Kataklysm - der Bassist, das unbekannte Wesen (Interview, 2001)

Kataklysm sind offensichtlich gerne in Europa, auch wenn Bassist Stéphane das Fliegen hasst und daher lieber mit dem Auto oder dem Zug den grossen Teich überqueren würde. Dennoch freut er sich, wieder mal hier zu sein, und dass über ihn als Bassist sonst niemand spricht, macht ihm nicht das Geringste aus ... er spricht ja schliesslich auch nie über andere Bassisten. Dass Stéphane trotzdem etwas zu sagen hat, werdet Ihr gleich merken, denn schliesslich war er ja unser Gesprächspartner beim Kataklysm Interview.

Bei Victims Of The Fallen World übernahm Maurizio, der zuvor Bass gespielt hatte, erstmals die Vocals, also gleich nachdem Sylvain die Band verlassen hatte. Seither, so scheint es, ist die Musik von Kataklysm, insbesondere seit The Prophecy und dem aktuellen Epic, immer melodiöser geworden. Gibt es zwischen dem Line-Up Wechsel und der Stilveränderung einen Zusammenhang?

Stéphane: Nein, ich glaube nicht. Wir sind einfach nur älter geworden, haha. Aber im Ernst. Wir mögen melodische Musik, und sie ist auch ein Teil von uns. Die Melodien waren immer da, schon bei Sorcery (1995 - Verf.), in gewisser Weise jedenfalls. Ich denke daher nicht, dass sich die Musik von Kataklysm wirklich verändert hat. Wir sind sicher ein bisschen melodischer geworden, weil Gitarre und Bass mehr Harmonien spielen als früher. Dennoch meine ich, dass wir immer noch sehr heavy sind, einfach auf eine andere Art und Weise.

Habt Ihr denn schon einige Reaktionen von alten Fans auf das neue Album erhalten?

Stéphane: Ja, einige meinten sogar, die Platte ginge wieder voll zu unseren Roots zurück! Das Ganze ist relativ verwirrend, weil Du teilweise völlig unterschiedliche Meinungen hörst. Wie gesagt. Ich denke nicht, dass die Melodie der Heavyness schadet. Du kannst melodisch und hart aber auch straight forward und lasch sein. Die neuen Songs wurden etwa einen Monat vor dem Gang ins Studio von JF, Maurizio und mir geschrieben, und keiner von uns hat sich vorher darüber Gedanken gemacht, wie sich die Songs am Schluss anhören sollten. Dass ich ebenfalls an den Songs mitgeschrieben habe, liegt daran, dass ich vor Kataklysm zwölf Jahre lang Gitarre gespielt habe. Daher konnte ich mich gut in das Material einbringen.

Warum hast Du denn von der Gitarre zum Bass gewechselt?

Stéphane: Ich habe nicht gewechselt, ich spiele jetzt beides, haha. Ich habe Max (drummer - Verf.) vor ca. zehn oder elf Jahren getroffen, und er ist mein bester Freund geworden. Wir arbeiteten damals am gleichen Ort, und ich habe erlebt, wie er mit Kataklysm angefangen hat. Ich sah sogar seine erste Show in Montreal. Wir sind die ganze Zeit über in Kontakt geblieben, und als Sylvain wie auch Nick Miller (Max war zeitweise ausgestiegen und durch Miller ersetzt worden - Verf.) Kataklysm verlassen hatten, musste sich die Band neu formieren. Maurizio übernahm die Vocals, JF blieb an der Gitarre und Max kam wieder zurück. Nun brauchten sie noch einen neuen Bassisten, und Max fragte mich, ob ich Lust hätte, bei ihnen einzusteigen. Zuerst wusste ich nicht so recht, ob ich das tun sollte, weil ich bis zu diesem Zeitpunkt noch nie Bass gespielt hatte. Aber dann dachte ich: "Egal, wieso nicht?", spielte vor und bekam den Job.

Jetzt ist es ja so, dass immer alle über die Sänger, die Gitarristen und vielleicht noch über die Drummer reden. Aber niemand spricht von den Bassisten, obwohl die ja eine wichtige Funktion in der Band haben. Machst Du den Job trotzdem gerne?

Stéphane: Ja klar! Aber ich weiss, was Du meinst. Das ist absolut kein Problem für mich. Ich kenne das ja auch. Da sehe ich einen Gitarristen und sage: "Wow, schau Dir diesen Riff an!". Über die Bassisten spreche ich auch nie, haha.

Wie hat sich denn Maurizio am Anfang auf der Bühne ohne Bass gefühlt? Irgendwie nackt?

Stéphane: Ja, haha, das war total witzig. Er sagte: "Was soll ich machen? Ich habe kein Instrument! Wie soll ich mich bewegen und wo soll ich hin?" Damals, 1997, war die ganze Situation sowieso ziemlich verwirrend gewesen, da wir uns zu dieser Zeit allgemein neu orientieren mussten. Ich fühlte mich übrigens genau gleich wie Maurizio. Ich hatte ihm damals seinen alten Bass abgekauft und wusste auch nicht, wie ich mich damit auf der Bühne verhalten sollte.

