Sanguis - Warpaint juckt nicht (Interview, 2001)

Oesterreich's Underground ist aktiv, das wissen wir alle, und immer wieder mal taucht eine auffallende Band aus dem Nachbarland auch in unseren Breitengraden auf. Sanguis ist eine solche Band, und deshalb habt Ihr hier und heute die Möglichkeit, die "Höllenbrut" um Aries und Zhorn etwas näher kennenzulernen. Juckt Warpaint wirklich? Wie kommt ein Black Metaller zum Black Metal? Steckt im Endeffekt in uns allen "das Böse"? Diese und andere, bewegende Fragen werden nachstehend von Aries und Zhorn ein für allemal beantwortet und aufgeklärt ... remember where you've read it first.

Erzählt doch mal etwas über die Bandgeschichte. Was ist bisher bei Sanguis passiert?

Aries: Sanguis wurde im August 1999 von Wolf (voc), mir (bass), Robert (git) und Otwin (dr) gegründet. Zwei Monate später stiess Witchlord zur Band, der von nun an die zweite Gitarre spielen sollte, aber schon zwei Monate nach seinem Einstieg die Band wieder verliess. Nach diesem Ausstieg entschieden wir, auch unseren ersten Sänger Wolf wegen musikalischer Differenzen aus der Band zu nehmen und durch Zhorn bestens zu ersetzen. Seit diesen Lineup Wechseln schmolz die Einheit Sanguis immer mehr zusammen und kann von nun an auf kein Mitglied mehr verzichten.

Bei Eurem Song Mortal Art of Blood legt Ihr viel Wert darauf, dass das Wort "Art" grossgeschrieben wird. Was steckt dahinter?

Zhorn: Es soll ausdrücken, dass wir unsere Musik als extreme Kunstform ansehen. Es gibt ja sehr viele Facetten in der Kunst und in gewisser Weise auch im Black Metal. Man könnte beispielsweise diese Industrial Black Metal Schiene mit dem Surrealismus vergleichen. Klangcollagen in Bezug zu Farben oder Mustern, die in der Musik eben im Kopf entstehen.

Wenn man sich Eure Plattenfaves anschaut, stellt man ein recht weites Spektrum an Musikvorlieben fest. Iron Maiden werden da bespielsweise genannt, aber auch The Offspring. Dennoch spielt Ihr Black Metal. Was macht für Euch persönlich die Faszination des Black Metal Genres aus?

Aries: Mit der Musik des Heavy Metal sind wir aufgewachsen. Bands wie Maiden, Manowar, Helloween oder W.A.S.P gehörten zu unseren Faves. Was gibt es Schöneres, als auf einer Party die alten Scheiben unserer Urfäter zu spielen? Aber auch Hammerfall sind dafür bestens geeignet. Diese Bands geben einer Party die richtige Stimmung, weil dann alle die Lieder singen und sich dabei sinnlos besaufen. Nach und nach fing dann jeder von uns an, sich an die härteren Bands wie beispielsweise Immortal, Impaled Nazerene, Slayer oder Marduk heranzutasten. Auf diese Art kommen meiner Meinung nach die meisten Banger zu den härteren Klängen. Die Faszination am Black Metal an sich ist das Ausleben der Aggressionen, das Geheimnis hinter jedem Musiker und natürlich die rohe, aggressive Stimmung, die man nur über diese Musik erfahren kann. Dadurch war es für uns immer klar, Black Metal zu spielen, da es in erster Linie unsere Lieblingsmusik ist und wir auch lyrisch voll hinter dem Schwarzmetal stehen. Gerade live lässt sich diese Botschaft, die wir in den Texten bearbeiten, sehr leicht umsetzen. Auf der Bühne zu stehen und die aggressive, bedrohliche Stimmung von Mortal Art of Blood zu zelebrieren, gehört zu einem Markenzeichen von Sanguis, denn wir werden so lange es uns gibt live präsent sein. So watch out for our shows.

Die Interpretationen von Satan resp. dem Bösen sind in der Literatur und in verschiedensten Filmen sehr vielschichtig dargestellt worden. Der "personifizierte, gefallene Engel" stammt ja aber eigentlich aus der biblischen Geschichte. Wenn es nun einen solchen Satan gäbe, gäbe es ja zwangsläufig auch einen Gott. Wie interpretiert Ihr persönlich "das Böse"?

Zhorn: Als erstes möchte ich gleich betonen, dass keiner von uns je behauptet hat, er wäre Satanist. Ich verwende den Begriff "Satan" in meinen Texten auch immer nur als Metapher, im Falle von "At the end" eben für die Apokalypse. "Das Böse" liegt in jedem Menschen. Die Frage ist nur, ob derjenige Mensch es auch zulässt, diese Seite in sich zu fühlen oder dem Bösen gar die Übermacht über seine Gefühle überlässt. Ying und Yang - Schwarz und Weiss - Das Böse ist in jedem von uns, und es wartet nur darauf, herausgelassen zu werden.

Der Black Metal steckt dem Künstler ja relativ enge Rahmen betreffend der musikalischen Interpretation dieser Stilart. Passiert es Euch da manchmal beim Songwirting, dass Ihr Teile davon wegschmeissen müsst, weil sie einfach nicht zu Sanguis passen, respektive wie lebt Ihr solche anderen Wünsche als Musiker aus?

