Pungent Stench - unterhaltend, sarkastisch und gemein (Interview, 2001)

Wahrscheinlich geht es aus dem geschriebenen Text nicht so deutlich hervor, aber Pungent Stench Drummer und Texteschreiber Alex Wank ist ein echter Chef-Sarkastiker. Wie soll es auch anders sein, denn schliesslich lebten Pungent Stench in der Vergangenheit von genau dieser Eigenschaft. Nach jahrelanger Abwesenheit raffen sich die Österreicher nochmals auf, um die Metalwelt mit ihrer völlig eigenen (Ab-)Art des Death Metals erneut zu beglücken. Masters Of Moral - Servants Of Sin heisst der Titel des neuen Albums, und nach Splatter, Gore und sexuellen Ausschweifungen wird jetzt auch bei Pungent Stench die Religion zum Thema. Was es sonst noch Neues über die Wiener Kultband zu berichten gibt, könnt Ihr im folgenden Interview nachlesen.

Viele Leute werden Pungent Stench ja nur noch vom Namen her kennen. Gib uns doch mal einen kurzen Abriss über die ersten Tage der Band.

Alex Wir haben im Februar 1988 mit Pungent Stench angefangen. Ich hatte damals gerade meine erste Band aufgelöst und mit Martin, dem Gitarristen und Sänger, schon einige Jam Sessions durchgezogen. Irgendwann haben wir dann beschlossen, etwas gemeinsam zu machen und uns einen Bassisten gesucht. Damals waren wir nichts weiter als Fans, die selber etwas ausprobieren und auf die Beine stellen wollten.

Gab es für die musikalische wie auch konzeptionelle Ausrichtung der Band eine treibende Figur oder lagt Ihr ohnehin alle auf der gleichen Linie?

Alex Martin und ich hatten zumindest musikalisch mehr oder weniger die gleichen Interessen. Wir wussten beide, was wir in etwa wollten. Die Texte und das Konzept für die Band spiegelten meinen damaligen Geschmack wieder, und der Rest hat sich anschliessend von selber weiterentwickelt.

Hattet Ihr zu dieser Zeit durch Euer "Erscheinungsbild" irgendwelche Probleme mit der österreichischen Obrigkeit?

Alex Überhaupt nicht. Es gab nie irgendwelche Berührungspunkte. Vielleicht waren wir auch einfach nur zu unwichtig. Ich weiss es nicht.

Im Jahre 1994 machtet Ihr dann eine Pause, die in einen Split "ausartete". Was war der Grund dafür?

Alex Das stimmt nicht ganz. Wir haben 1994 noch eine Platte veröffentlicht, nämlich Mondo Bizarre. Wir tourten 1994 und 1995 noch in Europa und in den Vereinigten Staaten. Aber plötzlich hatten wir keine Lust mehr - auf uns selbst, aber auch auf das ganze Drumherum. Wir hörten noch im gleichen Jahr auf. Mittlerweile verstehen wir uns aber wieder viel besser, und die Lust auf die Musik ist auch wieder da. Die Jam Sessions hatten sehr viel Spass gemacht, aber dass wir eine Platte aufgenommen haben, hat sich mehr oder weniger einfach so ergeben.

Der Zeitpunkt der Reunion war also nicht geplant?

Alex Überhaupt nicht. Martin und ich haben uns bei Nuclear Blast bezüglich einiger Re-releases getroffen. Die anschliessenden Sessions kamen ganz spontan zustande.

Einerseits seid Ihr durch Eure Musik bekannt geworden, andererseits aber auch durch "Euer schlechtes Benehmen". War das für Dich jemals ein Problem?

Alex Mir is soundso olles Wuerscht wo die Leut über uns oder mich schreib'n. (o-tone sozusagen, hehe - Verf.) Ich mache einfach das, was mir Spass macht. Ich bin einerseits ein sehr sarkastischer Mensch, andererseits aber auch ein sehr kritischer, und das äusserst sich dann eben in meinen Texten. Wenn ich mich über diese amüsieren kann, dann, so denke ich, sind sie auch gut genug für Pungent Stench. Im Endeffekt will ich unser Publikum unterhalten, und diejenigen, die eh nicht mit uns klarkommen, werden halt schockiert sein.

Ist es denn so, dass Pungent Stench diese ganzen Gore- und Splatterbands eigentlich mehr "auf die Schippe" nimmt?

Alex Ganz am Anfang haben wir diese Gore- und Splattergeschichte schon ein bisschen zu ernst genommen, aber irgendwann machten wir uns dann eher einen Spass daraus. Wir hatten unsere Goreplatten Ende der 80er anfangs der 90er Jahre. Die "sexuellen Platten" kamen später. Momentan befinden wir uns in unserer "religiösen Phase".

Was wird man denn auf dieser "religiösen Platte" an Texten so zu hören bekommen? Überkritisch werden sie wohl kaum sein, oder?

Alex Nein, auf gar keinen Fall. Ich bin ja kein Liedermacher oder sowas. Viele der Texte drehen sich um Religion, im Speziellen um den katholischen Glauben, über die Kirche, den Vatikan, über dessen Abartigkeiten und das ganze, kranke System. In diesem Bereich findest Du immer gute Geschichten, denn da passiert dauernd etwas. Dort gibt's pädophile Pfarrer, andere sexuelle Ausschweifungen und noch vieles mehr. Diese Geschichten inspirieren mich, denn aus denen mache ich wunderbare Lyrics für uns, natürlich auch mit einer Spur von Kritik zwischen den Zeilen. Trotzdem sind sie gleichzeitig sehr unterhaltend, sarkastisch, aber auch gemein. Auch die Symbolik der Kirche gefällt mir sehr gut, von den Gewändern bishin zu den Kreuzen. Alles sehr schwer und steif - also völlig optimal für unsere momentane, neue Richtung, haha.