In der Musik von Kataklysm gibt es einige amerikanische Death Metal Einflüsse, aber auch ein paar europäische ...

Stéphane: Nun ja, ursprünglich haben mich AC DC zum Metal gebracht. Musikalisch wurde ich danach vor allem von Death, Deicide und Morbid Angel beeinflusst. JF wiederum liebt schon seit seiner Kindheit Iron Maiden, und möglicherweise sind daraus einige melodische Parts bei Kataklysm entstanden. Ich persönlich mag zudem auch Bands wie In Flames, Hypocrisy oder Crematory.

Ihr habt Eure Kanada Tour im August absagen müssen. Wieso das denn?

Stéphane: Ja, aber die genauen Gründe dafür können wir momentan noch nicht nennen. Also eigentlich ist es ja so, dass wir schon bald mit Marduk auf Tour gehen, genauer gesagt in etwa zwei Wochen. Wir treten dabei an allen Orten auf, an denen wir auch auf der August Tour aufgetreten wären, und es hätte ja keinen Sinn gemacht, innert kürzester Zeit zwei Mal an den selben Orten zu spielen, zumal wir mit Marduk zusammen ein echt starkes Package zu bieten haben!

Ich habe gelesen, dass ihr am diesjährigen Milwaukee Festival in den Staaten aufgetreten seid, einer Veranstaltung, von der man in den letzten Jahren ja immer mehr liest, besonders hier in Europa. Erzähl uns mal etwas darüber.

Stéphane: Ok. Die Veranstalter mieten jedes Jahr ein riesiges Festival Gelände, und während zwei Tagen spielen dort ununterbrochen wirklich coole Bands, und das auf vier Bühnen! Wir traten auf dem diesjährigen Festival am zweiten Tag, also am Samstag, auf. Vor uns spielten Dying Fetus, und nach uns machten Lymbonic Art die Schlussshow. Das Festival war grossartig - vollgepackt mit tollen Acts!

Lass uns nochmals über Victims Of The Fallen World sprechen. Zu diesem Zeitpunkt hattet Ihr ja Nuclear Blast verlassen, um das Album über ein Label namens Hypnotic International herauszubringen.

Stéphane: Zu diesem Zeitpunkt unterschieden sich die Vorstellungen der Plattenfirma von denjenigen der Band einfach zu sehr. Victims Of The Fallen World war ja "mein" erstes Album gewesen, und ich finde eigentlich schon, dass es sehr heavy ist. Aber das Cover und die Produktion schienen wohl nicht zum "Kataklysm-Profil" zu passen. Ich persönlich denke, dass die Leute nur deswegen Kataklysm damals so stark kritisiert haben. Zu dieser Zeit standen wir auch im Studio vor grossen Problemen. Wir kamen mit dem Equipment nicht zurecht und hatten weder genügend Geld noch ausreichend Zeit zur Verfügung. Würden wir das Album heute nochmals machen, würde es wohl anders klingen.

Dann gibt es also nichts, was Ihr bereuen müsstet.

Stéphane: Absolut nichts.

Das aktuelle Album Epic wurde von Eurem Gitarristen JF produziert. Ist das nicht eine etwas seltsame Situation? Da ist einer ein ganz normales Bandmitglied, und plötzlich steigt er im Studio "zum Boss" auf?

Stéphane: Nein, gar nicht, weil JF echt grossartig und geduldig ist. Zudem ist er ein Perfektionnist. Er hört es sofort, wenn Du eine Note falsch spielst.

Du warst ja schon ein paar Mal in Europa. Hat's Dir hier gefallen und was hat Dich besonders beeindruckt?

Stéphane: Absolut! Verschiedene Kulturen, die andere Art zu denken und zu handeln. Ich bin total gerne hier. Ich war auch schon vor Kataklysm ein paar Mal in Europa. Meine Eltern sind in Belgien geboren, und daher habe ich noch Familie und viele Freund hier. Wenn man zum Reisen nur kein Flugzeug besteigen müsste ... haha! Ich hasse es zu fliegen. Wenn's einen Zug nach Europa gäbe oder man mit dem Auto fahren könnte, wäre mir das bedeutend lieber!

Ihr habt Euer Album Epic, The Poetry Of War genannt. Wir wissen alle, dass Krieg schrecklich und hässlich ist. Aber wo seht Ihr die Poesie dabei?

Stéphane: Das ist jetzt etwas schwierig zu erklären. Krieg hat es schon immer gegeben, seit Anbeginn der Zeit, und so wird es, auch wenn Krieg sehr schlimm ist, immer sein. Krieg und Poesie haben eine Art Vertrag miteinander, sind eigentlich gegensätzlich und bewegen sich dennoch in die selbe Richtung. Es wird auch in Zukunft immer Kriege unter den Menschen geben - leider. Ich hasse Kriege, fuck, yeah.


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The Renewal

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