Nocte Obducta - Mogontiacum (Nachdem die Nacht herabgesunken) (2016)

Nocte ObductaStil: Avantgarde Black Metal

Label: MDD

Punkte: 10/13

Spielzeit: 65:19

Ein totsicherer Wert in Sachen Avantgarde Black Metal sind die Mainzer schon seit Jahrzehnten. Bei allen engstirnigkeitsbefreiten Schwarzstahljüngern war die verkündete Beerdigung vor zehn Jahren ein Schock, von dem sie allerdings alsbald wieder erlöst wurden. Seither gab es zwei Neuwerke, die sich zwischen Rückbesinnung auf den Schwarzmetall bis hin zu hoch experimenteller Klangkunst bewegten. Mit "Mogontiacum" stellt die Formation ihr ganzes Schaffensspektrum vor den Spiegel und bewundert sich leider nicht ganz ohne Selbstkopie.

Das Neustwerk lotet Nocte Obductas Bandbreite also vollständig aus: Von urigem Black Metal in "Löschkommando Walpurgisnacht" bis hin zum atmosphärischen "Ein Ouzo auf den Nordwind" entsteht eine Vielfalt, bei der vor allem die Experimentierfreude einen roten Faden bildet. Dass trotzdem immer klar bleibt, wer dahinter steckt, liegt wohl auch daran, ähnliches verstreut in ihrem Gesamtwerk schon einmal gehört zu haben. Dennoch ist "Mogontiacum" keines falls ein Flickwerk, sondern vielmehr eine mannigfaltige Wanderung durch die verhüllte Nacht von früher und heute.

Was nicht unerwartet erneut zum Glanz beiträgt ist die Einzigartigkeit in Sachen Sprachkunst, die dieses Mal durch noch mannigfaltigeren Beitrag fast aller Formationsmitglieder zum Leben erwacht: Alliterationen, ein bemerkenswerter Wortreichtum und eine Bildsprache, die sich nicht vergleichen lässt. Gleiches gilt für die einzigartige psychedelische Stimmung, die finster-traurigen Harmonien und Dissonanzen. Akustische Elemente sind genauso weiterhin vorhanden wie verträumte Pianoklänge. Dazu gesellt sich diesmal ein Hauch mehr Extremismus. So kratzt "Am Waldrand" passagenweise an der Ecke Old School Black ’n’ Roll mit einer ganz schönen Portion Rotz.

Nocte Obducta reizt auf "Mogontiacum" sein ganzes Spektrum aus, schafft viele Erinnerungstunnels an alte Werke und generiert dennoch die Tiefe, für welche die Avantgardisten bekannt sind. Sicherlich ist das Werk nicht das überraschendste, aber deswegen nicht weniger genial.




Tracklist:


1. Am Ende des Sommers
2. Glückliche Kinder
3. Ein Ouzo auf den Nordwind
4. Lethe, Stein und See - Teil I
5. Löschkommando Walpurgisnacht
6. Tango im Festungsgraben
7. Deshra Mogontiacum
8. Die Pfähler
9. Am Waldrand
10. Lethe, Stein und See - Teil II
11. Im Dunst am ewigen Grab der Sonne

Ähnliche Bands

AgrypnieDornenreichTodtgelichterNagelfarEs

Kommentar schreiben


Du musst eingeloggt sein, um einen Kommentar zu schreiben.
Bist du noch nicht registriert? Du kannst dich hier gratis registrieren.

Weiteres von Nocte Obducta

Kritik: Nocte Obducta - Stille (das nagende Schweigen)

Kritik: Nocte Obducta - Nektar Teil 2: Seen, Flüsse, Tagebücher

Kritik: Nocte Obducta - Sequenzen einer Wanderung

Kritik: Nocte Obducta - Totholz

Bericht: Interview: Zwischen Nektar und Blut

noch mehr...!

Netzwerke


Nutzerwertung

Bitte loggen Sie sich ein, um abzustimmen.

Es hat noch niemand abgestimmt.

Verfasser

Autor
Morgenstern

Bookmark setzen

 @ to Google Bookmark  @ to bloglines  @ to newsgator  @ to digg  Bookmark @ del.icio.us  Bookmark @ Mister Wong  Bookmark @ isio.de  Bookmark @ reddit  Bookmark @ blinklist  Bookmark @ technorati  @ to blogmarks

Toolbox

Artikel Drucken Artikel Drucken
Artikel Kommentieren Kommentieren
Artikel zu Favoriten Zu Favoriten
>> Anmeldung nötig

Partner



© Schwermetall.ch