schatten. Dadurch wurden seine Kinder zu Vampiren. Lasombra ist der Anführer des Sabbat Clans, also wirklich Sabbat und nicht Sabath. Sabbat ist der herrschende Clan. Sie spielen mit den Schatten und dem Verstand aller Lebenwesen, seien sie nun sterblich oder unsterblich. Genau wie wir ...

Hinter dem Album steht eine konzeptionelle Story. Kannst Du uns etwas darüber erzählen?

Grief: Ich liebe die Geschichten von King Diamond und kann dessen Einflüsse nicht verleugnen. Ich begann, die Lyrics zu schreiben, und plötzlich bildete sich daraus eine ganze Story. Es ist die Erzählung von Jonathan, der schwer unter dem Tod seiner Frau leidet. Auf dem Friedhof trifft er Aaron, einen Vampir des Lasombra Clans. Dieser bietet Jonathan ewiges Leben an. Nach ein paar Jahren ist aus Jonathan ein vollwertiges Vampir-Mitglied geworden. Er trennt sich von Aaron und beginnt, sein neues Untotenleben zu leben. Er trifft auf Anabelle und macht sie ebenfalls zur Untoten, was sich als schlechte Entscheidung erweist, denn sie "tötet" seine Liebe ... das ist das Ende der Geschichte (schluchz - Red.). Die konzeptionelle Story basiert allerdings nicht direkt auf der Erzählung selbst. Hier geht es um die Gedanken dazu. Es handelt sich dabei eher um ein philosophisches und psychologisches Werk. Der Name Jonathan stammt übrigens aus King Diamond's Abigail, Aaron von der Band My Dying Bride, dem besten Vokalisten, den ich kenne, und Anabelle aus Poe's Dichtungen.

Kurz vor dem Ende des Songwritings für das Album starb Euer Gitarrist Ewnissien. Was bedeutet das für die Zukunft der Band? Hatte Ewnissien einen grossen Einfluss auf das Songwriting?

Grief: Ewnissien wird für immer unser Freund sein. Wir glauben, dass sein Tod nicht vergebens gewesen ist. Er war ein sehr guter Gitarrist, aber zu den Songs für Lasombra hat er nicht sehr viel beitragen können.

Ich kenne mich in der tschechischen Metalszene nicht aus, aber ich kann mir vorstellen, dass es dort nicht allzu viele Black Metal Bands gibt. War es schwierig für Euch, in Eurem eigenen Land als Künstler beachtet zu werden?

Grief: Du hast Recht. Es gibt nicht viele Black Metal Bands in unserem Land, und wenn, dann spielen sie den klassischen, norwegischen Stil oder auch True Black Metal, wie sie es nennen. Bis heute haben wir lediglich eine Band getroffen, die ebenfalls atmosphärischen Black Metal spielt, aber die hatten null Image, haha. Nicht, dass das ein Problem für uns gewesen wäre, aber wir sind nun mal Exhibitionisten und lieben lebhafte Liveshows.

War es nicht schwierig für Euch, einen Produzenten aufzutreiben, der Euch den Sound geben konnte, den Ihr wolltet? Ich kann mir vorstellen, dass es nicht einfach war, jemanden zu finden, der genügen Erfahrungen in diesem Genre besitzt.

Grief: Wir hatten eigentlich keinen Produzenten. Der Sound ist durch uns selbst und mit der Hilfe von Ondra Martinek zustande gekommen. Ondra ist der Besitzer des Studios, in dem wir unsere CD aufgenommen haben. Er unterstützte uns mit seinem exzellenten, technischen Equipment und seiner unendlichen Geduld.

Ich habe im Review Aehnlichkeiten zu Bands wie Diabolical Masquerade und den früheren Cradle Of Filth oder Dimmu Borgir genannt. Sind das die Bands, die Euch beeinflusst haben, auch bezüglich des Vampir Images oder liegen diese ganz woanders?

Grief: Ja, ich gebe zu, dass diese Bands uns beeinflusst haben. Wir lieben diese Bands, aber von Diabolical Masquerade haben wir noch nie etwas gehört. Ist das nicht das Projekt eines Mitglieds von Katatonia? (rischtisch - Red.) Ich interessiere mich schon sehr lange für die Vampirthematik. Ich glaube an Blut, Sex und andere tolle Sachen, haha.

Es gibt wahnsinnig viele Geschichten und Legenden über "die Kreaturen der Nacht", aber es scheint so, als würde der Vampir die Menschen am meisten faszinieren. Was glaubst Du, ist der Grund dafür?

Grief: Vampire sind die erhabensten Geschöpfe der Nacht. Sie sind adlig, intelligent und verführerisch. Um Dich mit ihnen zu amüsieren, musst Du mit Deinem eigenen Blut bezahlen. Die Frage ist, ob dieser Preis nicht zu hoch ist? Wenn Du beispielsweise die Werwölfe nimmst ... die können ihre Natur nicht verbergen. Sie sind zu animalisch, um sich selbst unter Kontrolle zu halten.

Wenn ich Dir drei Vampirfilme anbieten würde, den alten Klassiker Nosferatu mit Max Schreck, einen Dracula Film mit Vincent Price oder den modernen From Dusk Til Dawn Streifen von Quentin Tarantino, welchen würdest Du nehmen?

Grief: Nosferatu finde ich sehr beeindruckend. Dracula ist langweilig, abgesehen vom Soundtrack des letzten Dracula Films, der war sehr gut. From Dusk Til Dawn ist der übelste Film mit Vampiren, den ich jemals gesehen habe. Einer meiner Lieblingsfilme ist Annie Rice's Interview With A Vampire.

Eure Liveshows scheinen sehr aussergewöhnlich zu sein. Erzähl doch mal etwas darüber.

Grief: Bei unseren Shows geht's sehr lebhaft zu. Es fliesst jede Menge Blut über die Bühne, und die Zuschauer werden von uns "verführt". Die Leute sagen über unsere Konzerte, dass man sich fühlt, als wäre man ein Teil der Show. Ich hoffe, dass wir mal in Eurem Land spielen können. Dann könnt Ihr es mit eigenen Augen sehen.

Die CD wurde eigentlich schon im Dezember 2000 veröffentlicht. Ich nehme an, Ihr arbeitet bereits an neuem Material. Was kann man davon erwarten?

Grief: Ja, wir arbeiten natürlich bereits an neuem Material. Es wird schneller und etwas brutaler werden. Allerdings werden die Melodien, wenn auch ein wenig versteckt, immer noch vorhanden sein. Unsere neuen Songs sind nicht mehr ganz so "sweet" wie diejenigen auf dem Vorgängeralbum. Was man von ihnen erwarten kann? Blut, Sex, Verführung und vieles mehr. Ich grüsse die Schweiz und hoffe, dass das Blut Eurer Venen meinen untoten Körper erfüllen wird.

... wir grüssen zurück und hoffen letzteres für Immortal Tears nicht, denn es macht ja irgendwie keinen Sinn, seine eigene Fanbase auszurotten, oder?


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The Renewal

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