Waldgeflüster - Ruinen (2016)

WaldgeflüsterStil: Dark Metal / Black Metal

Label: Nordvis

Punkte: 12/13



Vorweg: "Ruinen" ist ein einzigartiges Wunderwerk natürlich schwarzmetallischer Tonkunst. Wie es zu einem derart überschwänglichen Urteil kommen mag, dürften die kommenden Zeilen in der Gesamtheit darlegen:

Erstens trifft der Fünfer um Sänger Winterherz den Zahn der Zeit. Denn stilistisch wurzelt die Formation im Schwarzmetall. Doch die Klänge, welche sich um diesen Kern herum weben, sind mannigfaltig. So zelebriert die Truppe Dark Metal im Stile von Nocte Obducta oder Agrypnie genau so wie Pagan Metal Einspielungen im Sinne von Helrunar. Ohne jegliche Anspielung auf Nachahmung weiss Waldgeflüster, dass verträumter Dunkelmetall mit progressiven Elementen und einem Ausblick in Richtung Post Rock, Ambient und psychedelischen Rock funktionieren muss. Allein die Stilfusion reicht wie es zahlreichen Bandbeispielen anzulasten ist nicht. Doch Waldgeflüster vernetzen in einer derartigen Genialität die Fäden einzelner Richtungen, so dass aus ein plus eins mehr als nur drei wird.

Zweitens schafft die Formation Hymnen, welche die Tiefe der Vorgängerstücke noch einmal in den Schatten stellt. Mit "Weltenwanderer" und "Ruinenfelder" zelebriert Waldgeflüster den dunklen Stahl mit einer tieftraurigen Euphorie, welche den freudigsten Menschen ins Grübeln bringt. Die Stücke – hinterlegt mit intelligenten Dogmatik-freien Texten – sind mit einem Spannungsbogen zwischen traumhaften Harmoniewelten und rauer Frostigkeit, filigraner Melancholie und abgründiger Raserei dergestalt faszinieren, dass Worte der reinen Emotion kaum ausreichen um die kreierte Gefühlswelt auch nur annähernd beleuchten zu können.

Drittens sind Klargesang, Streichersequenzen und naturverbundene Texte nicht etwas Ungehörtes im Schwarzmetall-Umfeld. Doch durch die Dosierung wie sie die Süddeutschen arrangieren und in einem fruchtbaren Klangbild darbieten entsteht eine überraschende Neuheit, ohne die Welt frisch erfinden zu müssen.

Auch wenn das ursprünglich als Soloprojekt im Pagan Black Metal gegründete Waldgeflüster mit einem Sänger namens Winterherz nach ganz viel Abgedroschenheit oder Kitschklischee klingen mag: "Ruinen" ist ein hochkarätiges Kaliber, das weder musikalisch noch textlich irgendwelchen Vorurteilen gerecht wird. Da ist ein Sensationswerk entsprungen.




Tracklist:


1. Die Ruine als Schmuck
2. Weltenwanderer
3. Trümmerfestung
4. Und immer wieder Schnee
5. Ruinenfelder
6. Graustufen Novembertage
7. Aschephönix
8. Susitaival


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