Soilwork - entspannt und unkompliziert (Interview, 2002)

So ein Telefonat mit Svergje-Menschen ist immer eine nette Sache. Man schnappt sich einen Kaffee, setzt sich in die Küche, räuchert mit ein zwei Zigarettchen den Ort der kulinarischen Künste ein und redet entspannt über dies und das. Das Ergebnis nennt man dann hochgestochen ein Interview.

Danach muss natürlich wieder streng gelüftet und alles abgetippt werden, aber das war es Wert, den Ola hatte einiges über das neue Album und die Band zu erzählen. Bleibt zu hoffen, dass Euch diese Abschrift unterhält. Lüften ist nämlich eine anstrengende Sache, vor allem dann, wenn es einem, wie an diesem Abend, dabei ins Gesicht schifft. Ein Hoch auf das westeuropäische Klima.

Ich finde es interessant, dass Euch scheinbar jeder mag. Die Liebhaber der härteren Sachen mögen Eure aggressive Seite, die Melodic Fans Eure Melodien und die open-minded Leute den Mix aus beidem. Ist es nicht langweilig, jedermann's Liebling zu sein?

Ola: Haha. Nein, überhaupt nicht. Ich glaube, bisher haben wir ziemlich gute Reviews bekommen (die sprichwörtliche, schwedische Bescheidenheit at its best - Verf.).

Einige Leute könnten sagen, dass Euer neues Album etwas zu geschliffen klingt, keine Ecken und Kanten hat und dadurch etwas "poliert" wirkt.

Ola: Um ehrlich zu sein, hatten wir sogar geplant, mit Natural Born Chaos ein cleanes, "poliertes" und recht unkompliziertes Album aufzunehmen. Natürlich hoffen wir trotzdem, dass Natural Born Chaos ein rauhes und hartes Album geworden ist.

Das Keyboard ist bei Soilwork ein bisschen wichtiger geworden. Liegt das am relativ neuen Keyboarder Sven Karlsson und warum ist Carlos gegangen?

Ola: Beginnen wir vielleicht mit Carlos. Er hat uns während der letztjährigen Tour mit Nevermore verlassen. In der Mitte dieser Tour bekam er eine schlimme Erkältung und hatte zudem auch Heimweh. Er kam zum Schluss, dass das Touren nicht die Art von Leben sei, das er führen wollte. Also beschloss er, die Band zu verlassen, und zwar sofort. Natürlich waren traurig und auch etwas böse deswegen, weil wir den Rest der Tour ohne einen Keyboarder fortsetzen mussten. Aber jetzt ist Sven in der Band, und er ist ein völlig anderer Keyboardplayer als Carlos. Er hat all seine Arrangements selbst gemacht, und deswegen hören sich die Keys auf dem neuen Album auch anders an als früher.

In den frühen Tagen von Soilwork waren es vor allem Björn Strid (vocals - Verf.) und Peter Wichers (guitars - Verf.), die die Musik für Soilwork geschrieben haben. Sieht das mittlerweile etwas anders aus?

Ola: In der Vergangenheit waren es tatsächlich vor allem Björn, Peter und ich, die die Musik für Soilwork geschrieben haben - auch noch für A Predator's Portrait. Bei Natural Born Chaos lief es so, dass Peter und ich die Songs jeweils jeder für sich zu Hause geschrieben haben. Wir arbeiteten daher nicht so eng zusammen wie früher. Ob das eine gute oder eine schlechte Idee war, kann ich nicht sagen. Natürlich wurden Sven und die anderen auch in den Songwriting Prozess mit einbezogen. Anschliessend sind wir mit den neuen Titeln zusammengekommen und haben über gewisse Veränderungen bei Soloparts, Refrains oder was auch immer diskutiert.

Du hast am Anfang gesagt, dass Ihr ein recht unkompliziertes Album machen wolltet. Mit welchem Resultat? Ein unkompliziertes Album für die Fans, oder gar ein unkompliziertes Album für Euch selbst?

Ola: Wenn Du im Studio bist, passiert es Dir sehr leicht, dass Du ein Album zu kompliziert gestaltest, was bedeutet, dass Du eventuell in Schwierigkeiten kommst, wenn Du die Songs live genau so spielen musst. Aber sowas tun wir ohnehin nicht. Wir schreiben keine Songs, die wir live nicht spielen können. Mit Natural Born Chaos wollten wir schlicht und einfach ein entspanntes und eben auch unkompliziertes Album machen, das sich von A Predator's Portrait unterscheidet.

Was Euch auch gelungen ist, denn Ihr habt etwas an Geschwindigkeit verloren und dafür stark im Bereich der Melodien zugelegt. Denkst Du, dass Euch diese Vorgehensweise ein paar der früheren Fans kosten wird? Beim ersten Hören des Albums wirkt Natural Born Chaos eigentlich nur wie ein kleiner Schritt nach vorne, aber nach mehrmaligem Zuhören wird einem doch klar, dass dieses Album eine viel grössere Entwicklung darstellt, als man zunächst vielleicht vermutet - hin zu einer klassischeren Form des Heavy Metals.