Fühltet Ihr Euch bei der neuen Platte ein bisschen verpflichtet, zumindest ein wenig nach den "alten Pungent" klingen zu müssen? Vielleicht wegen der alten Fans?

Alex Nein. Wir wollen ja auch nicht mehr so klingen wie früher, denn das ist lange her. Es muss sich nicht immer alles wiederholen. Du sollst Pungent Stench sicherlich sofort erkennen. Dafür haben wir unsere bestimmten Trademarks. Die sind da und die sollen auch da bleiben. Dennoch wollen wir uns weiterentwickeln und auch mal etwas Neues machen, und wenn man sich die alten Platten von uns durchhört, wird man feststellen, dass sich eigentlich jedes Album etwas anders anhört als das vorangegangene. Wir stellen mittlerweile auch an uns selbst höhrere Ansprüche. Die neue CD ist technischer, anspruchsvoller, besser produziert und auch kompakter.

Pungent Stench kann man ja je nach Geschmack zwischen Müll und Kult einordnen. Lemmy von Mötörhead hat mal gesagt, dass er froh wäre, wenn er ebenso viele Platten wie T-Shirts verkaufen würde. Hattet Ihr damals ein ähnliches Problem? Dass Euch viele Leute zwar gekannt aber nicht unbedingt gekauft haben?

Alex Wir haben wie alle anderen auch ganz klein angefangen, und am Anfang wurden wir sogar völlig ignoriert. Für die ersten zwei drei Releases gab es überhaupt keine Presse. Man darf auch nicht vergessen, dass Nuclear Blast, als wir anfingen, noch ein ganz kleines Label war, welches aus einem Wohnzimmer heraus gemanaged wurde. Wir sind mit diesem Label zusammen gewachsen und haben uns dadurch auch gegenseitig grösser gemacht. Der Anfang war hart, aber so war und ist nun mal der Underground. Ursprünglich wollten wir uns lediglich einen gewissen Status in den Tapetrading-Kreisen erspielen, sind dafür überall aufgetreten und haben im Verlaufe der Zeit Platte um Platte gemacht. Ab Been Caught Buttering (1991 - Verf.) haben wir dann schon sehr gut verkauft und konnten eigentlich fast überall in der Welt spielen. Was will man mehr erreichen? Wir konnten sogar beinahe von unserer Musik leben. Klar, ein "Mainstream-Thema" waren wir nie und werden wir auch nie sein. Abgesehen davon möchte ich das auch gar nicht.

... wobei die Werbetrommel für Euch schon arg gerührt wird, oder?

Alex Ich weiss gar nicht, was diesbezüglich so alles passiert. Ich bekomme das gar nicht so recht mit. Nuclear Blast werden sicherlich etwas machen. Als Plattenfirma sind sie ja auch dafür da, und ihre Kosten einspielen wollen sie schliesslich ebenfalls. Die Leute kaufen so oder so nur das, was ihnen gefällt.

Du glaubst also nicht, dass eine gewisse Medienstärke bei den Plattenverkäufen hilft?

Alex Klar, wenn Du stark präsent bist, wird man Dich eher mal anhören oder zumindest über Dich lesen. Aber Du kannst den Leute heutzutage nicht mehr sagen, was sie zu kaufen haben. Oder warum denkst Du, handeln sich so viele Majors mittlerweile Flops ein? Ich möchte nicht wissen, wieviel Prozent von Plattenbeständen da manchmal wieder eingestampft werden. Das ist ja auch gut so. Wenn man den Markt auf diese Art und Weise manipulieren könnte, wäre die ganze Sache doch ziemlich langweilig. Klar, es gibt Nummern, die so dumpf sind, dass, wenn sie dauernd gespielt werden, auch ins hinterste und letzte Hirn eindringen. Im Metalbereich läuft das noch ein bisschen anders, glaube ich jedenfalls. Wenn es dem Hörer nicht gefällt, dann kauft er's nicht. Es gibt mittlerweile ja auch so viel Auswahl.

Die Pungent Stench Reunion ist nicht ganz komplett, denn den Bassisten konntet Ihr offensichtlich nicht mehr zum Mitmachen bewegen.

Alex Der hat schon lange am Metal wie auch am Musikmachen das Interesse verloren. Als wir 1995 aufhörten, verkaufte er sein gesamtes Equipment. Martin und ich suchten uns daher für die Reunion einen neuen Bassisten. Wir hatten bereits einen im Hinterkopf, und Jacek sagte auch sofort zu. Martin und ich komponieren die Songs zu Zweit im Proberaum. Das Material wird Jacek anschliessend zugeschickt, weil er drei Stunden von Wien weg wohnt. Das klappt wunderbar.

Ihr wollt zukünftig sicherlich auch wieder auf Tour gehen. Früher habt Ihr ziemlich exzessive Live Shows gehabt. Wird das in Zukunft auch wieder so sein oder müsst Ihr erst mal ein bisschen Geld sparen?

Alex Nein, man kann ja auch mit Wenig viel machen. Wir haben viel vor, und eine Menge Ideen haben wir auch. Es gibt sicherlich ein paar Sachen, die ein bisschen was kosten werden, und ich hoffe, dass wir diese trotzdem realisieren können. Die Live Shows werden auf jeden Fall unterhaltend und lustig sein - so wie's eben sein soll.


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