Aries: Es kommt des öfteren vor, dass wir Riffs, die uns Robert vorspielt, nicht verwenden. Das gilt auch für meine. Wir haben uns beim Songwriting als Ziel gesetzt, dass jeder Riff jedem gefallen muss. Es kommt aber eher selten vor, dass wir mit Riffs ankommen, die untypisch für uns sind. Es weiss jeder so ungefähr, was dem anderen gefällt. Beim Zusammenfassen der Lieder arbeiten wir dann alle gemeinsam, um das für uns Beste herauszuholen. Wir legen aber nicht fest, wie ein Song schlussendlich werden soll, ob so schnell wie "At the end" oder eher langsam wie beispielsweise "Mortal Art of Blood". Es entwickelt sich jeder Song im Proberaum, und daher bekommt er auch die Sanguis-eigene Atmosphäre.

Ich glaube, es war Shagrath von Dimmu Borgir, der neulich mal gesagt hat, das ewige Warpaint verursache Hautprobleme. Ihr scheint ebenfalls begeisterte Gesichtsbemaler zu sein. Jetzt mal ehrlich. Juckt das Zeug nicht manchmal grässlich?

Aries: Wir haben schon immer mit Paint gespielt und werden das nicht so schnell ändern. Es stört uns nicht im Geringsten, uns vor jedem Auftritt anzumalen. Es ist eher schon zu einem Ritual geworden. Die Schminke juckt nicht im Geringsten. Sie ist nur ungemein heiss auf der Bühne.

Ein Ziel von Mortal Art of Blood ist und war es ja, einen Plattenvertrag zu ergattern. Wenn Ihr bei einem Label Eurer Wahl signen könntet, welches wäre es und warum, respektive was wären Eure Kritierien bei einer solchen Auswahl?

Zhorn: Wir würden bei jedem Label unterschreiben, das seine Bands nicht abzockt und hinter uns und unserer Musik steht. Ansonsten gibt es keine weiteren Kriterien.

Curse the Past ist ein Song, der "mit dem Christentum abrechnet", wie Ihr das beschreibt. Aber jetzt mal allgemein gefragt. Mein Eindruck ist manchmal, dass gewisse Black Metal Bands "ihre Mission" gegenüber einer sicherlich fragwürdigen Institution auch nicht anders interpretieren als die frühen Kirchenführer, nämlich als Hetzer- und Ketzerei gegenüber Andersdenkenden, egal, ob man sich jetzt diesen anfreunden kann oder nicht. Die Kirchenanhänger von heute sind nicht mehr die gleichen wie damals. Das wäre ja wie wenn man alle jungen Deutschen für die Verbrechen im 2. Weltkrieg kollektiv mitverurteilen oder alle Oesterreicher zu "Rechtsdenkenden" abstempeln würde, nur weil deren derzeitige, politische Landschaft etwas zwiespältig im Ausland erscheint. Wie steht Ihr zu einer solchen Aussage, oder haltet Ihr sie ein bisschen für zu "vereinfacht" formuliert? Damit hier kein falscher Eindruck entsteht, könnt Ihr vielleicht auch noch etwas über Curse the Past und Eure Interpretation zu diesem Thema sagen.

Zhorn: Die Religion Christentum stört mich persönlich gar nicht mal so sehr. Es ist eben eine Eingottreligion und dementsprechend einengend. Curse the Past handelt von den blinden Anhängern dieser Religion, die ihr folgen, ohne sie zu hinterfragen. Einem Zuggaul gleich tragen sie Scheuklappen, die sie wesentliche Dinge im Leben gar nicht erkennen lassen. Sicher sind die Lyrics dazu etwas übertrieben, aber ich nehme mir einfach das Recht heraus und sage mal ganz naiv, dass das Christentum auch des öfteren aus einer Mücke einen Elefanten macht. Es ist eben ein leidiges Thema, über das man stundenlang diskutieren könnte. Man kann diese Menschen fast nicht ändern, aber man sollte es zumindest versuchen, indem man ihnen andere Perspektiven gibt, über die sie sich Gedanken machen können. Think and you’ll be free!

Was denkt Ihr über den österreichischen Underground? Können sich Metal Bands Eurer Meinung nach in Eurem Land gut entwickeln oder vermisst Ihr da einiges?

Aries: Die österreichischen Bands haben es schwer, gegen die ausländische Konkurrenz anzutreten. Unser Bestes geben wir aber alle, das merkt man schon am Arrangement. Für Live Auftritte ist auch gesorgt, wenn man nur will. Jedoch ist es schon eine "Freunderlwirtschaft", wenn es um den Support einer grösseren Band geht. Wir sehen uns gern als eine Einheit des österreichischen Undergrounds und sind sehr stolz darauf. Jedoch wäre es schon mal an der Zeit, Auftritte im Ausland zu erhaschen. Vielleicht mal in der Schweiz? Vielleicht kann es uns wer ermöglichen?

Was sind die nächsten Bandziele? Wie soll's denn weitergehen?

Aries: Unser Ziel ist noch immer, einen Deal mit einem seriösen Label zu bekommen. Das hat mit Mortal Art of Blood zwar noch nicht geklappt, aber wir werden nicht aufgeben und es auch weiterhin versuchen. Unser nächstes Ziel ist es, Ende des Jahres 2001 oder Anfang 2002 wieder ins Studio zu gehen, um unsere nächste CD zu produzieren. Sie wird gepresst und mit einem Booklet versehen sein! (ja hoffentlich, gerührt und geschüttelt ist einfach nicht das gleiche - Red.) So watch out for our shows!!!


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MP3 von Sanguis

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The Renewal

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