Ola: Das hört sich gut an! Ich denke, dass wir eine gute Mischung aus verschiedenen Stilen gefunden haben, denn Du kannst auf dem Album Einflüsse aus den 70ern, 80ern und auch aus den 90er Jahren hören. Schon als wir A Predator's Portrait aufgenommen haben, waren einige Leute enttäuscht von uns, denn The Chainheart Machine (1999 - Verf.) war verglichen zu Predator ein sehr schnelles Album. Ja, möglicherweise werden wir mit Natural Born Chaos abermals einige Fans verlieren, aber wir müssen einfach das machen, was wir auch machen wollen, denn nur so werden sich unsere Alben auch ehrlich anhören. Ich denke, dass wir zukünftig ...

... wie Bon Jovi klingen?

Ola: Haha. Nein! Ich wollte damit sagen, dass wir mit Natural Born Chaos hoffentlich mehr Fans dazugewinnen, als wir jetzt verlieren.

Ihr habt Euer Album Natural Born Chaos genannt, was mich an Oliver Stone's Film Natural Born Killers erinnert. Gibt es da eine Verbindung?

Ola: Ich habe es Björn noch gesagt, als er von mir wissen wollte, ob ich den Titel gut fände. Ich fragte ihn, ob er denn nicht denke, dass die Leute Natural Born Chaos mit diesem Film in Zusammenhang bringen könnten? Das wollte ich persönlich zumindest nicht, denn ich möchte nichts mit diesem Killer-Blabla zu tun haben. Björn stimmte zu, meinte aber, dass er wisse, was er mit diesem Titel ausdrücken wolle und dass dieser nichts mit diesem Film zu tun hätte.

Also müssen wir nicht mit einem zukünftigen Soilwork-Album rechnen, dass sich "The Lord Of The Thrills" oder "Jurassic War" nennt?

Ola: Nein, ich glaube kaum, haha. Wir haben noch darüber nachgedacht, ob wir das Album vielleicht Follow The Hollow nennen sollen (wie den Titeltrack - Verf.), aber schlussendlich hat Natural Born Chaos das Rennen gemacht. Dieser Titel passt auch irgendwie zu dem Chaos, das wir zu bewältigen hatten, als wir darüber nachdachten, in welche Richtung wir denn mit dem neuen Album gehen sollten.

An einen speziellen Song von A Predator's Portrait erinnere ich mich besonders gut, nämlich an Shadowchild, und zwar aus dem Grund, weil, aus heutiger Sicht gesehen, dieser Track wie ein erster Versuch in die heutige, sehr melodische Richtung klingt. War dem so?

Ola: Damit liegst Du absolut richtig! Wir hatten Shadowchild schon als Bonussong auf der japanischen Ausgabe von The Chainheart Machine. Damals sagten wir zu Björn: "Wow, Björn, was für eine tolle Stimme Du hast! Warum nehmen wir diesen Titel nicht auf die nächste Platte?" Shadowchild war wohl der "Starting Point" für Natural Born Chaos, ein harter, aggressiver Song mit einem sehr melodischen, cleanen Refrain.

Nach den Veröffentlichungen von Terror 2000, Soilwork und Darkane sprachen plötzlich viele von einer schwedischen Stadt namens Helsingborg, und einige vermuteten, dass durch den Erfolg Eurer Bands vielleicht bald aus Helsinborg eine neue, frische Death/Thrash Generation Schwedens entspringen könnte. Hat der Erfolg Eurer Veröffentlichungen der Stadt musikalisch einen Kick gegeben und junge Bands inspiriert?

Ola: Ja, ich glaube schon. Mittlerweile gibt es viele Bands hier in Helsingborg, die Metal spielen, und das ist für diese Stadt ziemlich neu. Wir hoffen, dass wir dazu beigetragen haben, dass Helsingborg auf der schwedischen "Metal-Landkarte" aufgetaucht ist, denn bei den ersten beiden Alben haben noch viele Leute von "Soilwork aus Götheborg" gesprochen. Aber wir haben ohnehin ein gutes Verhältnis zu den anderen, grossen Städten wie Götheborg oder Stockholm. Hier gibt es keine internen Bandkämpfe oder sowas.

Das langjährige Dream-Team von Soilwork sieht folgendermassen aus: Die Band, das Studio Fredman und Fredrik Nordstrom. Aber dieses Mal war noch eine weitere Person zugegen - eine sehr bekannte, nämlich Dewin Townsend. War die Situation bei den Aufnahmen dieses Mal anders? Fühltet Ihr einen gewissen Erwartungsdruck?

Ola: Natürlich waren wir zu Beginn sehr nervös. Wir standen auf der einen Seite mit unseren Instrumenten, er sass auf der anderen im Recording Raum. Wir verehren Dewin Townsend sehr, und von daher fühlten wir natürlich schon einen gewissen Druck auf uns lasten. Wir wussten auch, dass Dewin ein extrem gutes Musikgehör hat und keine Fehler auf dem Album zulassen würde. Er hat es geschafft, das Beste aus uns herauszuholen, und die Aufnahmen wurden zu einer grossartigen Zeit.

Jetzt gibt es ja zwei Olas in der Band, den Bassisten Ola Flink und den Gitarristen Ola Frenning. Das Resultat davon ist, dass ich null Ahnung habe, mit welchem Ola ich momentan eigentlich rede. Wie unterscheiden Euch die anderen Mitglieder innerhalb der Band - mit Ola1 und Ola2?

Ola: Haha. Ich bin Ola Frenning, der Gitarrist. Wir sprechen uns übrigens mit den Nachnamen an - "Flink and Frenning".

Flink and Frenning ....? Ja, hört sich irgendwie gut an. Fast wie eine eine Detektivserie.

Ola: Haha. Stimmt.


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The Renewal

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